Maartenskerk (Sint Maartensdijk)
Die Maartenskerk (deutsch Martinskirche) ist das Kirchengebäude einer Kirchengemeinde der Wiederhergestellten Reformierten Kirche in Sint Maartensdijk, einem Ortsteil der Gemeinde Tholen in der niederländischen Provinz Zeeland. Der Turm[1] sowie das Langhaus der Kirche[2] sind seit 1974 als Rijksmonumente eingestuft.
Geschichte
Die vor Einführung der Reformation dem Patrozinium des heiligen Martin von Tours gewidmete Kirche ist eine spätgotische Pseudobasilika mit einem fünfseitig geschlossenen Chorraum und einem halb eingebauten Turm mit rechtwinkligen Strebepfeilern, der von einem schmalen Spitzhelm mit einer kleinen, achteckigen Laterne gekrönt wird. Teile des unteren Turmbaus gehen möglicherweise noch auf eine urkundlich im Jahr 1376 genannte Vorgängerkirche zurück. Der heutige gotische Chor wurde als ältester Teil der Kirche um 1400 erbaut. 1428 gründete Frank van Borssele an der Kirche ein Kollegiatstift. Die Grabkapelle an der Nordseite des Chors, die aus dem Jahr 1420 stammt, wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erweitert und als Nebenchor erhöht. Während dieser Bauphase wurden das Langhaus und die Seitenschiffe errichtet, außerdem erhielt der Turm die rechtwinkligen Strebepfeiler, einen Treppenturm und die Westfassade wurde mit Sandstein verkleidet. Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Sakristei als Erweiterung des südlichen Seitenschiffs errichtet und um 1520 wurde dem nördlichen Seitenschiff ein Portal hinzugefügt. Der ursprüngliche Turmhelm wurde nach einem Brand im Jahr 1588 durch die von Jan Jansz Wale entworfene Laterne ersetzt. Turm und Kirche wurden zwischen 1952 und 1965 restauriert, der Turmhelm zwischen 1983 und 1992. Im Turm befinden sich zwei Glocken aus dem Jahr 1477, die vermutlich von Hendrick Waghevens gegossen wurden, sowie ein Glockenspiel, dessen zwölf Glocken von Pieter van den Ghein III. 1615–1617 gefertigt wurden. Das Glockenspiel in der Laterne wurde 1980 von der Firma Petit & Fritsen gegossen.
Ausstattung
Der Innenraum ist mit hölzernen Tonnengewölben überspannt, im Chorraum befinden sich figürliche Schlusssteine, hauptsächlich um 1400 entstanden, einige im Jahr 1955 ergänzt. Im Kirchenschiff ruhen die Gewölbe auf Natursteinsäulen mit Kohlblattkapitellen. Eine der Säulen ist verputzt und mit burgundischen Emblemen bemalt. Zur Ausstattung gehören eine Kanzel aus dem frühen 17. Jahrhundert, mehrere Baldachinbänke aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, eine Tafel mit den Zehn Geboten (1612), zwei von Cornelis Pancraessen bemalte Texttafeln (1610) und eine von P. Flaes im Jahr 1882 erbaute Orgel. Im nördlichen Nebenchor befinden sich ein beschädigtes Grabmal für Florens van Borssele († 1422) und Oda van Bautersem († 1420) sowie ein Grabmal für Cornelis Liens († 1636), Verwalter des Hauses Oranien, Vogt von Sint Maartensdijk und Vogt von Scherpenisse. Der Kirchenboden ist mit zahlreichen alten Grabsteinen aus der Zeit von 1484 bis 1780 bedeckt.
Literatur
- Ronald Stenvert u. a.: Monumenten in Nederland. Utrecht. 2003, S. 226 f.
Weblinks
Einzelnachweise
Koordinaten: 51° 32′ 57″ N, 4° 4′ 38″ O