Mangroveralle
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Mangroveralle (Rallus longirostris), nahrungssuchend in Peru | ||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||
| Rallus longirostris | ||||||||||
| Boddaert, 1783 |
Die Mangroveralle (Rallus longirostris), auch Mangrovenralle genannt, ist eine mittelgroße, bodenlebende Vogelart aus der Familie der Rallen. Sie bevorzugt Lebensräume in der Nähe von Meeresküsten und ist vor allem in Salz- und Brackwassermarschen der Tropen und Subtropen zu finden. Ihr Verbreitungsgebiet liegt hauptsächlich in Südamerika und an der Pazifikküste im Süden von Mittelamerika.[1][2][3][4][5][6]
Die Mangroveralle wurde erstmals im Jahr 1783 vom niederländische Arzt und Naturforscher Pieter Boddaert beschrieben.[7]
Merkmale
Mangroverallen erreichen eine Gesamtlänge von 33 cm[3][5] bis 37 cm[6] und ein Gewicht in einer Bandbreite von 250 bis 323 g.[4] Sie ist eine unscheinbare Ralle, deren Gefiederfärbung matt–graubraun gefärbt ist.[2][6] Ihre Oberseite ist schwarzbraun mit gelbbraun gesäumten Rückenfedern und einem weinrot-zimtfarbenen Brust-[3][5] und Bauchbereich.[5] Die Flanken und die übrige Unterseite sind schwach grau-weiß gebändert. Der Schnabel ist zweifarbig und blassorange,[2] rosafarben[3] bis bräunlich gefärbt.[5] Er ist länglich und leicht nach unten gebogen. Die Schnabelspitze ist graubraun. Das Kinn ist weißlich[5] und unter dem braunen bis dunkelbraunen Auge verläuft ein heller, halbkreisförmiger Rand.[2][5] Die Beine sind blassorangerot. Die Jungvögel ähneln den ausgewachsenen Mangroverallen. Ihre Gefiederfärbung ist blasser und die Basis des unteren Schnabels und die Beine sind matter gefärbt.[5]
Eine Verwechselung mit einer anderen Vogelart ist im Verbreitungsgebiet nicht möglich. Die Mangroveralle kann an dem langen, leicht nach unten gebogenen Schnabel und der gebänderten Unterseite eindeutig bestimmt werden.[5]
Unterarten
Durch die Aufteilung in drei eigenständige Vogelarten wurden die folgenden Unterarten der Mangroveralle neu zugeordnet und veröffentlicht:[7]
- R. l. berryorum – Pazifikküste von Mittelamerika
- R. l. crassirostris – Küste Brasiliens vom Mündungsgebiet des Amazonas bis Santa Catarina
- R. l. cypereti – Küste vom Südwesten Kolumbiens (Nariño) über Ecuador bis zum Nordwesten Perus (Tumbes)
- R. l. dillonripleyi – Küstengebiete von Südamerika
- R. l. longirostris – Küsten von Guyana, Surinam und Französisch-Guayana
- R. l. margaritae – Isla Margarita (Venezuela)
- R. l. pelodramus – Trinidad
- R. l. phelpsi – Nordosten Kolumbiens bis zum Nordwesten Venezuelas
Verbreitung
Für die Mangroveralle wurden nach der im Jahr 2014 erfolgten, neuen Arteinteilung Vorkommen in den küstennahen Gebieten von Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Französisch-Guayana, Guyana, Honduras, Nicaragua, Peru, Surinam, Trinidad und Tobago und Venezuela veröffentlicht.[1] In Peru ist sie eine seltene Vogelart und das Vorkommen beschränkt sich auf den äußersten Nordwesten.[6] Die Gesamtpopulation wurde in einer Bandbreite von 50000 bis 500000 adulten Individuen veröffentlicht. Für die beiden Unterarten Rallus longirostris margaritae und Rallus longirostris phelpsi wurde die Populationsgröße auf insgesamt 20000 Individuen geschätzt.[1]
Lebensraum
Besiedelt werden von der Mangroveralle bevorzugt Habitate wie Salzwiesen und Mangrovenwälder.[1][2][4][6] Zur Brutzeit werden Süßwasser-Sümpfe mit hoher, emporragender Vegetation mit teilweise überfluteten Grasflächen besiedelt.[3][4] Es werden Höhenlagen von Meereshöhe bis 150 m besiedelt.[1] Im natürlichen Lebensraum erreicht die Mangroveralle ein durchschnittliches Lebensalter von drei bis vier Jahren.[1][4] Für einzelne Individuen wurde ein Alter von zehn Jahren beobachtet.[4]
Lebensweise
Die Mangroveralle ist eine tagaktive Vogelart.[4] Normalerweise hält sie sich innerhalb der Mangrovenvegetation auf, kann aber bei Ebbe auf freiliegenden Wattflächen und am Gewässerrand beobachtet werden.[5] Ihre Nahrung besteht aus pflanzlichen und tierischen Bestandteilen. Es werden Mollusken, Egel, Krebstiere, Wasserinsekten, Grashüpfer, Spinnen, kleine Fische, Kaulquappen, Frösche und Mäuse erbeutet. Zur pflanzlichen Nahrung gehören Samen, Beeren, grüne Pflanzenteile und Wurzelknollen.[4] Zur Nahrungsaufnahme stochern Mangroverallen bei Ebbe mit ihren langen Schnäbeln im schlammigen Boden nach Nahrung und manchmal tauchen sie kurz ab um die Nahrung zu erbeuten.[4]
Fortpflanzung
Ihre Geschlechtsreife erreichen Mangroverallen kurz nach dem ersten Lebensjahr. Das Nest ist napf- oder muldenförmig und wird oberhalb des Wasserstandes bei Hochwasser auf dem Boden angelegt. Als Nistmaterial für die in dichter Vegetation verborgenen Nester werden Binsen, Riedgras und Material von Sumpfpflanzen verwendet.[4] Mangroverallen sind monogam und für die Brutzeit an einen Partner gebunden.[1][4] Das Gelege besteht aus drei bis sieben, in Ausnahmen bis zu neun Eiern und es wird meist eine Brut pro Jahr durchgeführt. Ein zweites Gelege kann angelegt werden, wenn das Gelege zerstört, die Eier oder die Küken von Prädatoren erbeutet wurden. Nach einer Brutzeit von 18 bis 29 Tagen schlüpfen die Küken. Als Nestflüchter verlassen sie das Nest unmittelbar nach dem Schlüpfen.[4]
Lautäußerungen
Der Ruf der Mangroveralle besteht aus einer Reihe scharfer „kek“-Laute,[2] wie zum Beispiel „kekkekkek“ oder „kekkekkekkurr“[5] und aus kratzenden beziehungsweise grunzenden Tönen.[2][6] Der Ruf ist absteigend, am Ende schwächer werdend[3] und oft am frühen Morgen zu hören.[5]
Gefährdung
Von der Weltnaturschutzunion IUCN wird die Mangroveralle in der Roten Liste gefährdeter Arten geführt und mit dem Status als nicht gefährdet (Least Concern) eingestuft. Diese Einstufung erfolgte aufgrund des sehr großen Verbreitungsgebietes. Der weltweite Populationstrend wurde mit abnehmend veröffentlicht, da die besiedelten Feuchtgebiete durch menschliche Besiedlung verloren gehen oder durch andere Umwelteinflüsse zerstört werden. Weitere Gefährdungen für die Mangroveralle sind die Sportjagd und das Sammeln von Exemplaren zur Herstellung von Tierpräparaten. Teilweise wird die Mangroveralle gefangen und lokal oder national als Nahrungsmittel verwendet. Ein internationaler Handel mit dieser Vogelart wurde in geringer Häufigkeit in überprüften Handelsdatenbanken ersichtlich. Es gibt Hinweise darauf, dass diese Vogelart anderweitig verwendet wird. Sie wurde in einem der sieben ausgewerteten Handelsdatensätze gefunden. Besondere Schutzmaßnahmen wurden nicht durchgeführt, da sie in mehreren Schutzgebieten in ihrem großen Verbreitungsgebiet vorkommt.[1]
Literatur
- Norman Arlott, Ber van Perlo: Collins Birds of the World. 1. Auflage. William Collins, London 2021, ISBN 978-0-00-817399-9, S. 175 & 178.
- Arie L.Spaans, Otte H.Ottema & Jan Hein J.M. Ribot: Field Guide to the Birds of Suriname. 1. Auflage. Koninklijke Brill, Leiden 2018, ISBN 978-90-04-24929-5, S. 146.
- Thomas S. Schulenberg, Douglas F. Stotz, Daniel F. Lane, John P. O'Neill, Theodore A. Parker: Birds of Peru. 1. Auflage. Princeton University Press, Princeton 2010, ISBN 978-0-691-13023-1, S. 123 & 124.
Weblinks
- Factsheet auf BirdLife International
- Mangroveralle (Rallus longirostris) bei Avibase
- Mangroveralle (Rallus longirostris) auf eBird.org
- xeno-canto: Tonaufnahmen – Mangroveralle (Rallus longirostris)
- Mangrove Rail (Rallus longirostris) in der Encyclopedia of Life. (englisch).
- Rallus longirostris im Integrated Taxonomic Information System (ITIS). Abgerufen am 1. Januar 2026.
- Rallus longirostris in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2025.2. Eingestellt von: BirdLife International, 2025. Abgerufen am 1. Januar 2026.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h Rallus longirostris in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN.
- ↑ a b c d e f g Mangroveralle (Rallus longirostris) auf eBird.org
- ↑ a b c d e f Norman Arlott, Ber van Perlo: Collins Birds of the World. 1. Auflage. William Collins, London 2021, ISBN 978-0-00-817399-9, S. 175 & 178.
- ↑ a b c d e f g h i j k l Mangroveralle (Rallus longirostris) bei Avibase
- ↑ a b c d e f g h i j k l Arie L.Spaans, Otte H.Ottema & Jan Hein J.M. Ribot: Field Guide to the Birds of Suriname. 1. Auflage. Koninklijke Brill, Leiden 2018, ISBN 978-90-04-24929-5, S. 146.
- ↑ a b c d e f Thomas S. Schulenberg, Douglas F. Stotz, Daniel F. Lane, John P. O'Neill, Theodore A. Parker: Birds of Peru. 1. Auflage. Princeton University Press, Princeton 2010, ISBN 978-0-691-13023-1, S. 123 & 124.
- ↑ a b Rallus longirostris im Integrated Taxonomic Information System (ITIS). Abgerufen am 1. Januar 2026.