Margot Perl
Margot Perl (* 9. Juli 1923 in Frankfurt am Main; † 26. September 1984) war eine deutsche Museumslaborantin. Sie war über vier Jahrzehnte am Senckenbergmuseum in Frankfurt am Main tätig und leistete insbesondere während des Zweiten Weltkriegs sowie beim Wiederaufbau der Sammlungen nach 1945 einen wichtigen Beitrag zur Sicherung, Ordnung und Erschließung naturwissenschaftlicher Bestände.[1]
Werdegang
Margot Perl wurde 1923 in Frankfurt am Main geboren und wuchs als einzige Tochter des städtischen Kanzleisekretärs Josef Perl und dessen Ehefrau Anna Hermine Minna, geborene Tronnier, im Stadtteil Oberrad auf.[2] Nach ihrer Schulzeit begann sie im Alter von 15 Jahren am 1. April 1939 gemeinsam mit ihrer Schulfreundin Gertrud Wolfart eine Ausbildung zur Museumslaborantin am Senckenbergmuseum.[3]
Der Ausbildungsgang zur Museumslaborantin war 1939 neu eingeführt worden und eröffnete jungen Frauen erstmals die Möglichkeit, ohne akademisches Studium als festangestellte Mitarbeiterinnen in naturwissenschaftlichen Museen tätig zu sein.[4] Die dreijährige Ausbildung umfasste technische und organisatorische Aufgaben des Museumsbetriebs, darunter Präparation und Katalogisierung, sowie Einblicke in die Geologie, Paläontologie, Zoologie und Botanik. Die praktische Ausbildung erfolgte unter Anleitung von Elli Franz, der Leiterin der entomologischen Sektion.[5]
Tätigkeit während des Zweiten Weltkriegs
Nach Abschluss ihrer Ausbildung wurde Margot Perl fest am Senckenbergmuseum angestellt. Während des Zweiten Weltkriegs gehörte sie zu einem kleinen Team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das mit der Sicherung der wissenschaftlichen Sammlungen vor Luftangriffen betraut war. Große Teile der Bestände wurden verpackt und in die Gruben „Abendstern“ und „Eisenkaut“ bei Hungen in der Wetterau ausgelagert.[6]
Perl arbeitete über mehrere Jahre hinweg unter kriegsbedingt schwierigen Voraussetzungen an den ausgelagerten Sammlungen und blieb bis zum Kriegsende vor Ort. Ihre Tätigkeit war unter anderem durch eingeschränkte Versorgung mit Lebensmitteln und Kleidung sowie fehlende medizinische Infrastruktur geprägt. Fahrten nach Frankfurt waren nur unregelmäßig und unter Herausforderungen möglich. Durch ihre Arbeit trug sie wesentlich zur Erhaltung der wissenschaftlichen Sammlung der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft bei.[6][7]
Nachkriegszeit und Museumsarbeit
Nach dem Ende des Krieges kehrte Margot Perl in das stark beschädigte Senckenbergmuseum zurück. Sie war maßgeblich an der Rückführung, Wiederaufstellung und Neuordnung der ausgelagerten Sammlungen beteiligt. In den folgenden Jahrzehnten arbeitete sie zunächst in der entomologischen Sammlung, später vor allem in der herpetologischen Abteilung, deren Bestände sie erschloss und neu ordnete.[6]
1963 wechselte sie in die botanisch-paläobotanische Abteilung, wo sie ihre langjährige Erfahrung und ihr institutionelles Wissen weiterhin einbrachte. Über ihre fachlichen Aufgaben hinaus galt sie innerhalb des Museums als wichtige Ansprechpartnerin für jüngere Kolleginnen und Kollegen und war für ihre Genauigkeit, Zuverlässigkeit und umfassende Kenntnis der Sammlungen bekannt.[6]
Innerhalb des Senckenbergmuseums galt Margot Perl als langjährige und erfahrene Mitarbeiterin, die insbesondere für jüngere Kolleginnen und Kollegen eine wichtige Ansprechpartnerin war. Viele in der Nachkriegszeit eingetretene Mitarbeitende erlebten sie als unterstützende Begleiterin im Arbeitsalltag. Ihr im Kollegenkreis gebräuchlicher Spitzname „Perline“ verweist auf ihre feste Verankerung im Museum und die Wertschätzung, die ihr entgegengebracht wurde.[7]
Nach insgesamt 43 Dienstjahren musste Margot Perl ihre Tätigkeit im Februar 1982 aus gesundheitlichen Gründen beenden. Sie starb zwei Jahre später im Alter von 61 Jahren. Wie viele Frauen ihrer Generation blieb Margot Perl unverheiratet. Ihren Lebensmittelpunkt hatte sie im Elternhaus in Frankfurt-Oberrad und in einem über lange Zeit gepflegten Freundeskreis.[6]
Einzelnachweise
- ↑ Luisa Kapp: Perl, Margot. In: Frankfurter Personenlexikon. 7. Dezember 2025, abgerufen am 6. Januar 2026.
- ↑ Heiratsurkunde der Eltern Joseph [sic!] Perl und Anna Hermine Minna Tronnier, Ffm.,10.6.1921: ISG, Kirchen-bzw. Standesbücher: Heiratsbuch, Best. STA 11/637: StandesamtFfm. I, Heiratsurkunde 1921/I/775 (Bd. 3, Bl. 185). Und Sterbeurkunde des Vaters Josef Perl,gest. am 25.8.1956 in Ffm.: ISG, Kirchen-bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebuch, Best. STA12/1056: Standesamt Ffm. I, Sterbeurkunde 1956/I/827. Und Sterbeurkunde der Mutter Anna Hermine Minna Perl, geb. Tronnier, gest. am 1.11.1962 in Ffm.: ISG, Kirchen-bzw.Standesbücher: Toten-/Sterbebuch, Best. STA 12/1142: Standesamt Ffm.-Mitte,Sterbeurkunde 1962/M/6500
- ↑ Conert, H. J.: Zum 40.Dienstjubiläum von Frau Margot Perl. In: Natur u. Museum 109 (Frankfurt 1979), H. 4, S. 132. Und ISG, Archiv der SGN,Best. V176 Nr. 451,S. 173-175 (Tagebuch von Hans Theodor Reuling, 1935-39; hier:Einstellung der Lehrlinge Margot Perl und Gertrud Wolfart, 1939).
- ↑ Andreas Hansert: Das Senckenberg-Forschungsmuseum im Nationalsozialismus, Wahrheit und Dichtung. Wallstein, Göttingen 2018, S. 167 f.
- ↑ ISG, Archiv der SGN,Best. V176 Nr. 451,S. 173-175 (Tagebuch von Hans Theodor Reuling, 1935-39; hier:Einstellung der Lehrlinge Margot Perl und Gertrud Wolfart, 1939).
- ↑ a b c d e Nachruf. Margot Perl zum Gedächtnis. In: Natur und Museum. Band 144, Heft 11. Frankfurt am Main 1984, S. 334.
- ↑ a b H. J. Conert: Zum 40. Dienstjubiläum von Frau Margot Perl. In: Natur und Museum. Band 109, Heft 4. Frankfurt am Main 1979, S. 132.