Mallnitz (Meteorit)

Koordinaten: 47° 0′ 32″ N, 13° 6′ 4″ O
Mallnitz
Eine polierte Scheibe und ein Modell von Mallnitz in der Österreich-Vitrine im Meteoritensaal (Saal 5) des Naturhistorisches Museum Wien
Allgemeines
Offizieller Name
nach MBD
Mallnitz
Authentizität sicher
Lokalität
Land Österreich
Bundesland Kärnten
Bezirk Spittal an der Drau
Ort Mallnitz
Fall und Bergung
beobachtet nein
Datum (Fund) 15. Juli 2024
Sammlung 27 g im Naturhistorischen Museum Wien

Hauptmasse im Privatbesitz des Finders

Beschreibung
Typ Chondrit
Klasse H-Chondrit
Gruppe H5
Masse (total) 326 g
Referenzen
Meteoritical Bulletin 85521
Mindat (Keswick, VA) 460706

Mallnitz ist ein Steinmeteorit aus der Gruppe der gewöhnlichen Chondrite des Typs H5. Der 326 g schwere Meteorit wurde am 15. Juli 2024 nordwestlich von Mallnitz im österreichischen Bundesland Kärnten gefunden. Er ist der zehnte offiziell anerkannte Meteoritenfund aus Österreich. Ein Fragment des Meteoriten ist in der Österreich-Vitrine der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museum Wien ausgestellt.[1][2]

Fundgeschichte

Der Meteorit wurde am 15. Juli 2024 von einem Botaniker während einer Wanderung entdeckt. Auf einem unbefestigten, mit hellem Kalkschotter aufgeschütteten Wirtschaftsweg in der Nähe der Jamnigalm fiel ihm ein dunkler, glatt wirkender Stein auf, der sich deutlich vom kantigen Wegmaterial abhob und teilweise im Boden steckte.[1][3]

Der Finder brachte den Stein im September 2024 ins Naturhistorische Museum Wien, wo bestätigt wurde, dass es sich um einen Meteoriten handelt. Nach detaillierten petrographischen und geochemischen Analysen wurde das Gestein der Meteoritical Society zur Klassifikation vorgelegt. Der Name Mallnitz wurde gemäß den Nomenklaturregeln nach dem Fundort vergeben. Die offizielle Anerkennung durch das Nomenklaturkomitee und die Aufnahme in das Meteoritical Bulletin erfolgten am 14. September 2025.[1][2]

Mallnitz gilt als Fundmeteorit (find), da der Fall nicht beobachtet wurde. Aufgrund radioaktiver Messungen wird jedoch vermutet, dass der Meteorit erst wenige Jahre vor seiner Entdeckung auf die Erde gefallen ist.[2][3]

Klassifikation und Aufbau

Mallnitz wird als gewöhnlicher Chondrit des Typs H5 klassifiziert.[1] H-Chondrite sind vergleichsweise metallreiche Steinmeteorite, deren Ausgangsgestein aus einem Asteroidenkörper des inneren Asteroidengürtels stammt. Die petrologische Klasse 5 weist auf eine weitgehend durch Wärme umgewandelte, aber noch klar erkennbar chondritische Textur hin.

Das Stück besitzt eine weitgehend geschlossene, dunkelbraun bis rötlich gefärbte Schmelzkruste mit abgerundeten Kanten. Im Inneren zeigt der Meteorit eine kompakte, relativ metallreiche Matrix mit gut erhaltenen Chondren verschiedener Typen, darunter gebänderte und kryptokristalline Chondren. Als opake Phasen treten vor allem Metall (Kamacit und Taenit) sowie Troilit auf; als Nebenminerale wurden unter anderem Merrillith, Chlorapatit und Chromit beschrieben.[1]

Alter und Fallzeit

Zur Abschätzung der Fallzeit wurden in Speziallaboren Messungen kurzlebiger kosmogener Radionuklide durchgeführt. Die Aktivität des Radionuklids Mangan-54, dessen Halbwertszeit bei etwa 312 Jahren liegt, deutet darauf hin, dass Mallnitz vor weniger als zehn Jahren vor der Analyse auf die Erde fiel.[2]

Zusätzlich wurde im Gestein Cäsium-137 nachgewiesen, ein Spaltprodukt, das auf radioaktiven Niederschlag nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 zurückgeht. Diese Kontamination belegt, dass der Meteorit nach seinem Fall über längere Zeit an der Erdoberfläche in Europa lag und dort dem lokalen Klima ausgesetzt war.[2][3]

Bedeutung

Mallnitz ist der zehnte offiziell anerkannte Meteorit aus Österreich und der erste aus dem Bundesland Kärnten.[1][3] Die Entdeckung ist auch deshalb bemerkenswert, weil Meteoritenfunde in den Ostalpen insgesamt selten sind und in der Regel nur durch die Aufmerksamkeit einzelner Privatpersonen bekannt werden.

Die Aufnahme des Meteoriten in die Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums Wien erweitert den Bestand an österreichischen Meteoriten und ergänzt die international bedeutende Meteoritenschau. Die Sammlung des NHM Wien zählt zu den größten Meteoritensammlungen weltweit und wurde 2024 als geowissenschaftliches Referenzobjekt („Geo-Collection“) ausgezeichnet.[2]

Aufbewahrung und Ausstellung

Das Hauptstück des Meteoriten befindet sich in privatem Besitz des Finders. Seit dem 5. November 2025 ist eine polierte Scheibe des Meteoriten mit einer Masse von etwa 13,5 g zusammen mit einem Modell des vollständigen Steins in der Österreich-Vitrine des Meteoritensaals (Saal 5) des NHM Wien ausgestellt.[2][3]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Meteoritical Bulletin Database: Mallnitz. Eintrag in MB 114, veröffentlicht 2025.
  2. a b c d e f g Naturhistorisches Museum Wien: Neuer Meteorit in der Österreich-Vitrine – Mallnitz-Meteorit im NHM Wien angekommen, Presseaussendung, 4. November 2025.
  3. a b c d e ORF Kärnten: Fund in Mallnitz ist Steinmeteorit, 7. November 2025.