Mülheimer Freiheit (Köln)
Die Mülheimer Freiheit ist eine Straße im Kölner Stadtteil Mülheim, deren Erscheinungsbild bis zur Zerstörung Mülheims im Zweiten Weltkrieg geprägt war von zahlreichen spätbarocken Häusern reicher Kaufmannsfamilien.
Namensherkunft
Der Name der Straße geht zurück auf die weitreichenden Freiheitsrechte, die Mülheim 1322 erlangte und mit denen Graf Adolf VI. die Siedlung Mülheim zur Stadt erhob. Diese Freiheitsrechte umfassten das Bürgerrecht mit der Befreiung von allen Abgaben und Diensten sowie das Recht auf eine eigene Gerichts- und Münzstätte.[1]
Beschreibung
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts siedelten sich in der Straße protestantische Kölner Kaufhausfamilien an, unter ihnen die wohlhabende Unternehmerfamilie Andreae, die damals eine führende Position in der Textilproduktion (Samt, Seide und Leinen) innehatte.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele der einstigen barocken Bürgerhäuser zerstört. Im Wesentlichen erhalten blieben einige Häuser im Umfeld der Schifferkirche St. Clemens sowie rings um den Mülhelmia-Brunnen. Sie stammen aus dem 18. und beginnenden 19. Jahrhundert und wurden je nach Grad ihrer Beschädigungen äußerlich rekonstruiert. Hierzu zählen insbesondere die spätbarocken Kaufmannshäuser am Nordende der Mülheimer Freiheit. Alte Lagerkeller findet man unterhalb der sogenannten Krahnenburg an der Krahnenstraße, wo ehemals ein Rheinkran installiert war.
Im weiteren Verlauf des Hochufers entstanden ab etwa 1870 Villen Mülheimer Unternehmer, von denen einige wenige die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs weitgehend überstanden.
Das Denkmalverzeichnis der Stadt Köln von 2012 listet eine Reihe eingetragener Baudenkmale auf, die zum Kulturlandschaftsbereich Deutz/Mülheim gehören.[2][3]
Sehenswürdigkeiten
Erläuterungen
- Noch bis Ende der 1990er Jahre war das Haus Nr. 54 eine Kriegsruine. Vor dem Zweiten Weltkrieg beherbergte es eine Kaffeerösterei.[4]
- An der Einmündung der Kirchstraße standen vor dem Krieg zwei Barockhäuser aus dem 18. Jahrhundert (Nr. 31 und Nr. 33), die ebenfalls im Krieg zerstört wurden. Den Wiederaufbau im ursprünglichen Stil verhandelte die frühere Kölner Stadtkonservatorin von 1948 bis 1969, Hanna Adenauer.[5]
- Das Haus Nr. 59 beherbergte die Gaststätte „Zum Rheinberg“ mit Tanzsaal und Gartenterrassen, die als Ausflugsziel galt. 1943 wurde die Gaststätte geschlossen und zu einem Zwangsarbeiterlager umgebaut. Rund 300 Menschen aus Polen und der ehemaligen Sowjetunion wurden hier verpflichtet, in der Maschinenfabrik der Mülheimer KHD Werke für die Kriegsproduktion zu arbeiten.[6]
- Die Mülheimer Freiheit 78 war bis zur Pogromnacht im November 1938 Synagoge und Gemeindehaus der jüdischen Gemeinde, woran heute über dem Eingang eine Gedenktafel erinnert, die ein ökumenischer Arbeitskreis 1979 gestiftet hatte.[7]
- Gegenüber (Mülheimer Freiheit 69) blieben vier Häuser aus dem 19. Jahrhundert erhalten, von denen das größte und älteste um 1860 als Landratsamt für den Landkreis Mülheim (1815 entstanden, 1932 vom Rheinisch-Bergischen Kreis abgelöst) erbaut wurde. Während der NS-Zeit nutzte die NS-Volkswohlfahrt (NSV) das Gebäude.[8]
- Das Haus Mülheimer Freiheit 102 stammt von 1762 und besitzt eine barocke Fassade, die den Zweiten Weltkrieg überstand. Es diente über die Jahre als Bauernhof, Gasthof, Brennerei und Wohnhaus.[9]
- An der Einmündung der Krahnenstraße befindet sich die Mülheimia, der erste von ursprünglich sieben Stadtbrunnen. An derselben Stelle stand damals eine Pumpe mit dem Namen Pütz, die der Trinkwasserförderung diente und 1884 abgebaut wurde, weil die „Rheinische Wasserwerksgesellschaft“ Mülheim mit Trinkwasser versorgte. Der Brunnen ist gekrönt von einer mit der Mülheimer Flagge bekleideten Hauptfigur, welche die damalige Kreisstadt Mülheim verkörpert. Darunter symbolisieren drei mittelalterlich gekleidete Knaben die damaligen Mülheimer Wirtschaftszweige Handel, Industrie und Landwirtschaft.[10]
- In der Mülheimer Freiheit Nr. 113 und Nr. 115 befand sich von 1952 bis 2015 die Mülheimer Orgelwerkstatt Willi Peter, in der bedeutende Kirchenorgeln gebaut wurden, zuletzt die Orgel von St. Peter in Köln.
- Das 1770 erbaute Haus Nr. 117 war unter dem Namen „Haus zum Morian“ zeitweilig der erste Mülheimer Gasthof. Es überstand zwar den Zweiten Weltkrieg, wurde jedoch in den 1970er Jahren baufällig und durch eine Rekonstruktion ersetzt.
- 1775 errichtete der damalige Stadtbaumeister Johann Georg Leydel für den Seidenfabrikanten Theodor Schütte das palaisartige Haus Nr. 119, ein siebenachsiges Barockgebäude im Torhausstil. Rechts daneben wurde um 1820 das klassizistische Haus Nr. 121 von Johann Peter Cremer für den Fabrikanten und späteren Landtagsabgeordneten Theodor Steinkauler gebaut. Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. residierte in diesem Gebäude, als er Köln anlässlich der Grundsteinlegung zur Fortsetzung des Dombaus besuchte.[11]
Heutiges Erscheinungsbild (2025)
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Haus Nr. 31
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Haus Nr. 33
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Haus Nr. 54
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Haus Nr. 59
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Haus Nr. 69
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Haus Nr. 78
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Haus Nr. 102
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Mülheimia-Brunnen
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Haus Nr. 113
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Haus Nr. 115
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Haus Nr. 117
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Haus Nr. 119
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Haus Nr. 121
Literatur
- Walter Buschmann, Matthias Hennies, Alexander Kierdorf (2018): Via Industrialis. Entdeckungsreise Kölner Industriekultur. S. 88, Essen.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Mülheim – ein Rundgang mit Tiefgang (hier: Mülheimer Freiheit) Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln (PDF-Broschüre), Seite 10
- ↑ Mülheimer Freiheit mit Barockbauten aus Seidenweberzeit In: KulaDig, Kultur.Landschaft.Digital, abgerufen am 24. September 2025
- ↑ Mülheimer Freiheit Rheinische Industriekultur e. V., abgerufen am 24. September 2025
- ↑ Mülheim – ein Rundgang mit Tiefgang (hier: Mülheimer Freiheit 54) Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln (PDF-Broschüre), Seite 10
- ↑ Mülheim – ein Rundgang mit Tiefgang (hier: Mülheimer Freiheit 31 und 33) Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln (PDF-Broschüre), Seite 10
- ↑ Mülheim – ein Rundgang mit Tiefgang (hier: Mülheimer Freiheit 59) Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln (PDF-Broschüre), Seite 13
- ↑ Mülheim – ein Rundgang mit Tiefgang (hier: Mülheimer Freiheit 78) Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln (PDF-Broschüre), Seite 13
- ↑ Mülheim – ein Rundgang mit Tiefgang (hier: Mülheimer Freiheit 69) Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln (PDF-Broschüre), Seite 14
- ↑ Mülheim – ein Rundgang mit Tiefgang (hier: Mülheimer Freiheit 102) Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln (PDF-Broschüre), Seite 14
- ↑ Mülheim – ein Rundgang mit Tiefgang (hier: Mülheimiabrunnen) Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln (PDF-Broschüre), Seite 15
- ↑ Mülheim – ein Rundgang mit Tiefgang (hier: Mülheimer Freiheit 113-121) Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln (PDF-Broschüre), Seiten 16 bis 17
Koordinaten: 50° 57′ 56,7″ N, 7° 0′ 1,8″ O