Maria – Hilfe der Christen (Quickborn)

Maria – Hilfe der Christen, auch kurz St. Marien genannt, ist die römisch-katholische Kirche in Quickborn, einer Stadt im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein. Die Kirche ist nach dem Marientitel Maria, Hilfe der Christen benannt und gehört seit 2018 zur Pfarrei Hl. Martin mit Sitz in Elmshorn im Erzbistum Hamburg.

Geschichte

Quickborn, das damals zur Grafschaft Holstein-Pinneberg gehörte und kirchlich dem Erzbistum Bremen unterstand, wurde im 16. Jahrhundert durch die Reformation lutherisch.

Nachdem sich wieder Katholiken in Quickborn niedergelassen hatten, wurden sie durch Geistliche der St.-Joseph-Kirche in Altona betreut. Quickborn gehörte zur 1868 errichteten Apostolischen Präfektur Schleswig-Holstein, bis ihr Gebiet 1930 in das Bistum Osnabrück eingefügt wurde.

Im Zuge der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950 war die Zahl der Katholiken in Quickborn so stark angestiegen, dass Quickborn am 15. Februar 1952 mit Pastor Golombiewski einen eigenen Geistlichen bekam. Mit großem persönlichen Einsatz der Gemeindemitglieder wurde eine kleine Kirche erbaut, die am 1. Mai 1953 durch Johannes von Rudloff, Weihbischof in Osnabrück und Bischofsvikar in Hamburg, eingeweiht wurde. Sie trug bereits das Patrozinium Maria – Hilfe der Christen. 1955 bekam die Kirche ihre Glocken, und 1963 ein Pfarrheim. Nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde am 21. September 1970 ein neuer Altar konsekriert. Am 1. Januar 1973 wurde Quickborn eine selbstständige Kirchengemeinde, bis dahin gehörte die Kirche zur Pfarrei St. Joseph in Altona. Der Bau eines neuen Gemeindehauses erfolgte 1984/85, der Bau eines neuen Pfarrhauses 1994/95. 1994 trat Osnabrück die Kirchengemeinden in Schleswig-Holstein an das neu gegründete Erzbistum Hamburg ab.[1] Am 21. Juni 1998 fand in der Kirche die letzte Heilige Messe statt, anschließend wurde die baufällige und für die gewachsene Gemeinde zu klein gewordene Kirche abgerissen und 1999 durch einen Neubau ersetzt.

Zum 1. Januar 2017 wurde durch das Erzbistum Hamburg das Dekanat Itzehoe, zu dem Quickborn gehörte, aufgelöst und der neugegründeten Region Schleswig-Holstein angeschlossen.[2] Am 21. Oktober 2018 wurde die heutige Pfarrei Heiliger Martin errichtet, zu der neben der Kirche in Quickborn auch die Kirchen Mariä Himmelfahrt in Elmshorn, Herz Jesu in Halstenbek, St. Michael in Pinneberg, Christkönig in Uetersen und Unbeflecktes Herz Mariens in Wedel gehören.[3]

Architektur

1997 begannen die Planungen zum Bau der heutigen Kirche, die 1999 errichtet wurde. Sie entstand nach Plänen der Architekten Friedhelm Grundmann und Mathias Hein aus Hamburg in Zusammenarbeit mit dem ortsansässigen Architekten Bernhard Breuninger.

Der Grundriss des Gottesdienstraums entspricht einem Quadrat, das von einem Rechteck gekreuzt wird und dadurch sechs Außenecken erhält. Die Eingänge befinden sich an zwei Längsseiten des Quadrats, dazwischen überragt der Kirchturm das Dach der Kirche. Der helle und lichtdurchflutete Innenraum ist halbseitig elliptisch gestaltet.[4] Die Kirchenbänke sind in zwei Blöcken halbrund auf den um zwei Stufen erhöhten Altarraum ausgerichtet. Links neben dem Altarraum befindet sich die Werktagskapelle, rechts die Sakristei. Über dem Eingangsbereich befindet sich die Empore mit der Orgel, die über zwei Wendeltreppen zugänglich ist.

Ausstattung

Der Altar ist als Kubus aus hellem Naturstein ohne Ornamentik ausgeführt.[5] Der Tabernakel ist als Himmlisches Jerusalem gestaltet und von Claus Pohl aus Duisburg gearbeitet. Altar, Tabernakelstele und Ambostele sind aus dem gleichen Stein gefertigt. Das schmale hohe Mittelfenster hinter dem Altar zeigt einen Farbübergang von Gelb (oben) nach Weiß (unten). Es wurde von Johannes Schreiter aus Langen entworfen. Das Licht symbolisierende Gelb kommt von Gott herab in die „irdische Wirklichkeit“.[6] Im unteren Bereich des Fenstern stehen vier U-förmige „Chiffren“ in Gelb und Grau, teils mit angedeuteten Brüchen und Beschädigungen, für die Lebensgeschichten der Menschen; die nach oben geöffnete Form richtet sich aus auf das vor dem Fenster angebrachte Kreuz, das aus dem alten Kirchbau stammt.[7]

Das Taufbecken ist ebenfalls aus hellem Naturstein gefertigt, es steht in der dem Altar gegenüberliegenden Ecke des Raumes. Es ist geometrisch aus Halbkugel und Zylinder gestaltet. Das Tauffenster von Johannes Schreiter ist in Blautönen gestaltet, zwei U-förmige Chiffren symbolisieren einen ungetauften Menschen (Form unten offen) und einen getauften (Form oben offen), der sich auf Gott ausrichtet und vom Gelb des göttlichen Lichts schon ein wenig erfüllt wird.[8] Auch hier sind Bruchlinien und Fehlstellen in die Formen gearbeitet. Auch die vierzehn Stationen des Kreuzwegs links und rechts vom Tauffenster wurden aus dem Vorgängerbau übernommen.

Vor einer 1998 angefertigten Kopie der Ikone Unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe aus der katholischen Kirche Sant’Alfonso in Rom können Kerzen entzündet werden.[9]

Die Werktagskapelle ist als Marienkapelle konzipiert. Die hölzerne Marienfigur wurde aus dem Vorgängerbau übernommen.[10] Die drei Seitenfenster der Kapelle zeigen die Aussendung des Heiligen Geistes.

Die Versöhnungskapelle zweigt von der Marienkapelle ab, sie ist gleichermaßen für die Ohrenbeichte und das Beichtgespräch ausgestattet. Auf einer Stele steht eine Bronzeskulptur von Claus Pohl, die Figurengruppe stellt das Gleichnis vom barmherzigen Vater dar.

Die Glocke des Vorgängerbaus fanden beide einen neuen Ort: Die kleinere, in den 1950er Jahren gegossene Glocke ist heute als Schlagwerkglocke außen am neuen Glockenturm angebracht. Die zweite, 500 Jahre alte und aus dem niederschlesischen Kapsdorf stammende Glocke der alten Kirche war beschädigt und wurde auf dem Kirchhof als Denkmal aufgestellt.[11] Für den neuen Glockenturm wurden drei Glocken gegossen: Sie sind nach den Heiligen Ansverus, Ansgar und Maria benannt, wurden am 19. Februar 1999 von der Glockengießerei Bachert gegossen und am 25. September 1999 geweiht. Ihr Geläut ist auf das der evangelischen Marienkirche abgestimmt.

Siehe auch

Literatur

  • Wolfgang Guttmann: Kraft des Ursprungs. Maria Hilfe der Christen, Quickborn Kunstverlag Josef Fink, 1. Auflage 2006, ISBN 978-3-89870-319-2.
Commons: Maria – Hilfe der Christen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Vom Missionsgebiet zum Erzbistum. bei erzbistum-hamburg.de, abgerufen am 13. Mai 2016.
  2. Dekret über die Aufhebung der Dekanate im Erzbistum Hamburg. In: Kirchliches Amtsblatt. Erzbistum Hamburg (Hrsg.), Ausgabe 1/2017 vom 23. Januar 2017, S. 8, abgerufen am 27. Januar 2023. (PDF)
  3. Dekret über die Aufhebung von katholischen Pfarreien in Elmshorn, Pinneberg, Quickborn und Wedel sowie über die Errichtung der katholischen Pfarrei Heiliger Martin. In: Kirchliches Amtsblatt. Erzbistum Hamburg (Hrsg.), Ausgabe 7/2018 vom 13. Juli 2018, S. 125–127, abgerufen am 27. Januar 2023. (PDF)
  4. Wolfgang Guttmann: Kraft des Ursprungs, Lindenberg 2006, ISBN 978-3-89870-319-2, S. 20.
  5. Wolfgang Guttmann: Kraft des Ursprungs, Lindenberg 2006, ISBN 978-3-89870-319-2, S. 46.
  6. Wolfgang Guttmann: Kraft des Ursprungs, Lindenberg 2006, ISBN 978-3-89870-319-2, S. 40.
  7. Wolfgang Guttmann: Kraft des Ursprungs, Lindenberg 2006, ISBN 978-3-89870-319-2, S. 40/43.
  8. Wolfgang Guttmann: Kraft des Ursprungs, Lindenberg 2006, ISBN 978-3-89870-319-2, S. 35.
  9. Wolfgang Guttmann: Kraft des Ursprungs, Lindenberg 2006, ISBN 978-3-89870-319-2, S. 105.
  10. Wolfgang Guttmann: Kraft des Ursprungs, Lindenberg 2006, ISBN 978-3-89870-319-2, S. 70.
  11. Wolfgang Guttmann: Kraft des Ursprungs, Lindenberg 2006, ISBN 978-3-89870-319-2, S. 83.

Koordinaten: 53° 43′ 40,5″ N, 9° 54′ 23,4″ O