Malzfabrik Landsberg

Malzfabrik Landsberg
Rechtsform GmbH
Gründung 1871
Sitz Landsberg (Saalekreis), Deutschland
Leitung Jenny Thormann
Branche Mälzerei
Website www.landsberger.de

Die Malzfabrik Landsberg ist eine familiengeführte handwerkliche Mälzerei und seit 1995 die Hausmälzerei der Brauerei Landsberg in Landsberg im Sachsen-Anhaltischen Saalekreis. Die 1871 als Actien-Malzfabrik Landsberg gegründete Malzfabrik ist das älteste heute noch tätige Unternehmen der Stadt Landsberg[1] und war bis in die 1940er Jahre die größte deutsche brauereiunabhängige selbstständige Malzfabrik.[2][3]

Geschichte

Bis 1990

Die Malzfabrik Landsberg wurde 1871 in der Landsberger Bahnhofstraße als Actien-Malzfabrik Landsberg (ab etwa 1880 Aktien-Malzfabrik Landsberg) von Gutsbesitzern und Kaufleuten gegründet.[4][1]

Die Aktienmehrheit an der späteren Aktien-Malzfabrik Landsberg hielt Anfang der 1930er die Mälzereigruppe Boehm & Reitzenbaum Berlin.[5] Die Aktien-Malzfabrik Landsberg hatte unter anderem zunächst Niederlassungen in Löbau sowie Bad Freienwalde und erwarb im Laufe der Jahre die Freienwalder Malzfabrik AG, die Uebersee-Exportmalzfabrik GmbH in Wismar, die Malzfabrik Leutersdorf und die tschechoslowakische Malzfabrik Milchspeiser & Katscher in Eiwanowitz in der Hanna. Sie hatte Beteiligungen an der Hanna-Malzfabrik AG in Hohenstadt[6] und war mit einem Anteil von 63 Prozent Großaktionär der Münchener Export Malzfabrik München AG,[7] die sie 1937 komplett übernahm.[8]

Im Jahr 1930 lag das Aktienkapital bei 2 Millionen Reichsmark.[9] Im Jahr 1937 gingen etwa 75 % der Aktien von der Mälzereigruppe Boehm & Reitzenbaum Berlin auf eine andere zu diesem Zeitpunkt nicht benannte Unternehmensgruppe über.[10] Am 21. Dezember 1938 berichtete die Frankfurter Zeitung (Frankfurt a.M.), dass die Aktien der Aktien-Malzfabrik Landsberg sowie das Unternehmen von der Deutschen Maizena-Werke AG übernommen wurden.

Die Aktien-Malzfabrik Landsberg hatte 1940 eine Verarbeitungskapazität von 1,2 Millionen Zentnern (60.000 Tonnen) und stand damit an erster Stelle in Deutschland.[11] Im Jahr 1941 wurde das Aktienkapital auf 4 Millionen Reichsmark (4000 Stammaktien mit einem Nennwert von jeweils 1000 Reichsmark) erhöht.[12]

Während des Zweiten Weltkriegs und in den ersten Jahren nach 1945 wurden die Darren der Mälzerei zum Trocknen von Obst, Gemüse sowie Heil- und Gewürzkräutern genutzt und es wurde Roggenmalz zur Streckung von Kakao hergestellt. Nach der Zerschlagung der Aktiengesellschaft und der bisherigen Unternehmensstruktur wurde die Produktion der Mälzerei Landsberg nur noch in den Räumlichkeiten der ursprünglichen Mälzerei in der Landsberger Bahnhofstraße fortgeführt. Nach der Enteignung der Mälzerei firmierte sie ab 1949 zunächst als VEB Malzfabrik Landsberg, der ab 1951 die eigentliche Malzproduktion wieder aufnehmen konnte und später bis 1990 als Betriebsteil II des VEB Brauerei und Malzfabrik Köthen im VEB Getränkekombinat Dessau.[1]

Ab 1991

Der aus Landsberg stammende vorherige Produktionsleiter des VEB Getränkekombinat Dessau, Christoph Thormann, übernahm den ehemaligen VEB Malzfabrik Landsberg 1991 von der Treuhandanstalt und gliederte ihn zum 29. Januar 1992 in eine GmbH um.[13] Im selben Jahr hatte sie bereits wieder eine Jahreskapazität von ca. 18 000 Tonnen.[14]

Am 19. Januar 1995[15] richtete Thormann auf dem Gelände parallel zur Malzfabrik die Brauerei Landsberg ein. Die Malzfabrik Landsberg dient seitdem der Brauerei Landsberg als eigene Hausmälzerei. Seit 2007 existiert eine Kooperation mit der DURST MALZ – Heinrich Durst Malzfabriken GmbH & Co. KG aus Bruchsal.[16]

Im Jahr 2008 übernahm Thormann die sächsische Brauerei Böhmisch Brauhaus Großröhrsdorf[17] und später die Brauerei Bürgerliches Brauhaus Nordhausen (früher VEB Roland-Bräu).[18]

Das Unternehmen besteht 2024 in den Gebäuden der Malzfabrik in der Landsberger Bahnhofstraße aus der Malzfabrik Landsberg GmbH und der Brauerei Landsberg GmbH. Geschäftsführerin beider Unternehmen ist seit 2013 die Diplomingenieurin für Brauerei- und Getränketechnologie und Tochter von Christoph Thorman, Jenny Thormann.[19] Neben den Geschäftsführern gehören weitere Familienmitglieder, wie die Braumeisterin Sandra Thormann und Claudia Thormann-Abst zum Unternehmen.[20]

Die Mälzerei sowie die Brauerei nutzen die seit 1996 geschützte Wort-Bild-Marke Landsberger unter anderem für die Klassen „Malz für Brauereien und Brennereien“ sowie „Biere“.[21]

Die noch vorhandenen Bauten aus dem Jahr der 1871, die Villa und Produktionsgebäude aus dem Jahr 1912 sowie die Wohngebäude für die Angestellten in der Bahnhofstraße 7, 8, 9, 10, 11, 12, 32 und 33 stehen als Denkmalbereich unter Denkmalschutz.[22]

Mälzerei

Die Malzfabrik beschäftigt durchschnittlich zwischen 15 und 20 Mitarbeiter.[23] Neben der Malzproduktion für die Brauerei Landsberg beliefert sie verschiedene Brauereien bundesweit mit Malz.

Brauerei

Die Brauerei beschäftigt durchschnittlich 30 Mitarbeiter.[24][20] und ist, nach der Hasseröder Brauerei, die zweitgrößte[19][25] und nur eine von fünf Brauereien (Gasthausbrauereien nicht eingerechnet) in Sachsen-Anhalt.[26]

Neben der Herstellung eigener Stammsorten und verschiedener Festbiere für die Stadt Halle (Saale) und Merseburg[19][27] ist die Brauerei auch als Lohnabfüller tätig. Im Jahr 2014 füllte sie unter anderem „Zeitzer Grottenbräu“, „Merseburger Kellerbräu“ sowie „Nordhäuser Premium Pils“ und „Oschatzer Premium Pils“ ab. Ab 2010 braut und füllt sie das Bier der Berliner Marke „Bier“ ab[28] und ab 2016 füllte sie, neben der Klosterbrauerei Neuzelle, die Biere der Berliner Craft Beer Brauerei BRŁO Brwhouse ab.[29]

Im Jahr 2018 meldeten die Red Bull GmbH und 2019 Feinkost Käfer Ansprüche aus dem Markenrecht an, woraufhin sich das Unternehmen in beiden Fällen außergerichtlich mit einer Namensänderung einzelner Produkte einigte.[30][31] Seit 2019 braut Landsberger Rammsteiner Pilsner, das offizielle Band- bzw. Merchandise-Bier der Band Rammstein.[32]

Im September 2025 kündigte das Unternehmen an, dass in der Brauerei im Dezember 2025 die letzten Biere gebraut werden und danach der Abverkauf erfolgt.[33]

Markenauftritt und Produktverbreitung

Die Malzfabrik und Brauerei positionieren sich gemeinsam unter der Marke Landsberger als regionale handwerkliche Alternativen zu industriellen Mälzereien, Großbrauereien sowie Brauereigruppen. Die Rohstoffe beziehen beide Unternehmen nach eigener Aussage bei Gerste von den Bauern aus der Umgebung und den Hopfen aus einem der sieben wichtigsten deutschen Anbaugebiete dem Elbe-Saale-Anbaugebiet. Auf die Verwendung von industriellen Hopfenextrakt wird verzichtet. Das Wasser wird aus einem eigenen Tiefbrunnen auf dem Firmengelände gefördert. Die Entfernung zu den Lieferanten und Landwirten soll maximal 80 Kilometer betragen.

Die Malzfabrik beliefert neben der Brauerei Landsberg bundesweit verschiedene Brauereien.

Von November 2017 bis September 2018 erfolgte mit Förderung durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung die Umstellung auf einen neuen Markenauftritt. Der offizielle Werbeslogan der Marke ist Mit Liebe Landgemacht.[34]

Mitgliedschaften

Die Mälzerei und die Brauerei sind Mitglied im Berufsverband Deutscher Braumeister- und Malzmeister-Bund (DBMB)[35], der ehemalige Geschäftsführer Cem Schwarz-Thormann ist Mitglied des Beirats des DBMB[36] und die Brauerei ebenfalls Mitglied im Brauring, einer Kooperationsgesellschaft privater Brauereien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.[37]

Literatur

  • Michael Schneiderheinze: Unternehmen im Saalkreis: Heimat im Glas, Die Brauerei Landsberg, Landkreis Saalekreis 2004

Einzelnachweise

  1. a b c Chronik Landsberg: Vom Handwerk zur Industrie, Abschnitt Handel und Gewerbe
  2. Frankfurter Zeitung (Frankfurt a.M.) vom 17. Oktober 1936 im wirtschaftshistorischen Pressearchiv des ZBW – Leibniz-Informationszentrums Wirtschaft
  3. Der Deutsche Volkswirt (Berlin) vom 19. November 1937 im wirtschaftshistorischen Pressearchiv des ZBW – Leibniz-Informationszentrums Wirtschaft
  4. C 129 Halle, Nr. 873, Aktien-Malzfabrik Landsberg in Landsberg, Bd. 1
  5. Frankfurter Zeitung (Frankfurt a.M.) vom 30. Oktober 1934
  6. Aktie der Aktien-Malzfabrik Landsberg
  7. Frankfurter Zeitung (Frankfurt a.M.) vom 28. Oktober 1937 im wirtschaftshistorischen Pressearchiv des ZBW – Leibniz-Informationszentrums Wirtschaft
  8. Aktie der Münchener Export Malzfabrik München AG vom 5. Januar 1942
  9. Berliner Tageblatt vom 24. Oktober 1930
  10. Frankfurter Zeitung (Frankfurt a.M.) vom 29. Oktober 1937
  11. Berliner Börsen-Zeitung vom 20. November 1940: Der große Malz-Konzern; Kapitalerhöhung und Ausdehnung der Aktien-Malzfabrik Landsberg
  12. Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger (Berlin) vom 20. März 1942
  13. Aktenzeichen HR-B 2766 im Handelsregister des Amtsgerichts Halle-Saalkreis
  14. Malzfabrik Landsberg GmbH, Landsberg/Sachsen-Anhalt: Im Wettbewerb behauptet
  15. Amtsgericht Stendal HRB 208898
  16. Durst Malz und Landsberg kooperieren, Agrarzeitung, 6. Juli 2007
  17. Landsberger kauft Brauerei, Mitteldeutsche Zeitung vom 10. Juli 2008
  18. Handelsregisterbekanntmachung von 23.09.2013
  19. a b c Brauerei Landsberg: Mehr trinken weniger betrunken, Mitteldeutsche Zeitung vom 23. April 2014
  20. a b Einfach erfrischend, Wochenspiegel der Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung in Sachsen-Anhalt, 24. Oktober 2019
  21. DMPA Registernummer 39635021 und 30629963
  22. Erfassungsnummer 094 55271 im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt
  23. siehe bspw. Jahresabschlüsse im Bundesanzeiger von 2006 bis 2021
  24. siehe bspw. Jahresabschlüsse im Bundesanzeiger von 2006 bis 2021
  25. vergl. Unternehmen in der Chronik der Stadt Landsberg
  26. Im Zeitzer Labyrinth, Bier für alle, N-tv, 16. Januar 2016: „In ganz Sachsen-Anhalt, Gasthausbrauereien nicht eingerechnet, gibt es heute außer der Landsberger Brauerei nur noch vier weitere Braubetriebe, den Branchenriesen Hasseröder inbegriffen.“
  27. Halle: 2013 übernimmt eine Frau die Landsberger Brauerei Mitteldeutsche Zeitung vom 16. Dezember 2012
  28. Marke Eigenbrau, „Stell dein Bier auf ein Tier“ Spiegel 9. April 2010: „Sie luden Freunde ein, testeten mit verbundenen Augen zahlreiche Biersorten und vergaben den Misch- und Abfüllauftrag nach ihren Vorstellungen schließlich an die Brauerei Landsberg in der Nähe von Halle.“
  29. Berlin rettet die Bierkultur, Die Welt, 20. Oktober 2016: „Daher wird der größte Teil des Flaschenbiers mit dem außergewöhnlichen Namen – ein altslawischer Ausdruck für Berlin – auch weiterhin in der brandenburgischen Klosterbrauerei Neuzelle und in der Brauerei Landsberg (Sachsen-Anhalt) abgefüllt.“
  30. Red Bull im Namensstreit: „Sanfter Bulle“ aus Landsberg wird nun zu „Sanfter Ochse“, Mitteldeutsche Zeitung vom 8. Januar 2019
  31. Landsberger Brauerei: Feinkostriese Käfer hat was gegen Fassbrause Bild.de vom 4. Januar 2019
  32. https://bierothek.de/online-shop/10415001-Rammsteiner+Pilsner+-+Rammstein.html
  33. Brauerei-Drama nach 154 Jahren – Familienunternehmen kapituliert
  34. EFRE Info
  35. Brauwelt 21-2019
  36. DBMB Landesgruppe Sachsen
  37. Mitgliedsbrauereien. Brauring, abgerufen am 1. März 2024.