Münzstätte Cornavin
In der Münzstätte Cornavin in Cornavin, einem Quartier der heutigen Schweizer Stadt Genf, setzte die Münzprägung wohl in der Mitte des 15. Jahrhunderts ein, vermutlich 1448[1.1] unter den Herzögen von Savoyen und dauerte, abgesehen von zwei längeren Unterbrüchen, bis 1533.[2]
Münzherrschaften
Herzöge von Savoyen
Der römisch-deutsche Kaiser Sigismund (1368–1437) erhob Savoyen im Jahre 1416 zum Herzogtum, womit es als Lehen in das Heilige Römische Reich eingegliedert wurde.[3] Daraufhin beanspruchten die Herzöge von Savoyen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts einen Grossteil der umliegenden Gebiete Genfs, um diese zu ihrem Zweck nutzbar zu machen.[3] Infolgedessen setzte auf diesen neugewonnenen Gebieten, wahrscheinlich ab 1448 oder 1450, unter dem savoyischen Herzog Ludwig (1413–1465) die Prägung von Groschen (Parpagliola), Grossi, Denare (Bianchi), Testoni, Obole(n), Scudi und Dukaten ein.[3][1.2] Auf diese erste Prägetätigkeit, die nur bis 1451 andauerte, folgte eine längere Pause, in der die Münzstätte stillstand.[4] Unter Herzog Amadeus IX. (1435–1472) wurde die Arbeit ab 1464 wieder aufgenommen und die Münzstätte blieb auch unter den ihm nachfolgenden savoyischen Herzögen relativ durchgehend bis in die Jahre 1505/06 in Betrieb.[4][1.1] Danach stand die Münzstätte für knapp zwei Jahrzehnte still, bis sie in den Jahren von 1525 bis 1533 für ein letztes Mal ihre Tore öffnete.[4] Einige der in Cornavin geprägten Münzen zeigen auf der Vorderseite das Profil des Herzogs sowie auf der Rückseite das Wappen des Herzogtums Savoyen, welches aus einem weissen Balkenkreuz auf weissem Grund und teilweise einem Liebesknoten samt Wahlspruch der Savoyer besteht.[5]
Standorte der Münzstätte
Münzstätte an der Münzgasse
Die Münzstätte Cornavins kann aufgrund fehlender Quellen nicht eindeutig lokalisiert werden. Sie muss sich allerdings im Quartier Cornavin der heutigen Stadt Genf bzw. knapp ausserhalb des damaligen Stadtgebietes befunden haben.[1.3]
Personal der Münzstätten
Im Folgenden werden alle Personen, die an der Herstellung und Verarbeitung der in Cornavin geprägten Münzen beteiligt waren, ihrer Position nach aufgeführt. Mehrfachnennungen sind möglich; sie sind dem Umstand geschuldet, dass ein und dieselbe Person mehrere Funktionen übernehmen konnte. Unter der Rubrik «Münzmeister» werden alle Personen zusammengefasst, die administrativ und/oder technisch an der Münzprägung bzw. Münzproduktion beteiligt waren.
Münzmeister
- Guido Besson (1450–1451)
- Giacomo Philippe (1464–1468 o. 1482)
- Michele di Bardonecchia (1468 o. 1469–1481)
- Pietro di Bardonecchia (1483–1484)
- Bartolomeo Camus (1484–1485)
- Nicola Gatti (1485–1490 ev. bis 1500)
- Francois Savoie (1497–1504)
- Thomas Blondel (1500–1505)
- Rodolphe d’Aigente (1500–1506 o. 1505)
- Guillaume Roget (1504)
- Claude Savoie (1525–1526)
- Henri Goulaz (1528–1533)
Literatur
- Monika Bilfinger, Hanspeter Koch: Die Eidgenössische Münzstätte in Bern, Bern 2006 (Schweizerische Kunstführer GSK 799). ISBN 978-3-85782-799-0.
Weblinks
- Savoyer Münzen. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2025. Suche in Webarchiven) In: CoinGallery
- Cornavin – Auktion. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2025. Suche in Webarchiven) auf: Auction.fr
Einzelnachweise
- ↑ Vgl. Matteo Campagnolo: Cornavin (Genevra; Svizzera), in: Lucia Travaini (Hg.): Le zecche italiane fino all’unità, Rom 2011.
- ↑ Diese Informationen lassen sich anhand der überlieferten Münzmeister ableiten.
- ↑ a b c Vgl. Alain Becchia, Sandra Coram-Mekkey, Dominique Zumkeller: Savoyen. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), 15. Januar 2015.
- ↑ a b c Siehe Münzmeisterliste.
- ↑ Vgl. Bernard Andenmatten: von Savoyen. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), 4. April 2013.