Lutheraner-Straße
| Lutheraner-Straße Лютеранская улица
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|---|---|
| Straße in Kiew | |
| Lutheraner-Straße | |
| Basisdaten | |
| Ort | Kiew |
| Rajon | Petschersk |
| Angelegt | 1. Hälfte 19. Jahrhundert |
| Hist. Namen | Grafskaja-Straße, Annenkow-Straße, Friedrich-Engels-Straße, Lutherstraße |
| Name erhalten | erstmals 1812, 1992 |
| Nutzung | |
| Nutzergruppen | Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr, ÖPNV |
Die Lutheraner-Straße (ukrainisch Лютеранская улица) ist eine Straße in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, die vom Kreschtschatik zur Schelkowitschnaja-Straße führt. Die Mitte des 19. Jahrhunderts entstandene Straße wurde mehrfach umbenannt. Ihren jetzigen Namen erhielt sie von der hier gelegenen Kirche und den Einrichtungen der Kiewer evangelisch-lutherischen Gemeinde.
Geschichte
Die Straße ist erstmals auf Stadtplänen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verzeichnet. Zum damaligen Zeitpunkt außerhalb der Stadt Kiew gelegen, siedelten sich auf der Grafenberg genannten Anhöhe zahlreiche Adlige an. Daher wurde die Straße zunächst auch als Grafskaja bezeichnet. Nach dem großen Brand im Podol 1811 wurde der deutschen Gemeinde der Stadt dieser Platz zugewiesen und die Straße 1812 in Lutheraner-Straße umbenannt. 1812 entstand auch die erste lutherische Kirche St. Katharinen an diesem Platz, ein hölzerner Kirchenbau. Mit nur 140 Plätzen war er jedoch bald für die wachsende Gemeinde zu klein, so dass 1855 hier die heute noch existierende Kirche St. Katharinen nach einem Projekt der deutschstämmigen russischen Architekten Johann Storm und Paul Schleifer erbaut wurde. Neben der Kirche entstanden die Gebäude der Wohlfahrtseinrichtungen der Gemeinde, eine Realschule, ein Mädchengymnasium, eine Grundschule und Wohnungen für Bedürftige lutherischen Glaubens.[1] Diese Gebäude sind erhalten geblieben.
1865 wurde die Straße zu Ehren des Kiewer Gouverneurs Nikolai Annenkow in Annenkow-Straße umbenannt.
Die jetzige Bebauung entstand am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der wirtschaftlichen Lage der deutschen Gemeinde entsprechend herrschen hier mehrstöckige Wohnhäuser und Villen vor. Viele Gebäude wurden 1941 zerstört, nach Kriegsende jedoch wieder aufgebaut. Ein großer Teil der Häuser steht unter Denkmalschutz.[2]
1919 wurde die Straße nach Friedrich Engels benannt.[3][4] Während der deutschen Besetzung Kiews trug sie den Namen Lutherstrasse[5], um 1944 wieder den Namen Engelsstraße zu erhalten[6]. Ihren jetzigen Namen erhielt die Straße 1992.[7]
Ursprünglich mündete die Straße direkt auf den Kreschtschatik, jetzt ist sie nur noch durch einen Bogen zu erreichen.[1] Das Kopfsteinpflaster im nördlichen Teil der Straße ist im Kiewer Stadtzentrum einzigartig.[1] An der Einmündung der Lutheraner-Straße in den Kreschtschatik befand sich das Kaufhaus „Ludmer und Söhne“. Karl Ludmer, ein österreichischer Staatsbürger, hatte 1855 sein Einzelhandelsgeschäft gegründet. Nach dem Eintritt seiner Söhne in das Unternehmen entwickelte es sich zum Handelshaus. Das Kaufhaus in der Lutheraner-Straße hatte mehrere Abteilungen und eine Schneiderwerkstatt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Kaufhaus bis 1941 weitergeführt, jedoch bei der deutschen Besetzung Kiews zerstört und nach Kriegsende abgebrochen.[1][8]
Architekturdenkmäler
- Nr. 6–8, 1905, Architekten Martin Klug und Fjodor Oltarschewski, auch Borgia-Palast, 1914/15 Wohnsitz der Schauspielerin Marija Fjodorowna Andrejewa während ihrer Tätigkeit am Russischen Dramatischen Theater, 1914 Wohnsitz von Maxim Gorki im inzwischen abgebrochenen Haus Nr. 8
- Nr. 15, 1908, Architekt A. M. Werbitski, auch „Haus mit Pan und Nymphen“, den Namen erhielt das Gebäude nach einer am linken Erker angebrachten Replik (Majolika, A. Koslow) des Gemäldes „Frühlingsabend“ von Arnold Böcklin
- Nr. 16, 1833–1835, auch Sulymiwka-Haus, ehemaliges Armenhaus Sulimowka
- Nr. 21/12, 1931, Haus der Wissenschaftler
- Nr. 22, 1855, Architekten Johan Storm und Pail Schleifer, St. Katherinen, in den 1970er Jahren Direktion des Museums für Volksarchitektur und Brauchtum der Ukraine
- Nr. 23, 1907, Architekt Eduard Bradtman, „Haus der weinenden Witwe“
- Nr. 32A, 1909, Architekt Fjodor Mefodjewitsch Oltarschewskij
- Nr. 33, ehemaliges Wohnhaus der Familie Paustowskis
An den Gebäuden der Straße befinden sich zahlreiche Gedenktafeln für Wissenschaftler und Sportler, die in der Straße lebten, u. a. für Igor Turtschin (Nr. 15), Konstantin Grigorjewitsch Woblyj, Michail Filippowitsch Krawtschuk, Michail Wassiljewitsch Ptucha und Michail Filippowitsch Krawtschuk (alle Nr. 21).
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Durchgang zur Lutheraner-Straße im Haus Kreschtschatik Nr. 21
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Ursprüngliche Einmündung des Lutheraner-Straße in den Kreschtschatik, im Vordergrund die Ruine des Kaufhauses, 1942
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Nr. 6
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Nr. 15, Haus mit Pan und Nymphen
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Nr. 16, Armenhaus
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Nr. 21/12, Haus der Wissenschaftler
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Nr. 22, St. Katherinen
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Nr. 23, Haus der weinenden Witwe
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Nr. 33
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d О́льга Микола́ївна Дру́г: Вулицями старого Києва. Світ, Львів 2013 (ukrainisch).
- ↑ Інформаційний зведений перелік об'єктів культурної спадщини Печерського району. Archiviert vom am 4. August 2016; abgerufen am 9. Oktober 2025 (ukrainisch).
- ↑ Киевский Исполком (Hrsg.): Действия и распоряжения Советской власти в Киеве. От Киевского Исполкома. Приказ коллегии городского хозяйства. Известия, Nr. 29. Киев 23. März 1919, S. 4 (russisch, livejournal.com).
- ↑ Переименование улиц. In: Известия Киевского губернского революционного комитета. Nr. 13. Киев 4. Januar 1920, S. 2 (russisch, livejournal.com).
- ↑ Тетяна Себта: Топонімічні перейменування в окупованому Києві (1941–1943). Ч. 2. In: Київ і кияни. Матеріали щорічної науково-практичної конференції (Музей історії міста Києва). Кий, Київ 2010, S. 195–213 (ukrainisch, livejournal.com).
- ↑ Постанова виконавчого комітету Київської міської Ради депутатів трудящих (Hrsg.): Про впорядкування найменувань площ, вулиць та провулків м. Києва. Nr. 286/2. Киев 6. Dezember 1944 (ukrainisch, livejournal.com).
- ↑ Про повернення вулицям історичних назв. In: Розпорядження Представника Президента України у місті Києві. Nr. 1043, 11. September 1992 (russisch, livejournal.com).
- ↑ Дмитро Лавров: Угол Крещатика и Лютеранской. In: Інтернет-проект «Цікавий Київ». Abgerufen am 9. Oktober 2025 (russisch).
Koordinaten: 50° 26′ 40″ N, 30° 31′ 21″ O