Japanische Riesenkrabbe

Japanische Riesenkrabbe

Japanische Riesenkrabbe (Macrocheira kaempferi) im Meeresmuseum Stralsund

Systematik
Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
Unterordnung: Krabben (Brachyura)
Überfamilie: Majoidea
Familie: Macrocheiridae
Gattung: Macrocheira
Art: Japanische Riesenkrabbe
Wissenschaftlicher Name der Familie
Macrocheiridae
Dana, 1851
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Macrocheira
de Haan, 1839
Wissenschaftlicher Name der Art
Macrocheira kaempferi
(Temminck, 1836)

Die Japanische Riesenkrabbe (高脚蟹 takaashigani, dt. „langbeinige Krabbe“), Macrocheira kaempferi, ist die größte lebende Krebsart und zugleich der größte lebende Gliederfüßer.[1]

Merkmale

Der Carapax dieser Krabbenart ist von oben gesehen beinahe kreisförmig, also nicht dreieckig wie die meisten Vertreter der Überfamilie und nicht birnenförmig wie bei der ebenfalls großen Gattung Grypachaeus. Seine Oberfläche trägt zahlreiche aufrechte abgestumpfte Dornen, die besonders auf der seitlichen (branchialen) Region deutlich und hier merklich geschwollen sind. Wie bei allen Vertretern der Familie liegen die Augenstiele der Komplexaugen nicht in Augenhöhlen, die Kante oberhalb der Augenstiele mit je einem Dorn vor bzw. hinter dem Augenstiel. Das erste Antennenglied ist weniger als halb so lang wie der Augenstiel und immer frei beweglich. Das Rostrum vorn zwischen den Augen besteht aus zwei getrennten spitzen Dornen. Die scherentragenden ersten Laufbeine (Peraeopoden) sind länger als alle übrigen Beinpaare, ihr Merus (das vorletzte Glied vor der Schere) besonders stark verlängert. An der Schere (Chela) selbst ist der Grundabschnitt besonders verlängert, der eigentliche Scherenabschnitt mit dem beweglichen Scherenfinger (Dactylus) hingegen eher kurz, nur etwa ein Viertel der Länge des Grundglieds (Propodus). Auch die vier eigentlichen Laufbeinpaare sind sehr lang und schlank, ihr Klauenglied (Dactylus) einfach ohne Scherenbildung, nicht zurückklappbar und schwach gebogen.[2][3]

Die Japanische Riesenkrabbe hat eine Masse von bis 13,6 Kilogramm (gemessen an einem Individuum im Scheveningen Sea Life Centre), nach zweifelhaften Angaben möglicherweise sogar bis 19 Kilogramm.[4] Ihr Körper hat einen Durchmesser von rund 37 Zentimetern, von der Spitze eines Beins zum anderen misst sie in ausgestreckter Lage bis zu 3,7 Meter.

Verbreitung

Japanische Riesenkrabben finden sich ausschließlich im Pazifik, vor allem um Japan. Dort leben sie in Meerestiefen zwischen 300 und 400 Metern bei Temperaturen zwischen 11 °C und 14 °C.[5] Während der Laichzeit wandern die Riesenkrabben in seichtere Gewässer.[6] Weitere Fundangaben liegen für Taiwan vor[7], wo sie aber nicht dieselbe Größe erreichen.

Vermehrung und Entwicklung

Die männlichen Tiere sind größer als die weiblichen und haben größere Zangen. Das Sperma tragen die Männchen in Spermatophoren mit sich; während der Paarung wird es durch die Gonopoden übertragen. Die befruchteten Eier trägt das Weibchen am Körper mit sich, wo sie durch einen Kleber aus den Setae gehalten werden.

Die frisch geschlüpften Zoea sind kleine, transparente, runde und beinlose Organismen, die an der Meeresoberfläche schwimmen. Nach mehreren Häutungen beginnen sich die Extremitäten zu bilden und der Körper formt sich aus. Dies setzt sich während der folgenden Häutungen fort, bis die Tiere ausgewachsen sind.

Lebensweise

Japanische Riesenkrabben schreiten auf ihren langen Beinen auf der Suche nach Futter sehr langsam über den Meeresgrund.

Nahrung

Sie sind Allesfresser, fressen Aas, Pflanzen (die sie auf dem Meeresboden finden) oder andere Tiere wie Weichtiere, deren Schalen sie öffnen, um an das Fleisch zu gelangen. Um sich vor Fressfeinden (z. B. Tintenfische) zu tarnen, befestigen Jungtiere der Art Schwämme und ähnliche Meerestiere auf ihren Körper. Dazu sind spezielle hakenförmige Dornen ausgebildet.

Erstbeschreibung

Die Japanische Riesenkrabbe wurde von dem deutschen Arzt und Forschungsreisenden Engelbert Kaempfer Ende des 17. Jahrhunderts erstmals für die Wissenschaft erwähnt, die Erstbeschreibung erfolgte 1836 durch Coenraad Jacob Temminck unter dem wissenschaftlichen Namen Maja kaempferi. Erst später wurde sie der Gattung Macrocheira zugeordnet. Der Artname ehrt den Entdecker Kaempfer. Je ein männliches und ein weibliches Tier dieser Art sind präpariert im Hexenbürgermeisterhaus in Kaempfers Heimatstadt Lemgo zu sehen.

Die Gattung Macrocheira wurde 1839 durch Wilhem de Haan für die Art neu eingeführt. Die Zugehörigkeit zur Überfamilie Majoidea wurde auch nach der Ausgliederung aus der Typusgattung Maja nie angezweifelt. James Dwight Dana stellte 1851 für die Art eine neue Unterfamilie Macrocheirinae, als einer von 12 Unterfamilien innerhalb der Familie Majidae, auf. Zwei Jahre später änderte er seine Meinung und ordnete die Art der Familie Inachidae zu (die er vom vorherigen Status einer Unterfamilie neu zur Familie erhoben hatte). Diese Einordnung galt bis in die 2020er Jahre als Konsens. 2022 stellten dann Danièle Guinot und Kollegen aufgrund einer morphologischen Untersuchung der adulten Krabben für die Art eine eigene Familie Macrocheiridae auf.[8] Der Name wird formal Dana zugeschrieben, da er als erster ein Taxon im Familienrang aufgestellt hatte (wenn auch bei ihm als Unterfamilie).

Fossilien

Fossilien, die der Gattung Macrocheira zugeordnet wurden, wurden in Nordamerika und in Japan gefunden. Als Arten beschrieben wurden Macrocheira longirostra (Quimper Sandstone Formation, Washington, Eozän), Macrocheira teglandi (Makah Formation, Washington, Oligozän), Macrocheira jayi (Hesquiat Formation, Vancouver Island, Eozän oder Oligozän), Macrocheira sullivani (Keasey Formation), Oregon, Eozän oder Oligozän), Macrocheira columbiaensis (Astoria Formation, Washington, Miozän), Macrocheira enoptra (Lookingglass Formation, Oregon, Eozän). Miozäne Funde aus Japan wurden der rezenten Macrocheira kaempferi zugeordnet.[8][9] Einige der Namen sind taxonomisch umstritten und müssen eventuell noch validiert oder verändert werden.

Commons: Japanische Riesenkrabbe (Macrocheira kaempferi) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Smithsonian Scientific Series, Seite 173. 10. Auflage (1931). Smithsonian Institution, 1929. Abgerufen am 12. Februar 2012. „Der Gigant unter den Krebstieren ist selbstverständlich […] Macrocheira kaempferi“ [„The giant among Crustacea is, of course, Macrocheira kaempferi“]
  2. Macrocheira kaempferi. K. Sakai: Crabs of Japan. Marine Species Identification Portal.
  3. D.J.G. Griffin, H.Tranter: The Decapoda Brachyura of the Siboga Expedition. Part VIII: Majidae. E.J.Brill, Leiden 1986. ISBN 90 04 07146 6.
  4. Craig R. McClain, Meghan A. Balk, Mark C. Benfield, Trevor A. Branch, Catherine Chen, James Cosgrove, Alistair D.M. Dove, Lindsay C. Gaskins, Rebecca R. Helm, Frederick G. Hochberg, Frank B. Lee, Andrea Marshall, Steven E. McMurray, Caroline Schanche, Shane N. Stone, Andrew D. Thaler (2015): Sizing ocean giants: patterns of intraspecific size variation in marine megafauna. PeerJ 3:e715 doi:10.7717/peerj.715 (open access)
  5. Giant spider crab. In: The Two Oceans Aquarium. Abgerufen am 24. Januar 2012.
  6. Life on the deep sea floor. In: Natural History Museum. Abgerufen am 10. Februar 2012.
  7. J.F. Huang, H.P. Yu, M. Takeda (1990) Occurrence of the Giant Spider Crab, Macrocheira kaempferi (Temminck, 1836) (Crustacea: Decapoda: Majidae) in Taiwan. Bulletin of the Institute of Zoology, Academia Sinica 29: 207–212.
  8. a b Danièle Guinot, Peter J.F. Davie, Ling Ming Tsang, Peter K.L. Ng (2022): Formal re-establishment of Macrocheiridae Dana, 1851 (Decapoda: Brachyura: Majoidea) for the giant spider crab Macrocheira kaempferi (Temminck, 1836) based on a reappraisal of morphological and genetic characters. Journal of Crustacean Biology 42(2): 1–24. doi:10.1093/jcbiol/ruac022
  9. Carrie E. Schweitzer (2025): New majoid crab (Brachyura: Majoidea: Macrocheiridae) from the Eocene Lookingglass Formation, Oregon, USA. Bulletin of the Mizunami Fossil Museum 52 (1): 133–139. doi:10.50897/bmfm.52.1_133