Magistertaler
Der Magistertaler ist auf die Wahl des Prinzen Bernhard, Sohn von Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar bzw. Sachsen-Neu-Weimar (1640–1672)[1] zum Rektor magnificentissimus und auf das Jubiläum der Universität Jena im Jahr 1654 geprägt worden. Den Taler erhielten alle Magister bei den Festlichkeiten zu diesem Jubiläum. Danach wurde die Münze als Magistertaler bezeichnet.[2] Den Gedenktaler ließ Herzog Wilhelm, Stifter der Hauptlinie von Sachsen-Weimar, in Weimar prägen.[3]
Münzbeschreibung mit geschichtlichen Zusammenhängen
Der in der Münzstätte Weimar geprägte sehr seltene silberne Magistertaler ist ein Reichstaler von 1654, der als Taler und Halbtaler bekannt ist. Hier abgebildet ist der halbe Magistertaler Herzog Wilhelms, der die gleichen Münzbilder wie die des Talers hat. Die als Gedenkmünzen geprägten Stücke haben herzförmige Spruchbänder um die Brustbilder der Ahnen des Prinzen.[4] Sie sind auf die Wahl Bernhards zum Rektor magnificentissimus der Universität Jena (= Titel einer fürstlichen Standesperson) und auf das Jubiläum der Universität Jena geprägt worden. Halbtaler und Taler haben beide einen Durchmesser von 43 mm. Der Halbtaler wiegt 14,33 g.[5] Er könnte demnach ein Abschlag von den Talerstempeln sein.[6]
Johann David Köhler bezeichnet den Magistertaler in seiner Münzbelustigung als Gedächtnistaler
Die doppelten herzförmigen Spruchbändern stellen auf der ersten und anderen Seite, so Köhler,
„eine gekrönte Figur vor, welche im Ober-Theil ein zweifaches ineinander gesetztes Hertz, und im Untertheil ein W abbildet.“[8]
Vorderseite
Die Vorderseite zeigt ein kleines Brustbild von Johann Friedrich dem Großmütigen (1532–1547–1554)[9] als Kurfürst von Sachsen und Stifter der Universität Jena[10] mit geschultertem Kurschwert sowie Kur- und Sachsenwappen. Um das Brustbild herum ist ein herzförmig geschlungenes und bekröntes doppeltes Spruchband zu sehen. Unten erscheint es als „W“ für Wilhelm, dem Vater des Prinzen.[11] Im Feld unten ist das Datum „A(nno) 1654 – 28. Feb.“ geteilt angegeben. An diesem Tag war wahrscheinlich die Wahl des Prinzen Bernhard zum Rektor magnificentissimus.[12]
Dazu schreibt Johann David Köhler:
„In der äuseren Hertz und W. Form ist zu lesen: WILMS [Herz]zog zur WEIßHEIT seine Sohn BERNHARD Rector der Acad. Jena und in der inneren: WILMS [Herz]zog Elter Vater war IO. FRIDERICH Churf. zu Sax. Unter der gantzen zweyfachen Figur stehet A. 1654. 28. Febr.“[13]
Erklärung:
- In der äußeren Herz-und W-Form ist zu lesen: Herzog Wilhelm – zur Weisheit seines Sohns Bernhard – Rektor der Akademie Jena und in der inneren: Herzog Wilhelms Großvater war Johann Friedrich Kurfürst zu Sachsen. Unter der ganzen zweifachen Figur (dem doppelten Spruchband) steht 28. Februar Anno 1654.
Rückseite
Die Rückseite zeigt die Brustbilder zweier Söhne Johann Friedrichs des Großmütigen von Sachsen – den ältesten Herzog Johann Friedrich II. den Mittleren von Sachsen[14] und daneben den zweiten Sohn Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Weimar bzw. Sachsen-Alt-Weimar (1572–1573). Zu beiden Seiten der Brustbilder befinden sich je ein Wappen des Herzogtums Sachsen. Um die Brustbilder herum ist ein herzförmig geschlungenes und bekröntes doppeltes Spruchband zu sehen. Unten erscheint es wieder als „W“ für Wilhelm, dem Vater Bernhards.[15]
Dazu schreibt Johann David Köhler:
„Auf der anderen Seite […] sind die in der mitten befindliche kleine, nebeneinander gestellten Brustbilder der beeden Stiffter der Jenischen Universität […]. Die innere Figur enthält diese Aufschrift: Un. Jen. Fundatoren IO. FRIED. IO. WILH.“[16]
Erklärung:
- Auf der anderen Seite befinden sich die kleinen nebeneinander gestellten Brustbilder der beiden Stifter der Universität Jena. Die innere Figur (das ist das innere herzförmige Spruchband), enthält diese Aufschrift: Universität Jenas Fundatoren (Gründer) Johann Friedrich II. der Mittlere von Sachsen und Johann Wilhelm (von Sachsen-Weimar bzw. Sachsen-Alt-Weimar).
Beim Ausbau der Universität Jena durch Johann Friedrich II. den Mittleren kam es allerdings zu Zerwürfnissen mit den Universitätstheologen, die 1561 zur Entlassung des im Jahr 1557 berufenen Flacius führten.[17]
Anmerkung: Nach Helmut Kahnt sind auf der Rückseite „die beiden Brustbilder von Johann Friedrich dem Großmütigen und dessen Sohn Johann Wilhelm“. Johann David Köhler nennt dazu nur die Abkürzungen „JO. FRIED. JO. WILH.“ Tatsächlich handelt es sich nicht wiederum um Johann Friedrich den Großmütigen auf der Rückseite, sondern um Johann Friedrich II. den Mittleren und dessen Bruder Johann Wilhelm.[18][19][20]
Siehe auch
- Münzgeschichte des Herzogtums Sachsen (1547–1572)
- Münzgeschichte des Hauses Sachsen-Weimar (1572–1870)
- Alleinprägung Johann Wilhelms von Sachsen (1567–1572)
- Alleinprägungen Johann Friedrichs II. von Sachsen
Weblinks
- Duden: Herkunft aus lateinisch rector magnificentissimus „erhabenster Leiter“.
Literatur
- Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. Regenstauf 2005.
- Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress Lexikon Numismatik, Berlin 1976.
- Friedrich von Schrötter (Hrsg.) mit N. Bauer, K. Regling, A. Suhle, R. Vasmer, J. Wilcke: Wörterbuch der Münzkunde. de Gruyter, Berlin 1970 (Nachdruck der Originalausgabe von 1930).
- Gernot Schnee: Sächsische Taler von 1500–1800, Frankfurt a. M. 1982.
- Johann David Köhler: Münzbelustigung Band 9, Seite XXIV, Abschnitt IV.
- Samuel David Madai: Vollständiges Thaler-Cabinet: Erster Theil Nr. 1491.
Einzelnachweise
- ↑ Gernot Schnee: Sächsische Taler von 1500–1800 (1982).
- ↑ Carl Christoph Schmieder: Handwörterbuch der gesammten Münzkunde (1811) S. 283: Talername
- ↑ Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress Lexikon Numismatik (1976), S. 209.
- ↑ Friedrich von Schrötter (Hrsg.): Wörterbuch der Münzkunde. (1970, Nachdruck 1930), S. 364.
- ↑ Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. (2005), S. 267.
- ↑ Lothar Koppe: Die Münzen des Hauses Sachsen-Weimar (2007)
- ↑ Johann David Köhler: Münzbelustigung Band 9, Seite XXIV, Abschnitt IV.
- ↑ Johann David Köhler: Münzbelustigung Band 9, Seite XXIV, Abschnitt IV.: Die Spruchbänder als gekrönte Figuren
- ↑ Paul Arnold: Die Genealogie der meißnisch-sächsischen Landesfürsten. In: Numismatischer Verein zu Dresden e. V. (Hrsg.): Dresdner numismatische Hefte. Nr. 1/1996.
- ↑ David Samuel Madai: Vollständiges Thaler-Cabinet, Theil 1, Nr. 1491: Stifter der Uni.
- ↑ Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. (2005), S. 267: Vorderseite.
- ↑ Johann David Köhler: Münzbelustigung Band 9, Seite XXIV, Abschnitt IV.: Rektorat
- ↑ Johann David Köhler: Münzbelustigung Band 9, Seite XXIV, Abschnitt IV: Vorderseite.
- ↑ Carl Christoph Schmieder: Handwörterbuch der gesammten Münzkunde (1811) S. 283.
- ↑ Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. (2005), S. 267: Rückseite.
- ↑ Johann David Köhler: Münzbelustigung Band 9, Seite XXIV, Abschnitt IV: Rückseite.
- ↑ Thomas Klein: Johann Friedrich II. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 10. Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. 530 (deutsche-biographie.de).
- ↑ Carl Christoph Schmieder: Handwörterbuch der gesammten Münzkunde (1811) S. 283: Universität Jenas Gründer Johann Friedrich II. der Mittlere von Sachsen und Johann Wilhelm.
- ↑ Johann David Köhler: Münzbelustigung Band 9, Seite XXIV, Abschnitt IV: Rückseite, Fundatoren.
- ↑ David Samuel Madai: Vollständiges Thaler-Cabinet Theil 1, Nr. 1491: Johann Friedrich II.