Maḥmūd Qoul Aghasi
Maḥmūd Qoul Aghasi (arabisch محمود قول آغاسي, DMG: Maḥmūd Qūl Āġāsī; bekannt unter dem Namen Abu al-Qaqāʿ / أبو القعقاع, DMG: Abū l-Qaʿqāʿ; * 1973 in Aleppo, Syrien; † 28. September 2007 ebenda) war ein syrischer Prediger und eine umstrittene Figur innerhalb der islamistischen Szene. In den 2000er-Jahren gewann er vor allem unter jungen Männern in Aleppo erheblichen Einfluss.[1]
Leben
Aghasi wurde 1973 in Aleppo (arabisch حلب) geboren und stammte aus einer Familie turkmenischer Herkunft. Seine religiöse Ausbildung begann an der Sekundarschule für islamische Studien (aṭ-Thānawiyya asch-Scharʿiyya) in Aleppo. Anschließend studierte er an der Fakultät für Scharia in Damaskus. Ihm wurde darüber hinaus zugeschrieben, an der islamischen Universität Karachi – Zweigstelle Syrien – einen Master- und einen Doktorgrad in islamischen Studien erworben zu haben. Seine Ausbildung prägte sein späteres Wirken als Prediger und trug zu seiner wachsenden Bedeutung in Aleppo bei.[2]
Religiöse Tätigkeit
Seit den 1990er-Jahren trat Aghasi als Imam und Prediger in Aleppo hervor. Seine Ansprachen waren stark rhetorisch geprägt, emotional und auf Wirkung im öffentlichen Raum ausgerichtet. Sie fanden insbesondere unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen Anklang. Inhaltlich verband er klassische Themen der Frömmigkeit mit politischen Bezügen, etwa zu Konflikten in der Region und zum bewaffneten Widerstand nach der Invasion des Irak im Jahr 2003.
Ghurabāʾ asch-Schām
Aghasi gründete in Aleppo eine Gruppierung mit dem Namen Ghurabāʾ asch-Schām (arabisch غرباء الشام, DMG: Ġurabāʾ aš-Šām, wörtlich: „die Fremden der Levante“). Die Gruppe wurde zunächst als religiöse und missionarische Gemeinschaft dargestellt. Später wurde sie mit dschihadistischen Netzwerken in Verbindung gebracht. Ihr wurde zugeschrieben, junge Männer ideologisch zu beeinflussen, zu mobilisieren und propagandistisches Material – insbesondere Tonaufnahmen von Predigten – zu verbreiten.[3]
Kontroversen
Die Rolle Aghasis war von Beginn an Gegenstand kontroverser Bewertungen. Kritiker warfen ihm vor, eine Schnittstelle zwischen staatlichen Sicherheitsapparaten und dschihadistischen Milieus zu bilden und radikale Kreise zu bündeln oder zu kanalisieren. Anhänger beschrieben ihn demgegenüber als aufrichtigen Prediger, der in erster Linie auf Verteidigung und Widerstand gegen als illegitim empfundene Besatzungen abzielte. Eine eindeutige und allgemein akzeptierte Einschätzung seiner tatsächlichen Funktion innerhalb der syrischen Macht- und Sicherheitsstrukturen liegt nicht vor.[4]
Ermordung
Am 28. September 2007 wurde Aghasi nach dem Freitagsgebet vor einer Moschee in Aleppo angeschossen und schwer verletzt. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht und starb wenig später an den Folgen der Schussverletzungen. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen, doch die Hintergründe der Tat blieben ungeklärt. In der öffentlichen Debatte wurden sowohl innerdschihadistische Konflikte als auch politische oder sicherheitsdienstliche Motive als mögliche Ursachen diskutiert.[5]
Einzelnachweise
- ↑ Niyūf, Ḥayyān. “al-ʿArabiyya.net tanšur tafāṣīl ightiyāl al-dāʿiya al-sūrī ‘Abū al-Qaʿqāʿ’.” al-ʿArabiyya.net, 30 Sept. 2007. (arabisch)
- ↑ The Syrian Observer: Who’s Who: Abu al-Qaqaa. 4 Oct 2013. (englisch).
- ↑ Enab Baladi: „Abu al-Qaʿqāʿ as-Sūrī: Adāt al-Asad li-Istikhdām ad-dschihādiyyīn.“ 28 Sept. 2018. (arabisch)
- ↑ Ḥamū, Muṣṭafā: „Abu al-Qaʿqāʿ as-Sūrī: Adāt al-Asad li-Istikhdām ad-dschihādiyyīn.“ BBC Arabic, 4 Oct. 2007. (arabisch)
- ↑ Enab Baladi: „Abu al-Qaʿqāʿ as-Sūrī: Adāt al-Asad li-Istikhdām ad-dschihādiyyīn.“ 28 Sept. 2018. (arabisch)