Luise Lunow

Luise Lunow (* 13. März 1932 in Nowawes,[1] heute Potsdam-Babelsberg), Künstlername bis 1987 Gerda-Luise Thiele, ist eine deutsche Schauspielerin und Synchronsprecherin sowie Hörspielsprecherin.

Leben und Wirken

Luise Lunow wuchs in Potsdam-Babelsberg auf.[2] Während der Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg verbrachte sie als Kind viele Stunden in Bunkern und Luftschutzkellern, Erfahrungen, die sie nachhaltig prägten.[2] Sie wurde an der Staatlichen Ballettschule Berlin ausgebildet und setzte ihre Ballettausbildung nach Kriegsende unter anderem bei Anni Stoll-Peterka, der damaligen Ballettmeisterin des Metropol-Theaters in Ost-Berlin, fort.[2] Zugleich verdiente sie sich das Schulgeld als Kleindarstellerin am Deutschen Theater und am Berliner Ensemble, wo sie hinter der Bühne den Probenbetrieb verfolgte.[2] Später nahm sie privaten Schauspielunterricht in Berlin-Steglitz und absolvierte eine Stimmausbildung in Kleinmachnow; Ballett- und Schauspielprüfung legte sie kurz hintereinander ab.[2]

Ihre erste Rolle als Synchronsprecherin erhielt sie mit 19 Jahren, damals noch als Schauspielstudentin; aufgrund ihrer für das Alter ungewöhnlich tiefen, reifen Stimme wurde sie gleich als Mutter besetzt.[2] Mit dieser Stimmfarbe übernahm sie in der Folge häufig Rollen älterer Frauen.[2] Bereits während ihrer Ausbildung trat sie aushilfsweise im Ensemble des Hans-Otto-Theaters in Potsdam auf. Später war sie von 1976 bis 1987 am Maxim-Gorki-Theater in Ost-Berlin tätig, wo sie zeitweise auch als Regieassistentin arbeitete.[2] In den 1980er-Jahren nahm sie an größeren Tourneen durch Westdeutschland teil.[2] Als Film- und Fernsehschauspielerin übernahm sie kleinere Rollen. 1987 kehrte sie von einer Besuchsreise in der Bundesrepublik nicht mehr in die DDR zurück.[1]

In der Bundesrepublik übernahm sie erneut Rollen in Film- und Fernsehen, z. B. in Pappa ante portas, Praxis Bülowbogen und Ein Heim für Tiere. Luise Lunow spricht auch Hörspiele, so übernahm sie nach dem Tod von Tilly Lauenstein deren Sprecherrolle als „Oberhexe Tante Mania“ in der Hörspielreihe Bibi Blocksberg; sie sprang damals mitten in einer laufenden Produktion ein, nachdem mehrere Stimmen getestet worden waren, und spricht die Figur seither dauerhaft.[2] Im Juni 2011 nahm sie für AS&S Radio den Werbesong „Acid auf Rädern“ auf, unter dem Pseudonym „Enkelschreck“.[3] Bis 2013 arbeitete sie an verschiedenen Theatern, unter anderem am Schlossparktheater Berlin. 2015 veröffentlichte sie ein autobiographisches Hörbuch.[1]

Im Mai 2019 wurde sie mit dem Deutschen Preis für Synchron für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.[4] Auch im hohen Alter bleibt sie berufstätig; im Jahr 2025, mit 93 Jahren, arbeitet sie weiterhin regelmäßig im Synchronstudio.[2] Trotz einer fortgeschrittenen Makuladegeneration, durch die sie seit etwa 2023 kaum noch sehen kann, passt sie ihre Arbeitsweise an: die Regie liest ihr die Takes vor, die sie sich einprägt und anschließend einspielt; begünstigt wird dies durch die heute meist sehr kurzen Takes.[2] Lunow lebt in Berlin-Grunewald und hält sich nach eigener Aussage mit regelmäßigem Fitnesstraining körperlich fit; die Arbeit empfindet sie als stärkend und „vitalisierend“.[2]

Bühnenrollen (Auswahl)

Musik

Filmografie (Auswahl)

Synchronisation (Auswahl)

Filme

Serien

Computerspiele

Hörspiele (Auswahl)

Hörbücher (Auswahl)

  • Luise Lunow, Auch eine Rosine hat noch Saft. 80 Jahre zwischen Ost und West. XPUB, 2015.
  • Ursula K. Le Guin: Das fernste Ufer (gemeinsam mit Oliver Siebeck, Hörbuch-Download), Hörbuch Hamburg 2021

Einzelnachweise

  1. a b c Als Loriot sie vom Stuhl warf. In: Tagesspiegel, 20. Dezember 2015, S. 14, online
  2. a b c d e f g h i j k l m Ilka Kreutzträger: Synchronsprecherin über das Sprechen – „Die Arbeit vitalisiert mich“. In: taz. 26. Dezember 2025, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  3. wuv.de - „Küss meinen faltigen Arsch“: Hype um die Rap-Oma „Enkelschreck“ (Memento des Originals vom 8. Dezember 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wuv.de, abgerufen am 21. Juni 2011
  4. Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 27. Mai 2019.