Margaretha Hüttmann
Margaretha Hüttmann (* 12. Juni 1789 in Schönwalde (Eutin); † 29. Dezember 1854 in Schleswig) war die erste gehörlose Gehörlosenpädagogin in Deutschland.[1][2][3]
Leben
Margaretha Hüttmann wurde taub geboren. Sie wurde als eins der ersten Kinder ab dem 3. Juli 1796 von Georg Wilhelm Pfingsten unterrichtet. Pfingsten hatte zuvor die Nachbarsfamilie mit zwei gehörlosen Kindern kennengelernt. Er profitierte dabei von der Bekanntschaft mit Pfarrer Raphel über seinen Vater, da Raphel seine drei gehörlosen Töchter mit Erfolg unterrichtete. Pfingstens Interesse für Gehörlose war geweckt. 1787 eröffnete er in Lübeck eine private Gehörlosenschule. In Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg und seinen Anhängern fand er Förderer und so wurde 1799 in Kiel das Königliche Taubstummen-Institut gegründet. Pfingsten nahm seine Schüler, darunter auch von ihm als begabt beschriebene Margarethe Hüttmann,[4] mit nach Kiel.[1]
1806 wurde Margaretha Hüttmann als Unterlehrerin an der zuvor von ihr besuchten Schule angestellt. Sie unterrichtete die deutsche Sprache, Mathematik und Religion und insbesondere die Gebärdensprache. Die Mädchen unterrichtete sie auch in Handarbeiten.[4] Da die Räumlichkeiten durch steigende Schülerzahlen immer beengter wurden, zog die Schule im Frühjahr 1810 ins damals dänische Schleswig. Zu diesem Zeitpunkt war Hüttmann neben Pfingsten und seinem Schwiegersohn Hans Hensen die dritte Lehrkraft des Instituts.[5] Der dänische König Friedrich VI. stiftete eine Bibliothek und sieben Webstühle für den handwerklichen Unterricht.[6] 1822 verlieh ihr der dänische König eine Verdienstmedaille.[1]
Zu ihren Schülern gehörte ab 1808 Otto Friedrich Kruse, der 1817 ebenfalls als Jugendlicher als Lehrer am Institut angestellt wurde. Auch der gehörlose Maler Jean Jacques Turretin, der als zeitweise Zeichenlehrer am Institut arbeitete, gehörte zu ihren Kollegen.
Sie wurde im Frühjahr 1831 in die Heilanstalt zu Schleswig als Pflegefall eingeliefert. Hensen besuchte sie dort häufig. Sie verstarb dort kinderlos und unverheiratet.[1]
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Jochen Muhs: Margaretha Hüttmann. In: Das Zeichen. Zeitschrift für Sprache und Kultur Gehörloser. Band 28, Juni 1994.
- ↑ Unsichtbare Geschichte(n) sichtbar machen: Gehörlose und schwerhörige Menschen im deutschsprachigen Raum vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart (= Disability History. Nr. 10). 1. Auflage. Campus, Frankfurt/Main 2024, ISBN 978-3-593-51774-2, S. 41.
- ↑ Helmut Vogel: Otto Friedrich Kruse. (PDF) In: Das Zeichen. 2001, S. 198–207, abgerufen am 18. Dezember 2025.
- ↑ a b Ingo Degner: Georg Wilhelm Pfingsten. "Vater" der Hörgeschädigtenpädagogik in Schleswig-Holstein. In: Anja Werner, Marion Schmidt (Hrsg.): Zwischen Fremdbestimmung und Autonomie. Neue Impulse zur Gehörlosengeschichte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 2019, S. 364.
- ↑ Karl Schneider, Egon von Bremen: Das Volksschulwesen im preussischen Staate in systematischer Zusammenstellung der auf seine innere Einrichtung und seine Rechtsverhältnisse sowie auf seine Leitung und Beaufsichtigung bezüglichen Gesetze und Verordnungen. Zugleich ein vollständiger Auszug der durch das Centralblatt für die gesammte Unterrichtsverwaltung von 1859-1886 mitgetheilten auf das Volksschulwesen bezüglichen und noch in Kraft stehenden Gesetze und Verordnungen. Band 3, S. 176.
- ↑ Otto Friedrich Kruse. (PDF) Abgerufen am 18. Dezember 2025.