Luise Flachs-Fokschaneanu
Luise Flachs-Fokschaneanu (* 17. Dezember 1863 in Botoșani, Fürstentum Rumänien; † 5. April 1934 in Berlin)[1] war eine deutschsprachige Übersetzerin und Autorin in Berlin.
Leben
Ihr Vater Moritz Focșăneanu war Kaufmann und königlich-rumänischer Hofspediteur, die Mutter war Deborah Schnürer.[2] Die Familie zog bald nach Wien; Luise Fokschaneanu verbrachte auch mehrere Jahre in Russland, wo sie russische Sprache und Literatur studierte.[3]
1892 heiratete sie den jüdischen, in Rumänien geborenen Publizisten Adolf Flachs (1856–1922) und lebte seit 1896 mit ihm in Schöneberg bei Berlin in der Nollendorfstraße 7.
1899 wohnte die russische Literaturkritikerin und Übersetzerin Sinaida Wengerowa während ihres Deutschlandaufenthaltes bei ihnen. Durch ihre Fürsprache bei dem Verleger und Übersetzer Wilhelm Henckel erhielt Luise Flachs den Auftrag, für Henckels Tolstoi-Ausgabe die Novelle Die Kreutzersonate zu übersetzen.[4]
Spätestens seit 1911 lebten die Eheleute in der Lutherstraße 47 in Charlottenburg (ab 1963: Teil der Martin-Luther-Straße im Ortsteil Schöneberg).[5] 1934 starb Luise Flachs dort im Alter von 70 Jahren.[1]
Werke (Auswahl)
Luise Flachs-Fokschaneanu übersetzte etwa 15 belletristische Werke russischer Autoren, von denen einige bis in die Gegenwart neu aufgelegt wurden. Sie veröffentlichte außerdem einige Novellen in Wiener Zeitschriften und verfasste ein Filmdrehbuch.
Übersetzungen
- Bücher
- Leo Tolstoi: Widersprüche der empirischen Moral, Steinitz, Berlin 1895
- Sonja Kowalewska: Die Nihilistin, Wien 1896 (Digitalisat)
- Sonja Kowalewska: Jugenderinnerungen, S. Fischer, Berlin 1897 (Digitalisat), mehrere Neuauflagen bis 2012, (zeitweise als Erinnerungen an meine Kindheit)
- Anton Tschechow: Russische Liebelei, Novellen, Schupp, München 1897, (darunter Der Anfall, Flattergeist), mehrere Neuausgaben Digitalisat
- Leo Tolstoi: Die Kreutzersonate, Strauch, Leipzig 1903
- Anton Tschechow, Der Bär, Groteske in einem Aufzug, 1903 (Text), mehrere Neuausgaben bis 2022, verbreitetste Übersetzung
- Anton Tschechow: Ein Heiratsantrag, Scherz in einem Aufzug, 1903, mehrere Neuausgaben bis 2022
- Michail Noworusski: Achtzehneinhalb Jahre hinter russischen Kerkermauern, Behr, Berlin 1908
- Michail Noworusski: Memoiren eines Idealisten, Behr, Berlin 1910
- Wladimir Nemirowitsch-Dantschenko: Vom Wert des Lebens, Schauspiel in vier Akten, 1910
- Nikolai Gogol: Die Brautschau, Hanf, Hamburg (1920)
- In Zeitschriften
- Sonja Kowalewska: Eine Liebelei Dostojewskis, in Die Zeit. Wiener Wochenschrift, vom 26. September 1896, S. 205–208
- Pjotr Boborykin: Der Mörder, in Aus fremden Zungen, 1, 1897, S. 289 ff., 337 ff.
- Nikolai Minsky: Das jüngste Gericht. Ein Traum, in Das Magazin für Litteratur, 1899, S. 179 ff.
- Anton Tschechow: Der Gatte, in Jugend, 1899, S. 189–191
- Maxim Belinski (= Ieronim Jassinski): Turtel-Murtel, in Neue Deutsche Rundschau (Freie Bühne), 1899, S. 741–765
- N. M. Minski: Tolstoi – der russische Luther, in Der Sturm, 1, Nr. 17, vom 23. Juni 1910, S. 131–132
- N. M. Minski: Tolstoi. Der große Schriftsteller der russischen Erde, in Der Sturm vom 3. Dezember 1910 S. 324, 332
Verfasserin
- Eigene Publikationen
- Die Seele kehrt zu Gott zurück, in Illustrierte Zeitung vom 18. Februar 1904, über ein Grabdenkmal, das von Teresa Feodorowna Ries gestaltet wurde
- Eine Nacht. Die Beichte einer Erlösten, Stern, Leipzig [1919], Neuausgabe 2024
- Filmdrehbücher
Zitat
Luise Flachs-Fokschaneanu schrieb 1897 über sich als
„… viel gestrebt und wenig erreicht, viel gesucht und wenig gefunden, viel gefragt und nicht recht klug geworden, viel gekämpft und wenig errungen.“[8]
Literatur
- Sophie Pataky: Lexikon deutscher Frauen der Feder. Band 1. Berlin 1898. S. 217
- Ilse Korotin (Bearb.): BiographiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 1. Wien 2002. S. 840–841
- Konrad Feilchenfeldt (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Band 9. K. G. Saur, München 2006. S. 24f (PDF), mit Angaben zu Adolf und Luise Flachs.
Weblinks
- Literatur von und über Luise Flachs-Fokschaneanu im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Luise Flachs-Fokschaneanu. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- Suche nach Luise Flachs-Fokschaneanu. In: Deutsche Digitale Bibliothek
Einzelnachweise
- ↑ a b Sterbeurkunde Nr. 213 vom 5. April 1934, Standesamt Charlottenburg I. In: ancestry.de (kostenpflichtig). Abgerufen am 1. Dezember 2025.
- ↑ Herrmann A. L. Degener, Wer ist's?, 1912, S. 415; mit Angaben zu ihrer Familie
- ↑ Pataky, 1898, S. 217, mit einigen biografischen Angaben nach ihren Informationen
- ↑ R. Löw, Zwei Briefe von Zinaida A. Vengerova aus Berlin an Wilhelm Henckel, in Zeitschrift für Slawistik, 1987, S. 594–598 (Artikelanfang)
- ↑ Kürschners Deutscher Literatur-Kalender, 1932, S. 349 (kurzer Auszug), auch 1928, Sp. 288 und vorherige Jahre, sowie im Berliner Adressbuch
- ↑ Louise Flachs Filmportal, Regie Walter Schmidt-Häßler
- ↑ Kürschners Deutscher Literatur-Kalender, 1926–1932 erwähnt, ansonsten ist dieser Film nirgends feststellbar
- ↑ Sophie Pataky, Lexikon deutscher Frauen der Feder, 1, 1898, S. 217