Lyndsey Walsh
Lyndsey Walsh (* 1994 in den Vereinigten Staaten) ist eine US-amerikanische nichtbinäre Person. Walsh arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Technologie und lebt und arbeitet in Berlin.[1]
Leben
Ausbildung, Fellowships und Residencies sind bei Walsh eng mit institutionellen Kontexten künstlerischer Forschung verbunden:
Walsh studierte an der Gallatin School of Individualized Studies der New York University und schloss das Studium 2016 mit einem Bachelorabschluss ab.[2] Im Rahmen der Abschlussarbeit (Senior Thesis) absolvierte Walsh eine Residency am Mount Sinai Medical School in New York, die mit Forschungsarbeit zur Anatomie und Morphologie von Cetaceen verbunden war.[3] 2018 folgte ein Masterabschluss (MSc) in „Biological Arts“ am SymbioticA Centre of Excellence in Biological Arts der University of Western Australia.
Seit 2019 ist Walsh als „Artistic Fellow“ am Institut für Biologie der Humboldt-Universität zu Berlin (Department of Experimental Biophysics) tätig und arbeitet dort u. a. im Umfeld des Exzellenzclusters UniSysCat.[3] Walsh’ Arbeiten wurden auch im Kontext von Institutionen und Veranstaltungen wie dem Humboldt Forum, der Berlin Biennale sowie transmediale/CTM und der re:publica gezeigt.[4] Von Januar bis März 2025 nahm Walsh am Research Residency Program von Tokyo Arts and Space (TOKAS) in Tokio teil.[5]
Werk
Walsh untersucht, wie Kultur und Gesellschaft Krankheit, Körper und Tod prägen und welche ethisch-politischen Fragen daraus entstehen. Dabei liegt Walshs Schwerpunkt auf der Arbeit mit lebenden biologischen Materialien und praktischen Laborexperimenten.[6]
Walsh hinterfragt die Spannungen die rund um Kreaturen bestehen können, deren bloße Existenz sich kulturellen und anthropozentrischen Binaritäten von Mensch-Nicht-Mensch, krank-gesund und Leben-Maschine widersetzt. Im Zusammenhang mit dem Masterstudium entstand Walshs Masterarbeit Generating Monsters: The Materiality and Aesthetics of Stem Cell Potential (Monster erschaffen: Die Materialität und Ästhetik des Stammzellpotenzials).[7]
Self-Care
Self-Care (seit 2021) ist eine lebende, wachsende Multimedia-Installation, die zwei Videoarbeiten enthält und in deren Zentrum ein speziell entworfener, tragbarer Brustbinder steht, der Lyndsey Walshs lebende Brustkrebszellen beherbergt. Walsh wirft die Frage auf, wie Narrative genutzt werden können, um Pflege, Krankheit und Fürsorge neu zu denken und will dabei die Prinzipien der Crip Technoscience materiell umsetzen. Lindey Walsh untersucht in dieser Installation das generationenübergreifende Trauma, sucht nach Spuren im Körper und stellt dabei die Auswirkungen begrenzter, binärer Definitionen sogenannter „weiblicher“ Gesundheitsversorgungssystemen infrage.[8]
Self-Care verkörpert Körper, die ständig die Grenze zwischen krank und gesund überschreiten. Es beleuchtet Hoffnungen, Erfolge und Misserfolge, die aus dem Versuch entstehen, mit einem fehlerhaften Körper zu leben. Die Installation enthält zwei Videoarbeiten, in denen sich Lyndsey Walsh persönlich an die Mutter wendet. Dort verarbeitet Walsh die eigene, vererbte BRCA1-Genmutation, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Brustkrebs auslösen wird, und thematisiert die Auswirkungen präventiver medizinischer Maßnahmen auf Körperbild, Identität und Fürsorgekonzepte.[9]
Arbeiten und Projekte (Auswahl)
- Return of the Teratoma (2018) – multimediales Projekt im Kontext von SymbioticA; Ausstellung u. a. im Moores Building, Fremantle.[10]
- Self-Care (seit 2021) – multimediale Installation, ausgezeichnet auf der Ars Electronica mit einer „Honorary Mention“ des EU S+T+ARTS Prize 2024.[11]
- Living Waste (seit 2022) – künstlerisch-wissenschaftliche Arbeit im Kontext der Ausstellung: Nach der Natur im Humboldt Forum.[12][13]
- Unbearable (2023) – digitale Arbeit/Animation, vorgestellt im Programm OpenLAB: Weird Futures von Matadero Madrid.[14]
Ausstellungen (Auswahl)
- 2021: Ural Biennial – Salute, Jekaterinburg.
- 2022: m/other becomings – SOLU Space, Helsinki.
- 2022–2025: Nach der Natur – Humboldt Forum, Berlin.
- 2023: Vorspiel Main Program – silent green, im Rahmen von CTM Festival / transmediale 2023, Berlin.
- 2023: One Night Between Heaven and Hell – Untitled Space, im Rahmen von Frieze New York 2023, New York City.[15][16]
- 2023: MATTER OF FLUX. Artistic Research – Art Laboratory Berlin / Galerie (Prinz(en)allee), Berlin.[16][17]
- 2024: Queer Mutants: Modes to Cultivate Genetic Resistance – re:publica 2024, Berlin.[18]
Auszeichnungen
Publikationen (Auswahl)
- Walsh, Lyndsey: Young and Healthy and Waiting to Get Cancer. In: Nautilus. 27. Mai 2020[20]
- Walsh, Lyndsey: Self-Care: Seeking Queer Liberation from the Medical Gaze and Genetic Fatalism. In: AM Journal of Art and Media Studies. Nr. 32, Oktober 2023.[21]
- Walsh, Lyndsey: (R)EVOLUTION: Optogenetics and Interspecies Microperformance. In: Proceedings of Politics of the Machines – Rogue Research 2021. September 2021.[22]
Weblinks
- Website von Lyndsey Walsh
- Lyndsey Walsh bei Tokyo Arts and Space
- Lyndsey Walsh auf der Website der Ars Electronica
Einzelnachweise
- ↑ Lisa Rocke: Matter of medicine? Matter of witchcraft? In: art-in-berlin.de. 9. Juli 2023, abgerufen am 25. Dezember 2025.
- ↑ Lab Alumni – Laboratory of Neurogenetics and Behavior (Eintrag „Lyndsey Walsh“). In: The Rockefeller University. Abgerufen am 26. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ a b Lyndsey Walsh (they/their). In: Ionian University – AV-School. Abgerufen am 26. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Lyndsey Walsh. In: Humboldt-Universität zu Berlin – Experimentelle Biophysik. Abgerufen am 26. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Lyndsey WALSH – Research Residency Program (2025.1–2025.3). In: Tokyo Arts and Space. Abgerufen am 26. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Underground: Self-Care by Lyndsey Walsh: Questioning bodily identities associated with disease, gender, and care| Underground Art and Design. 15. November 2022, abgerufen am 27. Mai 2024 (englisch).
- ↑ Lyndsey Walsh: The Teratoma Will Always Return. 29. August 2023, abgerufen am 28. Mai 2024 (englisch).
- ↑ Self-Care | republica. Abgerufen am 26. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Matter of Flux – Artistic Research. In: artlaboratory-berlin.org. Abgerufen am 25. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ LYNDSEY WALSH Return of the Teratoma. 3. Mai 2018, abgerufen am 7. Juni 2024 (australisches Englisch).
- ↑ a b Self-Care – S+T+ARTS Prize (Honorary Mention). In: ars.electronica.art. Abgerufen am 25. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Nach der Natur – Das Laborbuch (Inhaltsverzeichnis/Beitrag „Living Waste“). In: Deutsche Nationalbibliothek. Abgerufen am 25. Dezember 2025.
- ↑ LIVING WASTE — Lyndsey Walsh. Abgerufen am 7. Juni 2024 (englisch).
- ↑ Lyndsey Walsh – Unbearable. In: Matadero Madrid. Abgerufen am 25. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Insight: Matter of Flux Festival at Art Laboratory Berlin. In: CLOT Magazine. 28. Juni 2023, abgerufen am 25. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ a b Art Laboratory Berlin – MATTER OF FLUX (Programm/Termine). In: Kolonie Wedding. Abgerufen am 25. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Matter of Flux. Diskussion ums Phantom Baby : Ausstellung zur möglichen Zukunft des Gebärens. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 27. Mai 2024]).
- ↑ Queer Mutants: Modes to Cultivate Genetic Resistance | republica. 27. Mai 2024, abgerufen am 27. Mai 2024.
- ↑ Lyndsey WALSH|Creator. In: Tokyo Arts and Space. Abgerufen am 25. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Young and Healthy and Waiting to Get Cancer. In: Nautilus. 27. Mai 2020, abgerufen am 25. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Self-Care: Seeking Queer Liberation from the Medical Gaze and Genetic Fatalism. In: AM Journal of Art and Media Studies. 15. Oktober 2023, S. S. 53–67, abgerufen am 26. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ (R)EVOLUTION: Optogenetics and Interspecies Microperformance. In: ScienceOpen. S. S. 226–231, abgerufen am 26. Dezember 2025 (englisch).