Manuel Vieira Pinto
Manuel da Silva Vieira Pinto (* 8. Dezember 1923 in São Pedro de Aboim; † 30. April 2020 in Porto) war ein portugiesischer Geistlicher und römisch-katholischer Erzbischof von Nampula in Mosambik.
Leben
Manuel da Silva Vieira Pinto studierte Theologie am Diözesanseminar in Porto und empfing am 7. August 1949 in der Kathedrale von Porto durch Agostinho de Jesus e Sousa, Bischof von Porto, die Priesterweihe. Danach arbeitete er als Seelsorger und engagierte sich für die Katholische Aktion. 1955 wurde er Spiritual des Diözesanseminars.
Widersacher der Diktatur in Portugal
Manuel da Silva Vieira Pinto war einer der in den 1950er Jahren vergleichsweise weniger Portugiesen, die es wagten, die Diktatur des Estado Novo und die Repressionen der Polícia Internacional e de Defesa do Estado (PIDE), der geheimen Staatspolizei, öffentlich anzuprangern. Er trug dazu bei, dass in seinem Heimatland die Verbrechen der portugiesischen Kolonialherrschaft in Mosambik bekannt wurden.[1] Nach den Präsidentschaftswahlen 1958, bei denen General Humberto Delgado kandidierte, ließ die Regierung Salazar ihn durch die PIDE verhaften.
Vieira Pinto wurde ins Exil gezwungen. Sein Bischof entsandte ihn nach Rom, um die von dem Jesuiten Ricardo Lombardi geleitete Bewegung für eine bessere Welt (Movimento per un mondo migliore) kennenzulernen. Er setzte sich dafür ein, diese geistliche Gemeinschaft in Portugal bekannt zu machen.[2] Während der letzten Sitzungsperioden des Zweiten Vatikanischen Konzils unterstützte Vieira Pinto den portugiesischen Theologen Vítor Feytor Pinto (1932–2021), der sich bemühte, Anliegen der Bewegung für eine bessere Welt in die Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes einzubringen.[3]
Bischof in Mosambik
Papst Paul VI. ernannte Vieira Pinto am 21. April 1967 zum Bischof von Nampula. Der Apostolische Nuntius in Portugal, Maximilien Kardinal de Fürstenberg, weihte ihn am 29. Juni desselben Jahres zum Bischof. Mitkonsekratoren waren Florentino de Andrade e Silva, Weihbischof in Porto, und Manuel Marilla Ferreira da Silva, Weihbischof in Goa und Daman. Schnell zeigte es sich, dass er der einzige unter den damals neun Bischöfen in Mosambik war, der die Menschenrechtsverletzungen im Kolonialkrieg öffentlich beim Namen nannte.[4] Papst Paul VI. ernannte Vieira Pinto 1971 zudem zum Apostolischen Administrator von Beira.[5] Auch dort überwachte ihn die PIDE.[6] Sein Amt als Administrator des Bistums Beira übte er bis zur Ernennung seines Nachfolgers Altino Ribeiro de Santana im Folgejahr aus.
In seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit 1974 warb Bischof Vieira Pinto für ein Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft in Mosambik.[7] Daraufhin kam es zu hasserfüllten Demonstrationen weißer Siedler gegen ihren Bischof. „Zur eigenen Sicherheit“ eskortierte die Polizei daraufhin Vieira Pinto am Ostersonntag 1974 zum Flughafen Lourenço Marques und flog ihn gegen seinen Willen nach Portugal aus.[8] Nur elf Tage später, am 25. April 1974, ereignete sich in Portugal die Nelkenrevolution. General António de Spínola, der Präsident der Übergangsregierung Junta de Salvação Nacional, bat Bischof Vieira Pinto wegen seiner aufrechten Haltung gegenüber der Salazar-Diktatur darum, dem portugiesischen Staatsrat beizutreten. Vieira Pinto entschied sich jedoch, dieser Berufung nicht zu entsprechen, sondern seinem bischöflichen Dienst in Mosambik treu zu bleiben. Am 14. Januar 1975 konnte er endlich in sein Bistum zurückkehren.[9] Im Bistum Nampula brachte er zahlreiche Entwicklungsvorhaben im Geiste von Paulo Freire, der ihn tief beeindruckte, auf den Weg.[10]
Bischof Vieira Pinto trug maßgeblich zur Neuorganisation der katholischen Kirche in Mosambik bei. 1975, in dem Jahr, in dem Mosambik seinen Unabhängigkeit erlangte, wurde er zum Präsidenten der Conferência Episcopal de Moçambique (CEM), der Bischofskonferenz von Mosambik, gewählt. Als Präsident der CEM prangerte er die Gräueltaten der Frelimo und der Renamo im mosambikanischen Bürgerkrieg an.[2] Er vermittelte bei den Friedensverhandlungen zur Überwindung des Bürgerkrieges in Mosambik.[11] Als Staatspräsident Samora Machel begann, ein mehr und mehr autoritäres Regime durchzusetzen, scheute sich Bischof Vieira Pinto nicht, ihn zur Wahrung der Menschenrechte anzuhalten.[12]
Papst Johannes Paul II. ernannte Vieira Pinto am 4. Juni 1984 zum Erzbischof und am 12. Dezember 1992 zum Apostolischen Administrator von Pemba, ein Amt, das er bis zum 18. Januar 1998 ausübte. Am 16. November 2000 nahm Papst Johannes Paul II. seinen altersbedingten Rücktritt als Erzbischof von Nampula an.
Danach zog Manuel Vieira Pinto sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Er verstarb am 30. April 2020 im Priesterhaus des Bistums Porto.[2]
Ehrungen
1992 verlieh Mário Soares, der damalige Präsidenten der Portugiesischen Republik, Manuel Vieira Pinto den Ordem da Liberdade (Großkreuz), den portugiesischen Freiheitsorden, für sein Wirken der Verteidigung für die Werte der Zivilisation zugunsten der Würde des Menschen und für die Sache der Freiheit.[2] 2001 folgte die Auszeichnung mit dem Orden des Infanten Dom Henrique (Großkreuz).[13]
Literatur
- Amadeu Gomes de Aráujo, Manuel Vilas Boas: Moçambique. Da colonização à guerra colonial. A intervenção da Igreja Católica. No centenário do nascimento de D. Manuel Vieira Pinto, arcebispo emérito de Nampula. Paulinas, Prior Velho, 2., überarbeitete und erweiterte Aufl. 2024, ISBN 978-989-673-913-3.
Weblinks
- Eintrag zu Manuel Vieira Pinto auf catholic-hierarchy.org (englisch)
- Eintrag zu Manuel Vieira Pinto auf gcatholic.org (englisch)
Einzelnachweise
- ↑ Joseph Hanlon: Mosambik. Revolution im Kreuzfeuer. edition südliches Afrika 21, Bonn 1986, ISBN 3-921614-25-2, S. 53.
- ↑ a b c d Morreu D. Manuel Vieira Pinto, arcebispo emérito de Nampula, Rádio Renascença, 30. April 2020 (portugiesisch), abgerufen am 24. September 2025.
- ↑ Vítor Feytor Pinto: 100 entradas para um mundo melhor. Lucerna, Cascais 2014, ISBN 978-989-8516-87-9, S. 128.
- ↑ Documents diplomatiques français, Jg. 33 (1968), Band 1: 1er janvier – 29 juin. Imprimerie nationale, Paris 2009, ISBN 978-90-5201-537-8, Dokument Nr. 53 vom 22. Januar 1968, S. 131, Fußnote 3.
- ↑ Eric Morier-Genoud: Catholicism and the making of politics in central Mozambique, 1940–1986. University of Rochester Press, Rochester 2019, ISBN 978-1-58046-941-8, S. 134.
- ↑ Eric Morier-Genoud: Catholicism and the making of politics in central Mozambique, 1940–1986. University of Rochester Press, Rochester 2019, ISBN 978-1-58046-941-8, S. 137.
- ↑ Alex Vines, Ken Wilson: Churches and the Peace Process in Mozambique. In: Paul Gifford (Hrsg.): The christian churches and the democratisation of Africa. Brill, Leiden 1995, ISBN 90-04-10324-4, S. 130–147, hier S. 131.
- ↑ Hartmut Elsenhans, Martin Jänicke (Hrsg.): Innere Systemkrisen der Gegenwart. Ein Studienbuch zur Zeitgeschichte. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1975, ISBN 3-499-11827-0, S. 56.
- ↑ Holland Committee on Southern Africa: Facts and reports. Press cuttings on Angola, Mozambique, Guinea-Bissau, Portugal, & Southern Africa, Jg. 5 (1975), S. 19.
- ↑ Mouzinho Mário, Peter Fry, Lisbeth Levey, Arlindo Chilundo: Higher education in Mozambique. A case study. Currey, Oxford 2003, ISBN 0-85255-430-3. S. 46.
- ↑ Amadeu Gomes de Aráujo: D. Manuel Vieira Pinto. In: Amadeu Gomes de Aráujo, Manuel Vilas Boas: Moçambique. Da colonização à guerra colonial. A intervenção da Igreja Católica. No centenário do nascimento de D. Manuel Vieira Pinto, arcebispo emérito de Nampula. Paulinas, Prior Velho, 2., überarbeitete und erweiterte Aufl. 2024, S. 158–163.
- ↑ British Broadcasting Corporation: Monitoring Service – Summary of World Broadcasts: Non-Arab Africa. London 1985, S. 4.
- ↑ D. Manuel Vieira Pinto, Caverna de Zaratustra, abgerufen am 1. Mai 2020 (portugiesisch).
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Manuel de Medeiros Guerreiro | Bischof von Nampula 1967–1984 | — |
| — | Erzbischof von Nampula 1984–2000 | Tomé Makhweliha SCI |