Madonna della Natività (Arnolfo di Cambio)
| Madonna della Natività |
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| Arnolfo di Cambio, ca. 1300–1305 |
| Marmorskulptur einer verlorenen Gruppe, 60 cm × 125 cm |
| Museo dell’Opera del Duomo; Florenz |
Die Madonna della Natività ist eine Marmorfigur von Arnolfo di Cambio (und Werkstatt), die ursprünglich Teil einer Skulpturengruppe der Geburt Christi war. Sie entstand um 1296–1305 für die erste Fassade der Kathedrale Santa Maria del Fiore in Florenz, für deren Planung und Ausgestaltung Arnolfo verantwortlich war. Die Skulptur befindet sich heute im Dommuseum (Museo dell’Opera del Duomo).
Geschichte und Beschreibung
Der als Bildhauer durch Niccolò Pisano ausgebildete Arnolfo di Cambio, der in vielen mittelitalienischen Städten (Siena, Bologna, Perugia, Orvieto und Rom) auch schon als Architekt gearbeitet hatte, wurde zum Ende seines Lebens 1296 in Florenz zum capomaestro der Dombauhütte berufen. Es galt eine neue Kathedrale zu errichten, die mehr als doppelt so groß wie ihr Vorgängerbau Santa Reparata werden sollte, und die Repräsentationsbauten der konkurrierenden Stadtstaaten zu übertreffen hatte, Weit über die Planung kam er vermutlich nicht hinaus, wobei auch andere florentiner Bauten und Infrastrukturmaßnahmen Arnolfo zugeschrieben werden.
Unter seiner Leitung entstanden jedoch schon Figuren und Figurengruppen für das skulpturale Bildprogramm der Westfassade der Maria (der Blumen) geweihten Kirche. Fertig wurde Fassade bis ins 15. Jahrhundert hinein nur zur Hälfte und schließlich 1588 ganz abgebrochen, um bis ins 19. Jahrhundert gänzlich unverkleidet dazustehen. Die drei Portale der Fassade wiesen jedes ein halbrundes Bildfeld auf, das zur Bühne von Skulpturengruppen mit Maria wurde. Die Lünette des linken Portals von Santa Maria del Fiore zeigte eine Krippengruppe, mit einer Maria, die auf der Seite liegend, den Oberkörper durch ihren Ellenbogen aufstützt, genretypisch vielleicht das Christuskind anschauend. Vor dem Abriss der Fassade zum Ende des 16. Jahrhunderts, hatte Bernardino Poccetti die Fassade noch gemalt, in der Reliefs hinter den Nischenskulpturen zu erkennen sind.
Die Ikonographie folgt der Giottos, eine Pose, die auch Lorenzo Ghiberti wiederholt verwendete, prominent im motivgleichen Relief der Paradiestür. Die Skulptur (und vermutlich auch die Gruppe) findet über dem rechten Portal eine Entsprechung in der Figur der Dormitio Virginis, einer Darstellung des Todes, bzw. der Grablegung Marias mit trauernden Sekundärfiguren. Im Bogenfeld des Hauptportals schließlich wurde die sogenannte Madonna mit den Glasaugen von Santa Reparata und dem hl. Bonifatius flankiert.
Zu der Krippenszene mit der liegenden Mutter links gehörten mindestens zwei nur beschädigt erhaltene Verkündungsengel und eine anrührende Gruppe Vieh, die eine Verkündigung an die Hirten bestätigen. Die Marienfigur entspricht stilistisch in ihrer Blockhaftigkeit und den harten, rhythmisch gegliederten Gewandfalten der Hand noch weiterer Werke der Fassade, wie etwa der Statue des hl. Bonifatius VIII.
Die Figur wurde wie der Rest der Fassade 1588 entfernt, ging zunächst spurlos verloren. Erst 1904 wurde sie von Georg Swarzenski unter den von dem florentiner Kunsthändler Stefano Bardini verkauften Werken wiedergefunden, zusammen mit anderen Skulpturen wie der Dormitio, die später nach Berlin kam. Das Relief mit dem Fragment der Verkündigung an die Hirten befand sich in den Sammlungen der Medici und wurde erst 1936, im Bargello-Museum mit den anderen Fragmenten der Fassade vereint und später dem Dommuseum übergeben.
Literatur
- Il museo dell’Opera del Duomo a Firenze. Mandragora, Florenz 2000, ISBN 88-85957-58-7.