Magdalena Gutiérrez
María Magdalena „Cuca“ Gutiérrez Gutiérrez (* 2. Januar 1934 in La Paz; † 23. September 2019) war eine chilenisch-bolivianische Architektin. Sie hatte eine Pionierrolle im Lehmbau in Chile inne. Gutiérrez realisierte zeitgenössische Bauten mit lokalen Materialien der Atacama-Wüste unter Nutzung traditioneller Handwerkskünste. Sie förderte die Verbreitung des Wissens über diese Baukultur.[1]
Biografie und Werk
1940 zog sie in Alter von sechs Jahren mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern von Bolivien nach Chile. Ihr Vater war im Chacokrieg gefallen. Sie lernte ihn nie kennen. Ihre Mutter heiratete in zweiter Ehe einen Chilenen.[2]
In den 1950er-Jahren begann sie ein Studium der Architektur an der Pontificia Universidad Católica de Chile und anschließend an der Universidad de Chile. Das Studium brach sie jedoch für fast zwei Jahrzehnte ab. Zwischen 1955 und 1971 lebte sie mit ihrem Ehemann Enrique Barrenechea und ihren sieben[1][3] (nach anderen Quellen acht[2]) Kindern in Concepción. Sie arbeitete auch ohne Abschluss mit verschiedenen Architekten zusammen. Ihr Ehemann und ihr Bruder Maco Gutiérrez waren ebenfalls Architekten. Sie knüpfte Kontakte zu Betty Fishman, Alejandro Rodríguez, Carlos Martner, Miguel Lawner und Osvaldo Cáceres. 1976 schloss sie ihr Architekturstudium an der Universidad de Chile ab und arbeitete sowohl in der universitätseigenen Bauabteilung als auch in der Lehre. Sie war 1981 als Assistentin im Fachbereich Architektur der Universidad de Chile tätig und unterrichtete 1984 an der Escuela Nocturna para Obreros de la Construcción (ENOC), einer Abendschule für Bauhandwerker. 1988 wurde sie Direktorin der ENOC.[1]
1989 berief Ángela „Kika“ Schweitzer sie in die Architekturfakultät der Universidad del Norte (heute Universidad Católica del Norte, UCN). Sie befasste sich nunmehr mit dem Altiplano, dem hier verbreiteten Lehmbau und der Bautraditionen der Atacameño. Im Winter 1989 besuchte sie im Rahmen einer Studienreise erstmals die Stadt San Pedro de Atacama mit deren Lehmziegel-Fassaden und Lehmdächern. Sie beforschte traditionelle Wohnbauten, das Nutzungsverhalten ihrer Bewohnern sowie die Bausysteme und die Arbeitsweisen im Handwerk. 1990 nahm sie am Internationalen Treffen zur Erhaltung des Lehmbau-Erbes teil, der vom CRAterre (Centre de recherche et d'application en terre, 1979 gegründetes Forschungszentrum) an der École nationale supérieure d'architecture de Grenoble (ENSAG) angeboten wurde. Nach ihrer Rückkehr nach Antofagasta gründete sie mit Studierenden und Lehrenden die Grupo Tierra.[1]
1998 gab sie die Lehre an der Universität auf und ließ sich in San Pedro de Atacama nieder. Dort realisierte Neubauten unter der Verwendung überlieferter Materialien und Techniken der Atacameños. Im Jahr 1991 richtete sie im Museo Arqueológico Padre Le Paige einen aus Lehmziegeln errichteten Atacameño-Raum ein. 1994 errichtete sie das Hotel Kimal in der Calle Caracoles aus lokalen Materialien wie Lehm, Lehmziegeln und Chañar-Holz (Geoffroea decorticans). Sie entwarf und baute Häuser in verschiedenen Andengemeinschaften (Ayllus), darunter ihr eigenes Haus und Atelier. In diesem Haus veranstaltete sie auch Seminare und Bauworkshops. Sie betreute Sanierungen rund um die Kirche in San Pedro de Atacama.[1][3]
Magdalena Gutiérrez starb mit 95 Jahren. Sie wurde ihrem Wunsch entsprechend eingeäschert und beim Vulkan Licancabur beigesetzt.[2]
Bauten in San Pedro de Atacama (Auswahl)
- Sala del Tesoro Ttacameño
- Hotel Takha Takha
- Hotel Kimal
- Casa Taller “Cuca”
- Casa Toro
- Casa Ana Espinoza
- Casa Esmeralda Ramos
- Casa Nano
Auszeichnungen
- 2006 Andrés-Bello-Preis, Kolumbien
- 2012 für die Erhaltung des kulturellen Erbes der Region Antofagasta, verliehen vom Nationalen Denkmalrat (Consejo de Monumentos Nacionales, CMN)
- 2018 Manuel-Moreno-Guerrero-Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Erhaltung des nationalen architektonischen Erbes, verliehen durch das Colegio de Arquitectos de Chile. Sie teilte sich diese Auszeichnung mit dem Architekten Osvaldo Cáceres González[1][4]
- 2019 Posthum verliehener CAA-Preis für ihr Lebenswerk in Architektur und Denkmalpflege, verliehen von der Architektenkammer Antofagasta.
Literatur
- Camilo Giribas Contreras, Amanda Rivera Vidal, Luis Alfaro Jaime: La arquitecta del desierto / Visión y obra de Magdalena «Cuca» Gutiérrez, Stoq 2023. ISBN 978-956-6142-04-1
Weblinks
- Magdalena Gutiérrez bei un dia|una arquitecta
- Archivo Oral San Pedro de Atacama: Magdalena Gutiérrez (Interview, spanisch)
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f MARÍA MAGDALENA GUTIÉRREZ GUTIÉRREZ 1934-2019. In: UN DÍA | UNA ARQUITECTA 5. 28. Juli 2025, abgerufen am 31. Dezember 2025 (spanisch).
- ↑ a b c Francisco Rivas Morales: La Cuca: Mujer de la tierra. In: Diario Regionalista Antofagasta. 11. Oktober 2019, abgerufen am 31. Dezember 2025 (spanisch).
- ↑ a b Michelle Hites: Entrevista: Magdalena Gutiérrez, Arquitecta en Tierra Cruda - Patrimonio vivo del Desierto de Atacama. In: archdaily.cl. 12. Dezember 2013, abgerufen am 31. Dezember 2025 (es-CL).
- ↑ Egresados, egresadas y académicos FAU fueron reconocidos con el Premio del Colegio de Arquitectos 2018 - Facultad de Arquitectura y Urbanismo - Universidad de Chile. 31. Juli 2018, abgerufen am 31. Dezember 2025 (spanisch).