Mündungsbremse
Ein Teil der Gase wird seitlich abgelenkt. Dadurch wird die in Schussrichtung ungenutzte Gas-Nachwirkung und damit der Rückstoß verringert.
Die Mündungsbremse ist eine Vorrichtung am Lauf (Mündung von Feuerwaffen), die die Energie der Verbrennungsgase nutzt, um den Rückstoß der Waffe zu vermindern. Mündungsbremsen kommen vorwiegend an Maschinenkanonen und Geschützen, seltener an Handfeuerwaffen zum Einsatz. Bei Geschützen können Mündungsbremsen den Rohrrücklaufweg verkürzen.
Von der Mündungsbremse müssen der Kompensator, der Mündungsfeuerdämpfer sowie der Rückstoßverstärker unterschieden werden.[1] Kompensatoren reduzieren durch das Nach-oben-Leiten der Mündungsgase den Hochschlag von Handfeuerwaffen. Mündungsfeuerdämpfer reduzieren das sichtbare Mündungsfeuer und damit die Blendwirkung für den Schützen sowie seine Sichtbarkeit bei der Schussabgabe. Ein Rückstoßverstärker erhöht die Rückstoßenergie von Rückstoßladern mit kurz zurückgleitendem Lauf, um deren Wiederladefunktion zu gewährleisten und/oder deren Schussfrequenz zu erhöhen.
Da nach unten gelenkte Gase, insbesondere bei flachem Schusswinkel, Staub aufwirbeln würden, haben Mündungsbremsen auf der Unterseite grundsätzlich keine Gasaustrittsöffnungen.
Kanonen, welche APFSDS-Geschosse verschießen, haben in der Regel keine Mündungsbremse, da dies die Präzision stark beeinträchtigen würde. Daher hat quasi keine Kanone eines modernen Kampfpanzers eine Mündungsbremse.
Die Masse der Mündungsbremse reduziert den Rückstoß zusätzlich.
Funktion
Grundsätzlich unterscheidet man drei Arten von Mündungsbremsen: aktive, reaktive und aktiv-reaktive.
Die aktive Mündungsbremse besteht aus einer oder mehreren vor der Rohrmündung montierten Prallflächen mit Öffnungen zu den Seiten, die fest mit dem Rohr verbunden sind. Diese Prallflächen haben eine Öffnung für den Durchtritt des Geschosses, deren Durchmesser etwa das 1,1-fache des Geschosskalibers beträgt. Unmittelbar nachdem das Geschoss das Rohr verlassen hat, treten die unter hohem Druck stehenden Verbrennungsgase des Treibsatzes aus dem Rohr aus, treffen dabei auf die Prallflächen der Mündungsbremse und bewirken eine nach vorne gerichtete Kraft. Da außerdem ein Großteil des Gasdrucks zu den Seiten entweicht anstatt nach vorne, wird der Raketeneffekt und damit der Rückschlag erheblich reduziert. Dabei erhöht sich jedoch die Schalldruckbelastung für den Schützen selbst sowie in höherem Maße für Personen links und rechts der Mündungsbremse.[2] Um den Wirkungsgrad der aktiven Mündungsbremse zu erhöhen und um den Verlust aus der Durchtrittsöffnung der ersten Prallfläche zu reduzieren, wird bei Geschützen häufig noch eine zweite Prallfläche verwendet.
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Mündungsfeuer einer Glattrohrkanone (ohne Mündungsbremse)
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Nachdem das Geschoss den Lauf verlassen hat, wirken Treibladungsgase auf die Prallflächen der Mündungsbremse, was eine nach vorne gerichtete Kraft erzeugt und damit den Rückstoß reduziert.
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DSchKM mit aktiver Mündungsbremse
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PzH 2000 mit reaktiver Mündungsbremse. Im Panzer ist das Bedienpersonal vor der hohen Schalldruckbelastung geschützt.
In der reaktiven Mündungsbremse sind mehrere radiale Bohrungen, welche die Treibladungsgase zur Seite oder leicht nach hinten ablenken und den Rückstoß durch die daraus resultierende Gegenkraft reduzieren. Der Wirkungsgrad einer reaktiven Mündungsbremse, aber auch die Schalldruckbelastung auf die Bediener hinter der Waffe, steigt mit dem Winkel, um den die Gase abgelenkt werden.[2] Um nicht nur eine Reduktion des Rückschlages zu erreichen, sondern außerdem noch dem Problem des Hochschlagens entgegenzuwirken, haben einige Mündungsbremsen für Handfeuerwaffen zusätzlich Öffnungen an der Oberseite und damit mehr oder weniger stark ausgeprägte Kompensator-Eigenschaften.
Die aktiv-reaktive Mündungsbremse kombiniert beide Prinzipien, indem sie erst den Gasdruck auf die Prallflächen ausnutzt und die Gase anschließend nach hinten umleitet.
Galerie
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Mündungsbremse einer 7,5-cm-PaK 40
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Loch-Mündungsbremse einer finnischen 10,5 cm Haubitze
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Mündungsbremse einer GSch-6-30
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Das französische Scharfschützengewehr PGM Hécate II mit auffälliger Mündungsbremse
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Die Mündungsbremse des Barrett M82 absorbiert ca. 70 % des Rückstoßes.[3]
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Mündungsbremse an einer Pindad SS Blackout
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PPS-43 mit Kombination aus Mündungsbremse und Kompensator
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Blaser R93 mit im Lauf integrierter Mündungsbremse (Magna-Port, der vor allem der Hochschlagreduktion dient)
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Smith & Wesson Model 500 mit Mündungsbremse und Kompensator
Literatur
- Raimund Germershausen, E. Schaub et al.: Waffentechnisches Taschenbuch. Hrsg.: Rheinmetall. 3. Auflage. Düsseldorf, 1977, S. 413 ff., PDF
- Thomas Enke: Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik. Walhalla Fachverlag, 4., aktualisierte Auflage, Regensburg, 2023, ISBN 978-3-8029-6198-4, S. 166 ff.
- Stanisław Torecki: 1000 Begriffe zu Waffen und Ballistik. 3. überarbeitete Auflage. Verlag des polnischen Verteidigungsministeriums, Warschau 1982, ISBN 83-11-06699-X (289 S., polnisch: 1000 słów o broni i balistyce. Erstausgabe: 1973).
- Dr. Franz Felberbauer, Truppendienst Taschenbuch, Reihe – Wehrtechnik, Waffentechnik l: Rohrwaffen, Lenkwaffen und Flugkörper, Ballistik, Zielen und Richten, 1. Auflage, Verlag HEROLD, Wien, S. 153 ff., 204 f.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Thomas Enke: Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik. Walhalla Fachverlag, Regensburg 2020, ISBN 978-3-8029-5227-2, S. 154 f.
- ↑ a b Thomas Enke: Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik. Walhalla Fachverlag, Regensburg 2020, ISBN 978-3-8029-5227-2, S. 156 ff.
- ↑ Chris McNab: Handwaffen – Ein historischer Überblick. Neuer Kaiser, 2017, ISBN 978-3-8468-2202-9, S. 193.