Marc’Antonio Bragadin

Marc’Antonio Bragadin (auch Marcantonio Bragadin, * 6. Oktober 1906 in Rom; † 11. Juni 1986 ebenda) war ein italienischer Marineoffizier, Marinehistoriker und Drehbuchautor.

Leben

Bragadin wurde 1921 im Alter von 15 Jahren in die Marineakademie in Livorno aufgenommen, die er 1925 im Rang eines Guardiamarina abschloss. Er diente anschließend unter anderem auf den Schlachtschiffen Andrea Doria, Caio Duilio, Conte di Cavour und Giulio Cesare.[1]

Von 1928 bis 1929 besuchte er, mittlerweile zum Sottotenente di Vascello befördert, auf der Marineakademie einen Kurs für Stabsoffiziere. 1931 wurde er auf eigenen Wunsch in die Reserve versetzt. Anschließend reiste er zu seinem in New York geschäftlich tätigen Vater.[1]

Im Zuge des im Oktober 1935 ausgebrochenen Abessinienkrieges wurde er vorübergehend wieder in den aktiven Dienst berufen. Auch zu Beginn der italienischen Besetzung Albaniens im April 1939 stand er erneut unter Waffen, als er der Luftabwehr auf dem italienischen Marinestützpunkt La Maddalena auf Sardinien unterstellt wurde. Nach der Kriegserklärung Italiens an Frankreich und Großbritannien und dem italienischen Kriegseintritt in den Zweiten Weltkrieg im Juni 1940 wurde Bragadin, mittlerweile Tenente di Vascello , zunächst dem Kommando des 13. MAS-Geschwaders unterstellt. Anschließend war er als Stabsoffizier beim Marineministerium in Rom abgestellt. Im April 1941 wurde ihm das Kommando des 14. MAS-Geschwaders in der Ägäis anvertraut, mit dem er im Mai 1941 an der Besetzung von Souda auf Kreta im Zuge des Unternehmens Merkur teilnahm. Für seine Verdienste bei der Besetzung Kretas wurde ihm das Kriegskreuz für militärische Tapferkeit verliehen.[1]

Von November 1941 bis zum September 1943 war der für seine Kriegsverdienste zum Korvettenkapitän beförderte Bragadin beim Marineoberkommando – Supermarina – abgestellt und leitete dort den Marinenachrichtendienst. Nach dem Waffenstillstand von Cassibile schloss er sich der Resistenza in Norditalien an.[2]

Im August 1945 wurde er aus dem aktiven Dienst entlassen und dem Assistenzdienst zugeteilt. 1957 wurde er zum Fregattenkapitän im Assistenzdienst befõrdert und 1961 der Reserve zugestellt. 1971 wurde er schließlich in den Ruhestand versetzt.[3]

Bekanntheit erlangte Marc’Antonio Bragadin vor allem als Autor marinetechnischer und marinehistorischer Schriften. 1949 veröffentlichte er sein Buch Che ha fatto la Marina? 1940-45. Das 1968 erschienene Buch Dramma Della Marina Italiana 1940–1945 wurde auch in Englisch und Spanisch übersetzt.[3] Bragadin war außerdem Berater, Drehbuchautor, Produktionsleiter, Berater und Regieassistent bei vier italienischen Kriegsfilmen der 1950er Jahre – drei von Duilio Coletti und einer von Antonio Leonviola.

Werk

  • Arditi del mare, Mondadori, Verona 1942.
  • Vittoria sui mari di Roma. 15 giugno XX, Mondadori, Verona 1942.
  • La marina italiana nella seconda guerra mondiale (1940-43), Lega Navale, 1950.
  • Repubbliche italiane sul mare, Garzanti, Mailand 1951.
    • Storia delle repubbliche marinare, Odoya, Bologna, 2010 (Neuauflage).
  • Il dramma della marina italiana 1940-1945. Oscar Mondadori, Mailand 1982.
    • La marina italiana 1940-1945 - Segreti bellici e scelte operative, Odoya, Bologna 2011 (Neuauflage).
  • SIM, SIS e SIA – Operazione Rigoletto – Da Roma a Mosca. In: “Storia Illustrata”, Sonderausgabe – Lo spionaggio nella Seconda Guerra Mondiale – Bd. XXIII, Nr. 144, November 1969, S. 28–38.

Filmographie

  • 1953: Die Sieben vom großen Bären
  • 1954: Die große Hoffnung
  • 1954: Torpedomänner greifen an
  • 1954: El Alamein
  • 1956: Il prezzo della gloria

Literatur

  • Ufficio Storico della Marina Militare (Hrsg.): Uomini della marina 1861–1946: Dizionario biografico. Bearbeitet von Paolo Alberini, Franco Prosperini. Ufficio Storico della Marina Militare, Rom 2016, ISBN 978-88-98485-95-6, S. 91–92.

Einzelnachweise

  1. a b c Ufficio Storico della Marina Militare (Hrsg.): Uomini della marina 1861–1946: Dizionario biografico. S. 91.
  2. Ufficio Storico della Marina Militare (Hrsg.): Uomini della marina 1861–1946: Dizionario biografico. S. 91–92.
  3. a b Ufficio Storico della Marina Militare (Hrsg.): Uomini della marina 1861–1946: Dizionario biografico. S. 92.