Lumino TI

TI ist das Kürzel für den Kanton Tessin in der Schweiz. Es wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Luminof zu vermeiden.
Lumino
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Tessin Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Bellinzonaw
Kreis: Kreis Arbedo-Castione
BFS-Nr.: 5010i1f3f4
Postleitzahl: 6533
Koordinaten: 725534 / 121195
Höhe: 267 m ü. M.
Höhenbereich: 239–2288 m ü. M.[1]
Fläche: 10,10 km²[2]
Einwohner: 1684 (31. Dezember 2024)[3]
Einwohnerdichte: 167 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
20,7 %
(31. Dezember 2024)[4]
Gemeindepräsident: Niccolò Parente
Website: www.lumino.ch
Lumino
Lage der Gemeinde
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Lumino, deutsch früher Lugmin, ist eine Ortschaft und eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Tessin. Sie gehört zum Bezirk Bellinzona und zum Kreis Arbedo-Castione. Lumino bildet eine eigenständige Bürgergemeinde.[5][6]

Geographie

Lumino liegt am Eingang des Misox (italienisch Val Mesolcina) und erstreckt sich rechts der Moesa bis zum Piz de Molinera und links bis zu den Monti Loga, während das Dorf Lumino an deren rechten Ufer liegt. Talaufwärts kommt man zum San-Bernardino-Pass. Die Gemeinde ist fast vollständig von Bündner Kantonsgebiet umschlossen. Sie wird von der Moesa durchflossen.

Geschichte

Das Dorf wurde urkundlich erstmals 1168 als locus Lugomini erwähnt. Die günstige Lage am Eingang zum Misox und die alten Befestigungen in unmittelbarer Nachbarschaft weisen auf eine frühe Besiedlung hin.[7] Lumino war 1168 bereits eine vicinìa mit Einschluss von Castione, die 1818 aufgelöst wurde. Der Bischof von Como besass dort Grundstücke, mit denen die Brüder Besozzo von Locarno belehnt waren. Der Zehnten, Eigentum des Kapitels der Stiftskirche San Pietro von Bellinzona, wurde 1244 der Gemeinde verliehen. Zwischen dieser und dem Kapitel entstanden seinetwegen lange Streitigkeiten, die 1466 durch ein Übereinkommen beendet wurden. Lumino hatte auch mehrere Grenzstreitigkeiten mit seinen Nachbarn, unter anderem mit San Vittore und Roveredo, mit denen sich die Gerichte von Bellinzona und der Drei Bünde zu befassen hatten. Nach mehreren Schlichtungen wurde der seit dem 15. Jahrhundert andauernde Streit durch ein 1776 angenommenes Übereinkommen endgültig beigelegt. Castione trennte sich von Lumino 1599 auf unbekannte Dauer, in welchem Jahre es mit Arbedo vereinigt wurde. Während des Baus der neuen Fahrstrasse über den San Bernardino verboten die kantonalen Behörden 1818 den Bewohnern von Lumino, am Strassenstück zwischen der Brücke über die Moesa und der Grenze zu Graubünden Verbesserungen vorzunehmen.[7]

Verschiedene Güter und Zehntrechte gehörten der Pfarrkirche von Bellinzona. Die 1237 erwähnte Kirche San Mamete wurde vor 1591 Pfarrkirche.[7] Schon 1583 bildete Lumino eine eigene Kirchgemeinde, Castione trennte sich 1626 davon ab.

In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts veränderte die Errichtung zahlreicher neuer Wohnhäuser sowie die Ansiedlung einer kleinen, aber blühenden Industrie das ländliche Erscheinungsbild Luminos. 2000 arbeiteten 73 Prozent der aktiven Bevölkerung ausserhalb der Gemeinde.[7]

Bevölkerung

Einwohnerzahlen: Volkszählungsdaten[8][9]

Verkehr

Das Dorf liegt an der Hauptstrasse 13 und zwischen den Autobahneinfahrten Bellinzona Nord und San Vittore der Autobahn A13. Im öffentlichen Verkehr wird Lumino von der Postauto­linie 62.214 Bellinzona–Mesocco und von der Nachtbuslinie 62.271 (Bellinzona Nord) erschlossen.[10]

Von Lumino führt eine Seilbahn auf den Monti Savorù (1000–1300 m ü. M.). In Lumino befand sich eine Haltestelle der Ferrovia Mesolcinese/SEFT.

Sehenswürdigkeiten

  • Pfarrkirche San Mamete, erwähnt 1237[11][12]
  • Oratorium Santa Maria della Visitazione genannt Cappella nuova, mit Fresko Visitazione (1603)[12]
  • Oratorium Madonna della Salute genannt di Berté, erwähnt 16. Jahrhundert[13][12]
  • Wohnhaus Gemetti mit Bildhauerei Madonna mit Kind und Santi Rocco und Sebastiano (16. Jahrhundert)[12]
  • Gebäude der Gemeinde (1990/1995), Architekt: Sergio Cattaneo[12]

Sport

  • Football Club Moderna[14]

Persönlichkeiten

  • Marco Mades (* 1517 in Lumino; † 1587 in Rom), Bildhauer und Architekt, Autor des Palazzo del Commendatore dell’Arcispedale dell’Ordine del Santo Spirito in Sassia bei San Pietro und der Kirche Sant’Onofrio al Gianicolo, wo er begraben ist[15][16]
  • Werner Carobbio (1936–2023), Politiker (SP), wohnte in Lumino, Vater von Marina Carobbio Guscetti
  • Marina Carobbio Guscetti (* 1966), Politikerin (SP), wohnt in Lumino, Tochter von Werner Carobbio
  • Paolo Pronzini (* 1944 in Lumino; † 9. Oktober 2019 ebenda), Lehrer, ehemaliger Gemeindepräsident von Lumino und Rektor der Mittelschule
  • Wilma Ghidossi-Genasci (* 4. März 1957 in Valle (Airolo)), Künstlerin, Bildhauerin und Mosaikerin, wirkte im Atelier Ghido in Lumino[17]

Literatur

Commons: Lumino – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  2. Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  3. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991–2024. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 28. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst).
  4. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit (Kategorie), Geschlecht und Alter, 2010-2024. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst. Abruf am 28. August 2025
  5. Patriziato di Lumino In: https://www4.ti.ch/fileadmin/DI/DI_DI/SEL/Patriziati Abgerufen am 23. Juli 2024 (italienisch; mit Mappe).
  6. Patriziato di Lumino (italienisch) auf lumino.ch/patriziato/
  7. a b c d Giuseppe Chiesi: Lumino. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  8. Martin Schuler: Cantone Ticino – L’effettivo della popolazione a livello locale prima del 1850. (CSV; 34 KB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 16. Juni 2023, abgerufen am 17. April 2025.
  9. Daten der Eidgenössischen Volkszählungen ab 1850 nach Gemeinden. (XLSX; 10 MB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 12. Juli 2024, abgerufen am 17. April 2025 (Öffnung in Excel nur über "Anhang/Excel-Datensatz" möglich).
  10. Offizielles Kursbuch, Fahrplanjahr 2025. In: öv-info.ch
  11. De Gottardi, 1980, 277.
  12. a b c d e Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 61–62.
  13. Borrani, 1896, S. 273–277.
  14. Football Club Moderna
  15. PDA: Un luminese dei Cinquecento. In: Cooperazione Nr. 25, 25 Juni 2024, Seite 71.
  16. Marco Mades, eine Tür, Ospedale Santo Spirito in Sassia (mit Foto) (italienisch) auf catalogo.beniculturali.it/detail
  17. Wilma Ghidossi-Genasci (mit Fotos) in Almanacco del Grigioni Italiano. 2013 (italienisch) auf pgi.ch/sites