Luzia Hartsuyker-Curjel
Luzia Hartsuyker-Curjel (* 15. Februar 1926 in Karlsruhe; † 17. April 2011 in Laren)[1] war eine niederländische Architektin deutscher Herkunft, die in Zusammenarbeit mit ihrem Mann, dem niederländisch-italienischen Architekten Enrico Hartsuyker für ihre innovativen Ideen und kühnen Entwürfe bekannt wurde.[2]
Leben
Luzia Curjel, geboren am 5. Februar 1926 in Karlsruhe, stammte aus einer Familie mit einem reichen kulturellen Hintergrund. Ihr Vater, Hans Curjel, Sohn des Architekten Robert Curjel, war Kunsthistoriker und Pianist. Er arbeitete von 1927 bis 1931 als künstlerischer Leiter an der Krolloper in Berlin, wo Otto Klemperer zu dieser Zeit Generaldirektor war. Ihre Mutter, Gabriella Fahrner, hatte mit ihrem Diplom für Gesang und Cello ebenfalls eine musikalische Ausbildung.[3] In Berlin stand das Haus von Luzias Eltern daher immer offen für Künstler. Unter ihnen waren Kurt Weill, dessen Dreigroschenoper in Berlin aufgeführt wurde, und seine Frau Lotte Lenya. Die Kinder Curjel (Luzia hatte noch einen Bruder) wuchsen in einer sehr intellektuellen Familie auf, in der Kunst, Wissenschaft und Politik im Vordergrund standen. Neben ihrer Erziehung hat auch der Grundriss des Elternhauses Luzias Leben und Werk geprägt. Das Haus war so angelegt, dass man sich darin frei bewegen konnte, eine Aufteilung, die in ihrem späteren Werk oft wiederkehrt.[3]
Auf Drängen von Luzias Mutter, die selbst keinen jüdischen Hintergrund hatte, aber schon früh die großen Gefahren des Nationalsozialismus erkannte, zog die Familie 1932 aus Berlin weg, um im Künstlerzentrum Neubühl bei Zürich zu leben. In den ersten Jahren hatte Hans Curjel noch ein eigenes Einkommen als künstlerischer Leiter des Corsotheaters. Nach Kriegsbeginn war dies nicht mehr möglich, da Curjel als Flüchtling in der Schweiz nicht arbeiten durfte.[3] Während des Krieges besuchte Luzia das Gymnasium an der Höheren Töchterschule (1939–1944).
Von großer Bedeutung war die Freundschaft mit dem bekannten Architektur- und Kunsthistoriker Sigfried Giedion und dessen Frau Carola Giedion-Welcker. Hans Curjel hatte zusammen mit Sigfried Giedion in München studiert und die Freundschaft half der Familie neue künstlerische und intellektuelle Beziehungen in der Schweiz zu knüpfen.[3]
Während ihres Architekturstudiums an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich lernte sie Enrico (Hendrik) Hartsuyker (1925–2013) kennen. Ihr Mentor war der Architekturhistoriker Sigfried Giedion, dessen Ideen großen Einfluss auf das Paar hatten, das 1951 heiratete.
Schaffen
1953 zogen sie in die Niederlande, wo sie Aufträge für den Wohnungsbau unter anderem in Amsterdam und Arnheim erhielten. 1960 gründeten sie ihr eigenes Architekturbüro, das seit 1981 den offiziellen Namen Hartsuyker Architecten B.V. trug.[4] Zu ihren bekanntesten Entwürfen gehören die nie realisierte, biologisch verantwortungsvolle Stadt Biopolis,[5] die bei Den Haag/Wassenaar entstehen sollte, die Atriumwohnungen in Amsterdam-Buitenveldert, das Wohn- und Arbeitsgebäude Woondok in Rotterdam und das Seniorenheim Zonnetrap in Rotterdam-Lombardijen.[6] Außerdem entwickelten sie neue Formen der Wohn-Typologie, wie „Rundlaufwohnungen“ und die Patio-Wohnungen in Amsterdam-Buitenveldert mit einem offenen Mittelraum, kleinen Höhenunterschieden und vertikaler Raumwirkung. Damit erregten sie große Aufmerksamkeit, da sie darauf abzielten, verschiedene Funktionen in einem Bauprojekt zu integrieren.
Das Ehepaar Hartsuyker-Curjel strebte danach, möglichst viele verschiedene Funktionen in einem Gebäude zu integrieren. Dieses Konzept war in den 1960er Jahren radikal und innovativ, da Gebäude damals noch speziell für eine bestimmte Funktion entworfen wurden. Ein Beispiel für ihre Arbeitsweise ist das Seniorenheim Zonnetrap in Rotterdam.[7] Es wurde nicht nur für die Unterbringung von Senioren entworfen, sondern bot auch Platz für Geschäfte, kleine Unternehmen und Ateliers. Dadurch entstand eine urbane Dynamik in diesem Gebäudekomplex, der sowohl für die eigenen Bewohner als auch für die Anwohner zu einem Treffpunkt werden sollte. Dieses Konzept ist bis heute erfolgreich.
In den 1980er Jahren entwarf Luzia Hartsuyker-Curjel „frauenfreundliche“ Wohnungen, die in Amsterdam, Apeldoorn und IJsselstein gebaut wurden. Sie zeichnen sich durch gleichwertige Räume aus, anstatt der traditionellen hierarchischen Aufteilung.[8]
Luzia Hartsuyker-Curjel starb am 17. April 2011 im Alter von 85 Jahren im Rosa Spier Haus in Laren. Enrico Hartsuyker verstarb dort am 15. Januar 2013.
Literatur
- Wies van Moorsel, Dorothee C. Segaar-Höweler: Enrico Hartsuyker en Luzia Hartsuyker-Curjel: modellen voor nieuwe woonvormen (= Bibliografieën en oeuvrelijsten van Nederlandse architecten en stedebouwkundigen). Stichting Bonas, Rotterdam 2008, ISBN 978-90-76643-32-8.
Weblinks
- ir. Hartsuyker-Curjel, Luzia. In: Nederlands Architekturinstituut. 17. April 2011, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 3. Dezember 2025 (niederländisch).
- Nieuwe Instituut - Collection Platform. In: collectie.nieuweinstituut.nl. Abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
- Luzia Hartsuyker-Curjel. In: archINFORM.
- Curjel, Luzia (1926-2011). In: resources.huygens.knaw.nl. 17. April 2011, abgerufen am 25. Dezember 2025 (niederländisch).
- Deutsche Biographie - Hartsuyker-Curjel, Luzia. In: deutsche-biographie.de. Abgerufen am 25. Dezember 2025.
Einzelnachweise
- ↑ Architectenweb: Luzia Hartsuyker-Curjel overleden. (architectenweb.nl [abgerufen am 30. November 2025]).
- ↑ Hartsuyker. Abgerufen am 30. November 2025 (britisches Englisch).
- ↑ a b c d ir. Hartsuyker-Curjel, Luzia. Archiviert vom am 19. Mai 2013; abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Taneja Hartsuyker architecten ( vom 2. April 2012 im Internet Archive)
- ↑ Biopolis : visie voor een nieuwe stad ( vom 29. August 2011 im Internet Archive)
- ↑ Luzia Hartsuyker-Curjel overleden. In: architectenweb.nl. 19. April 2011, abgerufen am 21. Dezember 2025 (niederländisch).
- ↑ R'70: een programma: Zonnetrap - R'70: een programma. Archiviert vom am 3. Dezember 2024; abgerufen am 22. Dezember 2025 (niederländisch).
- ↑ Enrico Hartsuyker (*1925) en Luzia Hartsuyker-Curjel (*1926). Modellen voor nieuwe woonvormen ( vom 4. März 2016 im Internet Archive)