Maria-Hilf-Kapelle (Wernau)
Die Maria-Hilf-Kapelle ist eine römisch-katholische Kapelle und das älteste Kulturdenkmal in der Stadt Wernau.[1]
Geschichte
Einwohner des Ortes Steinbach, der im Jahr 1938 in der heutigen Stadt Wernau aufgegangen ist, hatten die heilige Maria um die Verschonung von einer Pestwelle gebeten und in diesem Zusammenhang die kleine Kapelle errichtet.[2] Fälldaten des verwendeten Holzes deuten auf ein Baujahr um 1667 hin, womit die Kapelle das älteste noch heute bestehende Gebäude der Stadt Wernau ist. Im Jahr 1724 wurde die Kapelle geweiht.[3] Anselma Bopp, die Ordensgründerin der Thuiner Franziskanerinnen, bereitete sich hier um das Jahr 1850 auf ihr Klosterleben vor. Heute werden insbesondere an Maria Himmelfahrt Gottesdienste in der Kapelle gehalten, zudem ist die Kapelle aufgrund ihrer Lage inmitten eines Gartens als Ort für Trauungen beliebt.[4]
Architektur und Umgebung
Die Kapelle ist eine einschiffige Saalkirche, die in Anlehnung an den gotischen Stil erbaut wurde. Über der Eingangstür im Westen erhebt sich der Glockenturm mit einem Spitzhelm aus Kupferblech, in dem sich eine einzelne Glocke befindet. Vor der Westseite der Kapelle befindet sich ein Kräutergarten mit Thymian, Rosmarin, Dill und Lavendel. Vor der Ostseite der Kapelle wurde ein Kriegerdenkmal mit Pietà zur Erinnerung an die 33 im Ersten Weltkrieg gefallenen Bürger des Ortes Steinbach errichtet. Die Namen der Gefallenen sind auf einer Metalltafel unterhalb der Pietà aufgeführt.[5] Eine Kreuzigungsgruppe aus dem 16. Jahrhundert, die sich ursprünglich an der Friedhofsmauer der Kapelle befand, ist heute am Kirchturm der benachbarten Kirche St. Magnus angebracht, um sie vor dem Verfall zu bewahrten.[6]
Im Bereich der ehemaligen Totenhalle befinden sich vier Epitaphe ehemaliger Steinbacher Ortsherren:[1]
- Heinrich Wilhelm von Freyberg und Eisenberg († Juni 1631 in Uhingen), Ortsherr zu Unterdiessen und bekannt als der Mann mit der eisernen Hand, von schwedischen Reitern im Dreißigjährigen Krieg bei Göppingen erschossen; mit Wappen Freyberg - Schadin von Mittelbibrach; Stain - Dorschin von Behlehemsdorf[7]
- Johann Ulrich von Bubenhofen († 13. August 1664); mit Wappen von Bubenhofen - Blarer von Wartensee; Biel von Bielsberg, von Bernhausen
- Philipp Konrad von Liebenstein, Herr zu Steinbach und Ganerb zu Bönnigheim († 31. Oktober 1701), der in fürstlich ellwangischen Diensten stand, und seiner Frau Freifrau Anna Katharina von Müllenheim[7]
- Marquard Philipp von Liebenstein, Herr zu Steinbach und Ganerb zu Bönnigheim († 28. September 1723)[7]
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Epitaph des Johann Ulrich von Bubenhofen († 13. August 1664)
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Epitaph des Heinrich Wilhelm von Freyberg und Eisenberg († Juni 1631 in Uhingen)
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Epitaph des Philipp Konrad von Liebenstein († 31. Oktober 1701) und seiner Frau Freifrau Anna Katharina von Müllenheim
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Maria-Hilf-Kapelle, Marquard Philipp von Liebenstein († 28. September 1723)
Innenraum
Am Eingang befindet sich ein kleines Weihwasserbecken und das Seil, mit dem die Glocke täglich um 12 Uhr mittags zum Angelusgebet geläutet wird. Die Wände der Kapelle sind mit geschnitzten Holzfiguren geschmückt: Von der Pforte aus gesehen hängt links neben dem Altar eine Figur des heiligen Sebastian als Schutzpatron gegen die Pest, rechts eine Darstellung des heiligen Nepomuk als Schutzpatron gegen Überflutungen des nahegelegenen Steinbachs. An der von der Pforte aus gesehen linken Kapellenwand ist eine Holzfigur des heiligen Wendelin, rechts eine des heiligen Josef angebracht. Diese werden als Schutzpatrone der Bauern und Hirten bzw. der Handwerker verehrt, also derjenigen Bevölkerungsgruppen, von denen die Kapelle einst errichtet wurde.[3] Den hölzernen, neugotischen Marienaltar ziert im oberen Bereich eine Kopie des Gnadenbildes Mariahilf von Lucas Cranach d. Ä., im unteren Bereich ein Gemälde, das die Anbetung der Hirten darstellt. Wie sich bei Renovierungsarbeiten herausgestellt hat, befinden sich unter dem Putz der Seitenwände Reste von Malereien aus dem 18. Jahrhundert.[3]
Literatur
- Anton Denzinger: Wernau Neckar, Werden und Wachsen, eine Chronik, von der Gemeinde Wernau (Neckar) herausgegeben zur Stadterhebung, 1968
- Anton Denzinger, Diether Hauber: Wernau: 700 Jahre Pfauhausen und Steinbach 1276–1976. Gottlieb & Osswald, Kirchheim 1976.
- Ferdinand Schaller: Pfauhausen und Steinbach: Wernau am Neckar in alten Tagen. Sutton Verlag, Erfurt 2009, ISBN 978-3-86680-344-2.
- Michael Baumann: Wernau am Neckar, 1938–1988 aus der Reihe Archivbilder, Sutton Verlag, Erfurt 2010, ISBN 978-3-86680-648-1.
- Der Landkreis Esslingen – hrsg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg i. V. mit dem Landkreis Esslingen, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2009, Band 2, Seite 477, ISBN 978-3-7995-0842-1.
Einzelnachweise
- ↑ a b Friedhofskapelle Hauptstraße 63 61 Wernau Neckar - Detailseite - LEO-BW. Abgerufen am 12. November 2025.
- ↑ Maria-Hilf-Kapelle Wernau Online auf www.katholische-kirchen-wernau.de. Abgerufen am 7. Juni 2020.
- ↑ a b c Schutz vor dem schwarzen Tod Online auf www.esslinger-zeitung.de. Abgerufen am 8. Juni 2020.
- ↑ Wernauer Anzeiger, Amtsblatt der Stadt Wernau, vom 24. Januar 2025.
- ↑ Steinbach, Stadt Wernau (Neckar), Landkreis Esslingen, Baden-Württemberg. In: Onlineprojekt Gefallenendenkmäler. Abgerufen am 28. Mai 2024.
- ↑ Wernauer Wegkreuze Online auf www.katholische-kirchen-wernau.de. Abgerufen am 8. Juni 2020.
- ↑ a b c Anton Denzinger: Wernau Neckar. Werden und Wachsen, Eine Chronik. von der Gemeinde herausgegeben zur Stadterhebung. Hrsg.: Gemeinde Wernau Neckar zur Stadterhebung. Eugen Müller, Ditzingen 1968, S. 140 f., 177.
Koordinaten: 48° 41′ 14,2″ N, 9° 25′ 33,3″ O