Margaretha Meijboom

Margaretha Anna Sophia Meijboom, auch Meyboom (geboren 29. Juli 1856 in Amsterdam; gestorben 16. September 1927 in Voorburg), war eine niederländische Publizistin, Übersetzerin und Verfechterin der Genossenschaftsbewegung.

Leben

Margaretha Meijboom wurde am 29. Juli 1856 in Amsterdam geboren. Ihr Vater war Louis Susan Pedro Meijboom (1817–1874), ein reformierter Pfarrer der Nederlandse Hervormde Kerk, und der Angenis Henriëtte Frederika Tijdeman (1828–1898). Sie war die zweite Tochter der Familie und hatte fünf Brüder und zwei Schwestern. Eine davon war die spätere Leiterin der Amsterdamer Hauswirtschaftsschule Suze Meyboom. Sie besuchte gemeinsam mit ihren Schwestern eine private Mädchenschule. Nach der Schule waren die Mädchen zu Hause, stickten, oder machten Besuche. Dies war für Margaretha Meijboom nicht ausreichend und so lernte sie anhand einer dänischen Bibel und eines Wörterbuchs Dänisch. Auch war sie als Lehrerin in der Sonntagsschule tätig. Ihr Vater starb 1874. Margaretha Meijboom lernte um 1876 Willemien van Gogh, die jüngste Schwester von Vincent van Gogh kennen und freundete sich mit ihr an. Die beiden pflegten jahrelang einen Briefwechsel. Meijboom war 1879 kurzzeitig mit einem Cousin der Van Goghs, dem Sohn des Amsterdamer Pfarrers, Paul Stricker verlobt. Er löste die Verlobung, da er zu der Meinung gekommen war, dass sie doch nicht zueinander passen würden.[1]

1881 zog die Familie Meijboom nach Den Haag. Dort engagierte sich Margaretha Meijboom erneut in der Sonntagsschule und sie nahm 1890 Unterricht bei dem Linguisten Otto Jespersen in Kopenhagen, sie wurde beeidigte Übersetzerin für Dänisch und Norwegisch und übersetzte die Lehrmaterialien von Jespersen. In Westerbro, einem Stadtteil Kopenhagens, erlebte sie zum ersten Mal einen gemeinschaftlich geführten Haushalt. Nachdem sie wieder in den Niederlanden war, hielt sie zu diesem Thema Vorträge und veröffentlichte Artikel. In diesen Vorträgen informierte sie zu den Themen Sozialwesen, Frauenbewegung, Handwerk und Bildung und wie dies in den skandinavischen Ländern gelebt wurde. Zunächst fertigte sie Übersetzungen unter dem Pseudonym Urda für die Zeitung „Nieuws van den Dag“ an, ab 1891 veröffentlichte sie auch unter ihrem Namen. Ihre erste Übersetzung unter eigenem Namen war „Judas, eene passiegeschiedenis“ (Judas, eine Passionsgeschichte) des schwedischen Schriftstellers Tor Hedberg.[1]

Sie zog 1892 zu ihrem ältesten Halbbruder Hayo Uden nach Groningen. Dieser war verwitwet und hatte zwei kleine Kinder, die versorgt werden mussten. Uden trat in Groningen eine Professur für Kirchengeschichte an und benötigte ihre Hilfe im Haushalt. Während sie bei ihrem Bruder lebte, hielt sie zahlreiche Vorträge im In- und Ausland. Auch war sie oft in Den Haag, um sich in dem 1894 gegründeten Frauenlesemuseum zu engagieren. Sie gehörte dem Vorstand an und war maßgeblich am Ankauf von Büchern beteiligt. Neben literarischen Werken wurden auch Publikationen zu gesellschaftlichen Themen erworben. Das Frauenlesemuseum richtete auf ihre Initiative hin auch mehrere Stipendien für Frauen ein, die sich die hohen Mitgliedsbeiträge nicht leisten konnten. Die von Margaretha Meijboom gegründete skandinavische Lesegesellschaft wurde auf ihre Anregung 1903 dem Frauenlesemuseum angegliedert. Ab 1898 lebte Margaretha Meijboom mit ihrer Lebensgefährtin Clara Regina Bokkes (1866–1934) zusammen.[1]

Ab den 1890er Jahren veröffentlichte sie im Wochenblatt „Sociaal Weekblad“ kontroverse Artikel zur Organisation der Hausarbeit. Frauen sollten sich gegenseitig mehr bei der Hausarbeit unterstützen, um auch andere Talente fördern zu können. Dazu veröffentlichte sie den Kurzgeschichtenband „Vrouwenwerk“. Als Cécile de Jong ihren feministischen Roman „Hilda van Suylenburg“ veröffentlichte, beteiligte sich Meijboom an der Debatte und unterstützte De Jong bei ihrem Eintreten für bezahlte Arbeit von Frauen.[1]

Regelmäßig arbeitete Meijboom als Übersetzerin für skandinavische Sprachen beim Verlag Wereldbibliotheek und so lernte sie 1897 Selma Lagerlöf kennen, deren Werke sie übersetzte. Sie übersetzte auch Werke von Henrik Ibsen und Bjørnstjerne Bjørnson. Dabei war Bjørnson ihr Lieblingsautor. Ihre Übersetzungen waren durchaus „frei“, wenn ihr Passagen nicht gefielen, ließ sie diese einfach weg. So übersprang sie in Lagerlöfs „Gösta Berling“ ein Kapitel mit Naturbeschreibungen.[1]

Genossenschaftliche Initiativen

Im Sommer 1898 beteiligte sie sich an der Nationale Tentoonstelling van Vrouwenarbeid in Den Haag. Bei der Organisation orientierten sich die Planerinnen an der Ausstellung „Kvindernes Udstilling“ in Kopenhagen von 1895 und Margaretha Meijboom wurde zu einer wichtigen Informationsquelle. Sie engagierte sich im Komitee der Industrieabteilung und während der Ausstellung gehörte sie zu den Rednerinnen des Bildungskongresses. Auf der Ausstellung entstand die Idee für die Genossenschaft „De Wekker“ (Der Wecker). Dabei handelte es sich um ein kleines Textilunternehmen, das 1899 als Privatbetrieb in Den Haag gegründet worden war und 1901 in eine Produktionsgenossenschaft umgewandelt wurde. Die Arbeiterinnen erhielten einen festen Lohn, eine Gewinnbeteiligung und eine Aussicht auf eine Rente. Meijboom wurde Vorsitzende des Vorstands. Hergestellt wurde Kunsthandwerk, Kleinmöbel und Kleidung. Insbesondere wurde Reformkleidung gefertigt und verkauft. Das Unternehmen wurde 1924 aufgelöst, doch sie hatte in ihrer Blütezeit rund 60 Frauen beschäftigt. Margaretha Meijboom war von 1902 bis 1904 Herausgeberin einer wöchentlichen Zeitschrift für Frauen und Mädchen, der „Lente“. Diese beschäftigte sich mit Musik, bildender Kunst, Literatur und Architektur sowie Kunsthandwerk und Mode. Zudem berichtete sie über die Arbeiter- und Frauenbewegung.[1]

Mit ihrer Lebensgefährtin Clara und deren Schwester Antonia Bokkes gründete sie 1903 die Haushaltsgenossenschaft „Westerbro“. Sie erwarben 1904 ein Grundstück in Rijswijk, dort wurden vier Häuser errichtet. Meijboom lebte mit Bokkes dort zwanzig Jahre lang. Es gab eine eigene Bäckerei, einen Gemüsegarten, eine Kochschule, eine Imkerei sowie eine Näh- und Strickwerkstatt. Es erwies sich jedoch, dass all diese Betriebe unwirtschaftlich waren. In Westerbro wurden jedoch eine Pension und ein Pflegeheim betrieben und dies erwies sich als sehr erfolgreich. Von den Gästen wurde erwartet, dass sie sich dem demokratischen Lebensstil anpassten, in dem „Bürger und Arbeiter“ gemeinsam aßen. Meijboom organisierte für die Freitagabende Diskussionsrunden über Wissenschaft und Kunst, Recht und Wohltätigkeit, Weisheit und Frömmigkeit.[1]

Für den Niederländischen Genossenschaftlichen Frauenverband war Margaretha Meijboom als Sekretärin tätig. Er war 1900 gegründet worden und die Mitglieder waren hauptsächlich Konsumgenossenschafter. Als Mitherausgeberin schrieb sie die Frauen- und Jugendkolumne in der NCV-Zeitschrift „De Coöperator“. 1918 gründete sie die „Broederschapsfederatie“, einen Zusammenschluss verschiedener produktiver Vereinigungen und philosophischer Gruppen. Als 1924 die Internationale Genossenschaftliche Frauengilde gegründet wurde, trat sie dem Vorstand bei und in dem Jahr zog sie mit Clara Bokkes nach Voorburg. Dort wollten sie ein „Nieuw Westerbro“ gründen, geplant waren ein Exerzitienhaus und eine Wohnanlage für Ehepaare, doch das Vorhaben scheiterte.[1]

Margaretha Meijboom starb am 26. September 1927. Zwei Jahre später, 1929, wurde Westerbro in Rijswijk geschlossen.[1]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i Lizet Duyvendak: Meyboom, Margaretha Anna Sophia. In: Digitaal Vrouwenlexicon van Nederland. 30. Januar 2018, abgerufen am 12. Januar 2026 (niederländisch).
Commons: Margaretha Meijboom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien