Manuchehr Kholiqnazarov
Manuchehr Kholiqnazarov (tadschikisch Манучеҳр Холиқназаров; russisch Манучехр Холикназаров; geboren vor 2000) ist ein tadschikischer Menschenrechtsaktivist und Anwalt aus Gorno-Badachschan, einer autonomen Region Tadschikistans. Er gehört der Minderheit der Pamiri an. 2022 wurde er nach friedlichen Protesten in Khorog verhaftet und wegen angeblich "extremistischem Verhalten" zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. Internationale Menschenrechtsorganisationen nannten das Verfahren politisch motiviert und forderten Kholiqnazarovs Freilassung.
Karriere
Manuchehr Kholiqnazarov ist ausgebildeter Rechtsanwalt und war bis zu seiner Verhaftung im Jahr 2022 Direktor der Anwaltsvereinigung von Pamir, die sich für den Schutz der Menschenrechte der in der autonomen Region Berg-Badachschan beheimateten ethnischen Gruppe der Pamiri einsetzte.[1][2] Er ist außerdem Mitglied der Zivilgesellschaftlichen Koalition gegen Folter und Straflosigkeit in Tadschikistan.[2][3]
Aktivismus
Am 25. November 2021 wurde Gulbuddin Ziyobekov, ein 29-jähriger Mann aus Pamir, während einer Operation tadschikischer Sicherheitskräfte in Tavdem, einem Dorf im Bezirk Roshtqal'a in Berg-Badachschan getötet. Nach Angaben der Behörden habe sich Ziyobekov einer Festnahme widersetzt und sei bei einer Schießerei getötet worden, während Zeugenaussagen und Handyaufnahmen darauf hindeuteten, dass er willkürlich hingerichtet worden war.[4] Vier Tage nach Ziyobekovs Tod und nach Protesten in der Hauptstadt der Region, Khorog, gründete Kholiqnazarov mit Gleichgesinnten die Kommission 44, eine Organisation, die sich zum Ziel setzte, die Ermordung Ziyobekovs zu untersuchen.[1][3][5][6]
Verhaftung und Prozess
Am 28. Mai 2022 wurde Kholiqnazarov verhaftet und gemäß Artikel 187 und 307 des tadschikischen Strafgesetzbuches wegen „Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung“ und „Beteiligung an Aktivitäten einer aufgrund ihrer extremistischen Aktivitäten verbotenen Organisation“ angeklagt[5] und 10 Tage später in die Haftanstalt des Staatskomitees für Nationale Sicherheit in Duschanbe überstellt.[3]
Am 21. Oktober 2022 gab Mary Lawlor, die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen zur Lage von Menschenrechtsverteidigern, während ihres Besuchs in Tadschikistan eine Erklärung ab, in der sie ihre Besorgnis über die anhaltende Inhaftierung von Kholiqnazarov und anderen Mitgliedern der Kommission 44 zum Ausdruck brachte.[7]
Am 9. Dezember 2022 befand der Oberste Gerichtshof Tadschikistans Kholiqnazarov für schuldig und verurteilte ihn zu 16 Jahren Haft. Im gleichen Prozess war die Journalistin Ulfatkhonim Mamadshoeva angeklagt und erhielt eine Strafe von 21 Jahren. Kholiqnazarov bestritt die Vorwürfe und hatte sich für nicht schuldig erklärt.[1][8]
Internationale Reaktion
Eine Reihe renommierter Menschenrechtsorganisationen veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der die sofortige und bedingungslose Freilassung von Kholiqnazarov gefordert wurde. Unterzeichnet wurde sie von Human Rights Watch, der International Partnership for Human Rights, der World Organisation Against Torture, der Helsinki Foundation for Human Rights, dem Norwegischen Helsinki-Komitee, Front Line Defenders, die Internationale Föderation für Menschenrechte und Freedom Now.[8][9]
Human Rights Watch kritisierte das Verfahren als nicht rechtsstaatlich, da Kholiqnazarov und anderen Angeklagten weder Zugang zu Anwälten hatten noch Einsicht in die gegen sie verwendeten Beweismittel gewährt wurde.[5][6] Brigitte Dufour von der International Partnership for Human Rights bezeichnete Kholiqnazarov als „herausragendenVerfechter der Menschenrechte und Kämpfer gegen Ungerechtigkeit“.[2] Gerald Staberok von der Weltorganisation gegen Folter bezeichnete das Urteil als „willkürlich“ und forderte seine sofortige Freilassung.[9]
2024 wurde Kholiqnazarov gemeinsam mit der afghanischen Aktivistin Zholia Parsi mit dem Martin Ennals Award ausgezeichnet.[10]
Weblinks
- International Partnership for Human Rights (Hrsg.): Support Manuchehr Kholiqnazarov - human rights defender and fighter against injustice. 6. November 2023 (englisch, youtube.com).
- Martin Ennals Award (Hrsg.): Manuchehr Kholiqnazarov Portrait. 16. Dezember 2024 (englisch, youtube.com).
Einzelnachweise
- ↑ a b c "Фаврӣ ва бе ягон шарт". Аз ҳукумат озодии Холиқназаровро хостанд In: Radioi Ozodī, 3. April 2023. Abgerufen am 11. November 2025 (tadschikisch).
- ↑ a b c В Хороге задержан глава Ассоциации юристов Памира Манучехр Холикназаров - источники. In: Radio Ozodi. 31. Mai 2022, abgerufen am 11. November 2025 (russisch).
- ↑ a b c Human rights defender Manuchehr Kholiknazarov sentenced to 15 years of imprisonment. In: Front Line Defenders. 23. Dezember 2023, abgerufen am 11. November 2025 (englisch).
- ↑ Lorenzo Tondo: 'We want the truth': families of ethnic Pamiris killed in Tajikistan call for justice as tensions rise In: The Guardian, 4. Februar 2022. Abgerufen am 11. November 2025 (englisch).
- ↑ a b c Tajikistan: Free Autonomous Region Rights Defender. In: Human Rights Watch. 4. April 2023, abgerufen am 11. November 2025 (englisch).
- ↑ a b Tajikistan: Long Sentences for Autonomous Region Activists. In: Human Rights Watch. 12. Dezember 2022, abgerufen am 11. November 2025 (englisch).
- ↑ Tajikistan: Human rights defender Manuchehr Kholiknazarov must be immediately released. In: OMCT. 3. April 2023, abgerufen am 11. November 2025 (englisch).
- ↑ a b Rights Groups Call For 'Immediate' Release Of Tajik Lawyer Kholiknazarov In: RadioFreeEurope/RadioLiberty, 4. April 2023. Abgerufen am 11. November 2025 (englisch).
- ↑ a b ДАЪВАТИ 7 СОЗМОНИ ҲОМИИ ҲУҚУҚ БА ОЗОДИИ МАНУЧЕҲР ХОЛИҚНАЗАРОВ. In: Bomdod. 4. April 2023, abgerufen am 11. November 2025 (tadschikisch).
- ↑ Meet the Laureates of the Martin Ennals Award 2024 In: Martin Ennals Award, 19. November 2024. Abgerufen am 16. September 2025 (englisch).