Makemake (Mythologie)
Makemake (auch Make-Make; ausgesprochen [][1]) ist die Schöpfer- und Fruchtbarkeitsgottheit der Kultur der Osterinsel. Im Vogelmannkult (Tangata manu) ist Makemake die Hauptgottheit. Makemake tritt in den Geschichten der Rapanui fast immer zusammen mit seinem Begleiter Haua auf. Sowohl Makemake als auch Haua kommen nur in der Religion der Osterinsel vor, nicht aber in anderen polynesischen Religionen.
Legende
Der Schöpfungsmythos von Rapanui erzählt folgende Geschichte:
- Nachdem Makemake die Erde erschaffen hatte, spürte er, dass etwas fehlte. An jenem Tag erkannte er in einer wassergefüllten Kalebasse sein Spiegelbild. Da in jenem Moment ein Vogel auf seiner Schulter landete, sah er sein Gesicht mit Flügeln und Schnabel. Er hauchte dem Abbild Leben ein und es ward sein Erstgeborener. Dann wollte Makemake ein Wesen schaffen, das reden konnte wie er und er hauchte dem Wasser Leben ein, so dass der Fisch entstand. Aber das Resultat war nicht das gewünschte und so hauchte er auch einem Stein an Land Leben ein und so wurde der erste Mensch erschaffen. Als Makemake sah, dass der Mann einsam war, erschuf er die Frau. Makemake gab ihnen Rapanui als ihr Land.
Ein Mythos der Rapanui erzählt vom Beginn des Makemake-Kults:[2]
- Auf einer der Ahu-Plattformen lag einst ein heiliger Schädel, der von einer Priesterin gehütet wurde. Als dieser bei einem Sturm ins Meer fiel, tauchte die Priesterin hinterher, um den Schädel zu retten, was ihr auch gelang. Erschöpft ruhte sie an einer benachbarten Insel aus, als ihr Haua erschien und ihr offenbarte, das der von ihr gerettete Schädel niemandem anderen als dem großen Gott Makemake gehöre. Haua trug ihr auf, zurückzukehren und ihr Volk zu lehren, wie man zu ihm und Makemake betet und ihnen Opfer darbringt.
- Zwischenzeitlich beschlossen Makemake und Haua, die Seevögel von Rapanui zu vertreiben, da die Bewohner deren Eier aßen. Die Vögel ließen sich dann auf der vorgelagerten, unbewohnten Insel Moto Nui nieder. Um an dieses Ereignis zu erinnern, führten die Bewohner jedes Jahr eine Zeremonie durch, in der junge Männer in einem Wettkampf zu der Insel schwammen und mit dem ersten Ei zurückkehrten.
Kult
Makemake wird häufig auf Petroglyphen auf den Inseln als maskenhaftes Gesicht mit großen, eulenartigen Augen dargestellt.[2]
Ab etwa dem 16. oder 17. Jahrhundert bis in die 1860er Jahre (letzte bekannte Zeremonie um 1866/67) bildete der Makemake-Kult (auch Vogelmannkult oder Tangata-manu-Kult) das zentrale religiöse und politische System auf Rapa Nui. Er ergänzte oder löste die frühere Moai-Verehrung ab und diente der jährlichen Bestimmung eines sakralen Oberhaupts.
Jedes Frühjahr versammelten sich die Clans im zeremoniellen Dorf Orongo am Kraterrand des Rano Kau. Von Sehern (ivi atua) bestimmte Stammesvertreter nominierten je einen oder mehrere Beauftragte (hopu manu), die die steile Klippe hinabstiegen, durch haiverseuchte Gewässer zur vorgelagerten Insel Motu Nui schwammen und dort das erste Ei der Rußseeschwalbe (manu tara) suchten. Der hopu manu, der das unversehrte Ei zurückbrachte, überreichte es seinem Patron (meist dem Clanführer). Dieser wurde für ein Jahr zum Tangata manu („Vogelmann“) proklamiert; er galt als irdische Inkarnation Makemakes, erhielt politische und religiöse Vorrechte, lebte zeitweise in ritueller Abgeschiedenheit (tapu) und sicherte seinem Clan exklusive Ressourcenrechte (z. B. Vogeleier von Motu Nui).[1]
Die Zeremonie endete in den 1860er Jahren unter dem Einfluss christlicher Missionare und nach schweren Bevölkerungsverlusten durch Krankheiten und Sklavenjagden. Die zahlreichen Petroglyphen in Orongo, darunter über 375 Vogelmann-Motive (tangata manu als gekrümmte Figur mit Vogelkopf und Ei im Schnabel) sowie Makemake-Gesichter und Fruchtbarkeitssymbole (komari), zeugen von der Bedeutung dieses Kults.
Rezeption
Der ursprünglich 2005 FY9 genannte transneptunische Zwergplanet Makemake erhielt seinen Namen als Anspielung des Entdeckungsdatums zu Ostern auf die Osterinsel.[3][4]
Quellen
- Alfred Metraux: Ethnology of Easter Island., [1940] 1971, Bernice P. Bishop Museum Bulletin 160, Honolulu, Bishop Museum Press
- Katherine Routledge: The Mystery of Easter Island, 1919, ISBN 0-932813-48-8
- Jo Annevan Tilburg: Easter Island: Archaeology, Ecology and Culture., 1994, Washington D.C., Smithsonian Institution Press
Einzelnachweise
- ↑ a b Robert D. Craig: Handbook of Polynesian Mythology, ABC-CLIO, 2004, S. 63 Online-Version
- ↑ a b Robert D. Craig: Handbook of Polynesian Mythology, ABC-CLIO, 2004, S. 162 Online-Version
- ↑ (136472) 2005 FY9 Named Makemake ( vom 19. Dezember 2013 im Internet Archive)
- ↑ Mike Brown: Mike Brown's Planets: What's in a name? (part 2). In: CalTech. 2008, abgerufen am 14. Juli 2008.