Madhav Gadgil
Madhav Dhananjaya Gadgil (Marathi माधव धनंजय गाडगीळ; geboren am 24. Mai 1942 in Pune; † 7. Januar 2026[1]) war ein indischer Ökologe,[2] Autor, Kolumnist und der Gründer des indischen Centre for Ecological Sciences.[3][4] Er war Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des indischen Premierministers und Leiter des Western Ghats Ecology Expert Panel (WGEEP) von 2010, allgemein bekannt als Gadgil-Kommission.[5][6]
Herkunft und Ausbildung
Madhav Gadgil kam 1942[7] in Pune zur Welt, damals in der Bombay Province von Britisch-Indien gelegen. Seine Eltern waren Pramila und Dhananjay Ramchandra Gadgil.[8] Sein Vater leitete das Gokhale Institute of Politics and Economics und war Verfasser eines bedeutenden nationalen Wirtschaftsprogramms (Gadgil formula).[9] Schon als Schüler der 10. Klasse veröffentlichte Madhav Gadgil eine Serie von zehn Artikeln über Tierverhalten im Wissenschaftsmagazin Srishtidnyan. Er absolvierte dann bis 1963 ein Biologiestudium am Fergusson College der University of Pune und erwarb 1965 einen Masterabschluss in Zoologie an der University of Mumbai.[10][11]
Gadgil wurde von Giles Mead, dem damaligen Kurator für Fische am Harvard Museum of Comparative Zoology, ermutigt, an die Harvard University zu gehen. Dort hörte er Vorlesungen von Edward O. Wilson, dem herausragenden Wissenschaftler für Ökologie und Evolution der Biologie in Harvard.[8] 1969 promovierte er über mathematische Ökologie und Fischverhalten zum PhD, der Titel seiner Dissertation lautete Life History Strategies: A Theoretical Investigation.[12][13] Anschließend erhielt er ein Stipendium von IBM, so konnte er seine Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Harvard Computing Center fortsetzen und arbeitete gleichzeitig zwei Jahre lang als Dozent für Biologie an der Universität.[13]
Karriere
1971 kehrte er nach Indien zurück[14] und wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter am Agharkar Research Institute der Maharashtra Association for Cultivation of Science in Pune.[10] 1973 wechselte er ans Indian Institute of Science (IISc) in Bengaluru; 2004 verabschiedete er sich als Vorsitzender des Instituts in den Ruhestand.[10] Während dieser Zeit gründete er am IISc zwei Forschungszentren, das Centre of Theoretical Studies und das Centre for Ecological Studies.[13] Daneben war er als Gastprofessor an der Stanford University (1991) und der University of California, Berkeley (1995) tätig.
Nach seiner Pensionierung vom IISc kehrte er 2004 nach Pune zurück, um seine Zusammenarbeit mit dem Agharkar Research Institute[10] wieder aufzunehmen, und er übernahm zeitweise den Damodar Dharmanand Kosambi-Gastlehrstuhl an der University of Goa.[15][16]
1986 wurde er zum Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des indischen Premierministers ernannt, er gehörte dem Gremium bis 1990 an. In dieser Zeit beförderte er die Einrichtung des ersten Biosphärenreservats des Landes in den Nilgiri-Bergen. Von 1998 bis 2002 war er Vorsitzender des Science and Technology Advisory Panel der Global Environment Facility, einer Agentur der Vereinten Nationen. Außerdem war er Mitglied des Ausschusses für Umweltbildung des indischen National Council of Educational Research and Training (NCERT) und Mitglied des National Advisory Council.[17] Er ist Mitglied der National Tiger Conservation Authority und Vorsitzender des Ausschusses, der den Lehrplan für Umweltbildung an Schulen entwirft.[18] Als die indische Regierung 2010 ein Expertengremium zur Beratung der ökologischen Probleme in den Western Ghats (WGEEP) einrichtete, wurde er zum Vorsitzenden des Gremiums gewählt.[19]
Privatleben
Gadgil war während seiner College-Zeit ein aktiver Sportler und hielt 1959 und 1961 die Hochsprungrekorde des Bundesstaates Maharashtra und der Pune University.[20] Er war mit Sulochana Gadgil verheiratet, einer bekannten Meteorologin und Mathematikerin an der Harvard University, die er während seiner Zeit am Fergusson College kennengelernt hat.[14] Das Paar hat eine Tochter, die Journalistin und Spanischlehrerin ist, und einen Sohn, der Mathematiker ist.[11][14] Die Familie lebte in seiner Heimatstadt Pune. Seine Lebensgeschichte wurde in einem biografischen Buch mit dem Titel Vidnyanyatri – Dr. Madhav Gadgil festgehalten, das von A. P. Deshpande in Marathi verfasst wurde.[21]
Vermächtnis
Einer der wichtigsten Beiträge von Gadgil ist sein Einsatz für den Umwelt- und Naturschutz in Indien. Seine frühen Forschungen in den 1980er Jahren trugen dazu bei, dass die Nilgiri-Berge als erstes Biosphärenreservat Indiens ausgewiesen wurden.
Madhav Gadgil erwarb sich große Verdienste durch die Einführung quantitativer Untersuchungen der Ökologie und des Verhaltens von Tieren in Indien sowie die Einbeziehung des Menschen als wesentlichem Bestandteil von Ökosystemen.[22] Gadgil ist bekannt für seine umfangreichen Forschungen in den Bereichen Populationsbiologie, Naturschutzbiologie, Humanökologie und Ökologische Geschichte. Seine Forschungen wurden in über 250 wissenschaftlichen Artikeln dokumentiert,[10] die in verschiedenen Fachzeitschriften und Magazinen veröffentlicht wurden.[23]
Von 1999 bis 2004 erschien von ihm eine zweiwöchentliche Kolumne über Naturgeschichte in The Hindu.[20] Auch in der in Pune erscheinenden Marathi-Tageszeitung Sakal schrieb er eine monatliche Kolumne.[20]
Er trug als Mitglied des Entwurfsausschusses zur Formulierung des Gesetzes über die biologische Vielfalt 2002 bei[24] und das von ihm erstellte Handbuch für die Volksregister zur biologischen Vielfalt wurde von der Nationalen Behörde für biologische Vielfalt angenommen.[20] Auf lokaler Ebene war er an der Erstellung eines Biodiversitätsinventars beteiligt.[20]
Auszeichnungen (Auswahl)
- 1981: Padma Shri[25]
- 1986: Shanti-Swarup-Bhatnagar-Preis (Science and Technology)[26]
- 1990: Vikram Sarabhai Award
- 1991: Foreign Associate der US National Academy of Sciences[27]
- 1993: PEW Scholars Award in Conservation and the Environment
- 2001: Ehrenmitg der British Ecological Society[4]
- 2002: Harvard Centennial Medal[28]
- 2003: Volvo Environment Prize[29]
- 2006: Padma Bhushan[25]
- 2007: H. K. Firodia award[30]
- 2013: Ehrenmitglied der Ecological Society of America[31]
- 2014: Georgescu-Roegen Award
- 2015: Tyler Prize for Environmental Achievement[32]
- 2021: Benennung der in Kerala entdeckten Baumart Elaeocarpus gadgilii[33]
- 2024 Champions of the Earth[34]
- Zahlreiche Fellowships darunter der Indian National Science Academy (INSA),[10] der Indian Academy of Sciences (IAS),[7] der National Academy of Sciences, India (NASI),[35] der Third World Academy of Sciences (TWAS), der Association for Tropical Biology and Conservation (ATBC) und eine National Environment Fellowship des indischen Umwelt- und Forstministeriums.[31]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Madhav Gadgil, Ramachandra Guha: This Fissured Land. Oxford University Press India, 1992, ISBN 978-0-19-807744-2, S. 312 (englisch).
- Madhav Gadgil, Ramachandra Guha: Ecology and Equity: The Use and Abuse of Nature in Contemporary India. Routeledge, 1995, ISBN 978-0-415-12524-6, S. 223 (englisch).
- Madhav Gadgil, P. R. Seshagiri Rao: Nurturing Biodiversity: An Indian Agenda. Centre for Environment Education, 1998, ISBN 978-81-86385-13-5, S. 163 (englisch).
- Madhav Gadgil: Diversity : The cornerstone of life. Vigyan Prasar, 2005, ISBN 81-7480-026-3, S. 64 (englisch).
- Madhav Gadgil: Ecological Journeys. Orient Blackswan, 2005, ISBN 978-81-7824-112-8, S. 257 (englisch).
- Madhav Gadgil (2013), Science, democracy and ecology in India. Nehru Memorial Museum & Library ISBN 978-81-87614-76-0[36]
Literatur
- Michael L. Lewis: Inventing Global Ecology: Tracking the Biodiversity Ideal in India, 1947–1997. Ohio University Press, 2003, ISBN 978-0-8214-1540-5, Modern Ecology Comes to India (englisch, google.com).
- Report of the Western Ghats Ecology Expert Panel. Ministry of Environment and Forests, 2015, archiviert vom am 20. September 2015 (englisch).
- Madhav Gadgil: Ecology is for the People: A Methodology Manual for People's Biodiversity Register (Full Text). Centre for Ecological Sciences, 2006 (englisch).
- A. P. Deshpande: Vidnyanyatri – Dr. Madhav Gadgil. Rajhans Prakashan, 2011, ISBN 978-81-7434-551-6 (englisch, menakabooks.com ( des vom 29. Juni 2020 im Internet Archive)).
- Gadgil, M.: In love with life. In: Seminar. Nr. 409, September 1993, S. 25–30 (englisch).
Weblinks
- A dialougue on Development & Environment. In: Students in conversation with Dr. Madhav Gadgil and Dr. Amit Bhaduri - YouTube video. Goa University, 31. Januar 2014, archiviert vom am 25. März 2016 (englisch).
- Pune International Centre (Hrsg.): Madhav Gadgil, Ecological Dimension of Global Warming and Climate Change. 19. März 2025 (englisch, youtube.com).
- Plants, People & Poetry (Hrsg.): Dr. Ram Guha in conversation with Prof. Madhav Gadgil. 17. September 2023 (englisch, youtube.com).
- Profil bei Scopus
- Sidlingappa M Huded et al.: Professor Madhav Gadgil: A Bibliometric Portrait. In: Journal of Data Science Informetrics and Citation Studies. 2023 (englisch, researchgate.net).
Einzelnachweise
- ↑ Madhav Gadgil (1942-2026). In: thehindu.com. 8. Januar 2026, abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Madhav Gadgil: My Fundays. The telegraph, archiviert vom am 11. September 2012; abgerufen am 11. Januar 2012 (englisch).
- ↑ Centre for Ecological Sciences. Indian Institute of Science, 2015, abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ a b HONORARY MEMBERSHIP AWARD. Ecological Society of America, 2015, abgerufen am 7. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ FDI does not benefit any country. ReDiff Business, 27. Juli 2012, abgerufen am 7. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ Report of the Western Ghats Ecology Expert Panel. Ministry of Environment and Forests, 2015, archiviert vom am 20. September 2015; abgerufen am 7. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ a b IAS Fellow. Indian Academy of Sciences, 2015, abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ a b Gadgil, M.: In love with life. In: Seminar. Nr. 409, September 1993, S. 25–30 (englisch).
- ↑ Shri. Dhananjayrao Gadgil. Saharakar Bharati, 2015, archiviert vom am 4. März 2016; abgerufen am 10. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ a b c d e f INSA Fellow. Indian National Science Academy, 2015, archiviert vom am 12. August 2016; abgerufen am 7. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ a b Ramachandra Guha: How Much Should a Person Consume?: Environmentalism in India and the United States. University of California Press, 2006, ISBN 978-0-520-24803-8, S. 262 (englisch, google.com).
- ↑ Life History Strategies: A Theoretical Investigation. 1969 (englisch).
- ↑ a b c 2015 Tyler Laureates. University of Southern California, 2015, abgerufen am 7. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ a b c Sulochana Gadgil: My tryst with the monsoon. Indian Academy of Sciences, 2015, abgerufen am 11. März 2021 (englisch).
- ↑ Visiting Research Professor. University of Goa, 2015, abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ Madhav Gadgil to file Goa’s ecological history. VN, 2015, abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ Why India must protect the Western Ghats from getting lost. Hindustan Times, 2. Februar 2014, abgerufen am 7. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ User profile. Encyclopedia of Earth, 2015, abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ Gadgil committee recommendations on Western Ghats ideal, practical: Experts. Times of India, 29. August 2014, abgerufen am 7. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ a b c d e National Institute of Engineering profile. National Institute of Engineering, 2015, abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ A. P. Deshpande: Vidnyanyatri – Dr. Madhav Gadgil. Rajhans Prakashan, 2011, ISBN 978-81-7434-551-6 (englisch, menakabooks.com ( des vom 29. Juni 2020 im Internet Archive) [abgerufen am 8. Oktober 2015]).
- ↑ Central University of Orissa DSc. In: 2013. Odisha Samachar, abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ IAS Open Access Repository. Indian Academy of Sciences, 2015, abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ People’s Biodiversity Registers. Centre for Ecological Sciences, 2006, abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ a b Padma Awards. Ministry of Home Affairs, Government of India, 2015, archiviert vom am 15. Oktober 2015; abgerufen am 21. Juli 2015 (englisch).
- ↑ Shanti Swarup Bhatnagar Prize. Council of Scientific and Industrial Research, 2015, abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ Foreign Associate. U.S. National Academy of Sciences, 2015, abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ Harvard Centennial Medal. Harvard University, 2015, abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ Volvo Environment Prize. The Volvo Environment Prize Foundation, 2015, abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ H K Firodia awards. H K Firodia Foundation, 2015, archiviert vom am 4. März 2016; abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ a b Honorary Fellow ATBC. Association for Tropical Biology and Conservation, 2015, abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ Madhav Gadgil wins Tyler Prize For Environmental Achievement. 24. März 2015, abgerufen am 3. September 2025 (englisch).
- ↑ Manoharan, M.A., Prabhukumar, K.M., Arjun, S.K., Jose, S. and Veerankutty, S., 2021. Elaeocarpus gadgilii (Elaeocarpaceae), a new species from Western Ghats (India). Phytotaxa, 489(1), pp.87-93.
- ↑ PTI: Ecologist Madhav Gadgil gets U.N.'s highest environmental honour, says he 'stood up for what's right' In: The Hindu, 10. Dezember 2024. Abgerufen am 12. Dezember 2024 (indisches Englisch).
- ↑ NASI Fellow. National Academy of Sciences India, 2015, archiviert vom am 21. Oktober 2014; abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
- ↑ CPPR Quarterly Lecture Series- Prof. Madhav Gadgil (englisch).