Luisa González

Luisa Magdalena González Alcívar (* 22. November 1977 in Quito, Ecuador) ist eine ecuadorianische Politikerin und Rechtsanwältin. Bei den Parlamentswahlen 2021 wurde sie als Vertreterin der Provinz Manabí in die Nationalversammlung gewählt. Sie kandidierte bei den Präsidentschaftswahlen 2023 und 2025, unterlag jedoch in den beiden Stichwahlen Daniel Noboa.

Leben

Luisa González wurde in Quito geboren.[1] Sie wuchs im Kanton Chone in der Provinz Manabí auf.[2]

Ausbildung

González studierte Jura an der Internationalen Universität von Ecuador und erwarb ihren Master-Abschluss am Institut für höhere nationale Studien in Ecuador.[1] González erwarb außerdem einen Master-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Complutense in Madrid.[3][1] 2005 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Internationalen Universität von Ecuador.

Beamtin und Anfänge der politischen Laufbahn

Bei der Wahl der Verfassunggebenden Versammlung im Jahr 2007 stand González in der Provinz Pichincha auf der Reserveliste der Kandididaten der Christlich-Soziale Partei (PSC).[4] Während der Regierungszeit von Rafael Correa von 2007 bis 2017 war sie leitende Beamtin in verschiedenen Ämtern, unter anderem in der Aufsichtsbehörde für Wirtschaftsunternehmen, in der staatlichen Postverwaltung (Correos del Ecuador), von Januar bis Mai 2017 kurzzeitig in der Secretaría Nacional de Administración Pública (der Zentralbehörde der Öffentlichen Verwaltung) und im Präsidentschaftsbüro.[1][5][6][7] 2014 wurde González zur Vizeministerin für Tourismusmanagement im Ministerium für Tourismus ernannt.[5]

Zwischenzeitlich war sie Vizekonsulin in Madrid und Generalkonsulin in Alicante. Im Jahr 2018 wurde sie zur Vertreterin Ecuadors im Sekretariat des Andenparlaments ernannt.[7]

Nationalversammlung (2021–2023)

González wurde bei den Parlamentswahlen 2021 als Abgeordnete der Provinz Manabí im ersten Wahlbezirk für die Union für die Hoffnung (Unión por la Esperanza) in die Nationalversammlung gewählt.[8] Im Februar 2022 nahm sie während einer Debatte in der Nationalversammlung über die Entkriminalisierung der Abtreibung in Fällen von Vergewaltigung eine kontroverse Position zugunsten des Lebens ein und lehnte Abtreibung als Recht ab.[9][10] González wandte sich auch gegen das Gesetz über Menstruationsgesundheit und -hygiene, das unter anderem die kostenlose Verteilung von Menstruationsbinden vorsieht.[11] Am 17. Mai 2023 löste Präsident Guillermo Lasso den im Artikel 148 der Verfassung vorgesehenen Mechanismus der „muerte cruzada“ (spanisch: „wechselseitiger Tod“) aus, der es dem Präsidenten erlaubt, die Nationalversammlung aufzulösen und vorgezogene Parlaments- und Präsidentschaftswahlen auszurufen.[12] Damit endete die Amtszeit von González als Abgeordnete.[13]

Reisen in Steueroasen

Vor der Ankündigung ihrer Präsidentschaftskampagne im Jahr 2023 ergab eine Sonderprüfung, dass González zu den Abgeordneten gehörte, die mit Privatflugzeugen in verschiedene Länder reisten, die als Steuerparadiese gelten, wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Luxemburg, Panama, Kap Verde, Belize, Barbados und Trinidad und Tobago.[14] Das Büro des Rechnungsprüfers befand, dass sie für die unregelmäßige Nutzung des Präsidentenflugzeugs für Reisen in Steuerparadiese mit insgesamt 880.473 Dollar haftbar ist.[11]

Präsidentschaftswahl 2023

Am 10. Juni 2023 bestimmte die Bewegung der Bürgerrevolution (Movimiento Revolución Ciudadana, MRC) González als ihre Präsidentschaftskandidatin für die Parlamentswahlen 2023, nachdem der ehemalige Vizepräsident Jorge Glas die Nominierung abgelehnt hatte.[15] Der Kandidat des MRC bei der Präsidentschaftswahl 2021, Andrés Arauz, wurde als ihr Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten nominiert.[15] Wäre González gewählt worden, wäre sie die erste gewählte Präsidentin in der Geschichte des Landes gewesen.[16]

Am 13. Juni, als González zusammen mit ihren Anhängern und der Vorsitzenden der Bewegung Bürgerrevolution, Marcela Aguiñaga, ihre Präsidentschaftskandidatur beim Nationalen Wahlrat anmelden wollte, wurden sie von der Nationalpolizei mit Pfefferspray und Tränengas angegriffen.[17] González erlitt eine Augenreizung durch Pfefferspray,[18] konnte sich jedoch als Kandidatin registrieren lassen.[19]

Während ihres Wahlkampfes hatte González versprochen, den ehemaligen Präsidenten Rafael Correa zu einer zentralen Figur in ihrer Regierung zu machen, etwa als „Hauptberater“.[20] Sie sagte, sie würde die Vereinigten Staaten genauso behandeln wie andere Länder.[20] Sie betonte auch, dass die Vereinigten Staaten die „Selbstbestimmung“ des Landes respektieren sollten.[20] Bei einer am 12. August, eine Woche vor der Wahl, durchgeführte Umfragen lag sie mit 24,9 % knapp vor dem rechtsgerichteten Geschäftsmann Jan Topić (21,7 %) auf dem ersten Platz.[21]

Der erste Wahlgang fand am 20. August 2023 statt.[22][23] Luisa Gonzáles gewann 33,6 % der Stimmen, Daniel Noboa 23,5 %. Bei der Stichwahl am 15. Oktober 2023 unterlag sie mit 48,2 % der Stimmen gegen Daniel Noboa (52,2 %).[24]

Präsidentschaftswahl 2025

Bei der Präsidentschaftswahl 2025 kandidierte Luisa González erneut. Im ersten Wahlgang am 9. Februar 2025 gewann sie 44,0 % der Stimmen und lag damit fast gleichauf mit Daniel Noboa (44,2 %). Bei der Stichwahl am 13. April 2025 unterlag sie mit 44,6 % der Stimmen gegen Daniel Noboa (55,6 %). Möglicherweise trug zu ihrer Niederlage bei, dass die Confederación de Nacionalidades Indígenas del Ecuador (CONAIE), der Dachverband der Organisationion der Indigenen, sich nicht bereit fand, González frühzeitig öffentlich zu unterstützen, da González und die CONAIE unterschiedliche Ziele in der Bergbaupolitik verfolgten.[25]

Einzelnachweise

  1. a b c d ¿Quién es Luisa González?, pieza clave del correísmo para llegar a la Presidencia. www.ecuadorenvivo.com, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 11. Juni 2023; abgerufen am 11. Juni 2023 (europäisches Spanisch).
  2. Entrevista en exclusiva a Luisa González, candidata a la presidencia de Ecuador. YouTube, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. Juni 2023; abgerufen am 12. Juni 2023 (europäisches Spanisch).
  3. ¿Quién es Luisa González, la carta a la Presidencia por la Revolución Ciudadana? www.expreso.ec, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 12. Juni 2023; abgerufen am 11. Juni 2023.
  4. Candidatos a asambleístas por Pichincha. La Hora, 26. Juni 2007, abgerufen am 26. Juli 2023 (spanisch).
  5. a b Rafael Correa prepara su regreso a Ecuador y nombra a su candidata presidencial. Clarín, 11. Juni 2023, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 13. Juni 2023; abgerufen am 12. Juni 2023 (spanisch).
  6. Elecciones Ecuador 2023: ¿quién es Luisa González, candidata a la Presidencia de Ecuador por el correísmo? www.ecuavisa.com, 10. Juni 2023, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 27. Juni 2023; abgerufen am 12. Juni 2023 (es-EC).
  7. a b ¿Quién es Luisa González, la candidata del correísmo? El Diario Ecuador, 10. Juni 2023, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 22. Juni 2023; abgerufen am 12. Juni 2023 (es-CO).
  8. Asambleístas del Ecuador por Manabí, periodo 2021–2025. REVISTA DE MANABÍ, 18. Mai 2021, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 13. Juni 2023; abgerufen am 13. Juni 2023 (spanisch).
  9. Se aprueba proyecto que garantiza la interrupción voluntaria del embarazo en caso de violación. Asamblea Nacional del Ecuador, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 13. Juni 2023; abgerufen am 13. Juni 2023 (spanisch).
  10. La carta electoral de Rafael Correa, entre la lealtad política y el antiabortismo. Yahoo, 17. Juni 2023, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 21. Juni 2023; abgerufen am 21. Juni 2023.
  11. a b Borja Maria Sol: ¿Quién es Luisa González, candidata a la presidencia del Ecuador? In: GK. 13. Juni 2023, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 23. Juni 2023; abgerufen am 23. Juni 2023.
  12. Tjerk Brühwiller: Ein gegenseitiger Tod. Mit einem besonderen Mechanismus hat der Präsident von Ecuador das Parlament aufgelöst. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Mai 2023, S. 7.
  13. Guillermo Lasso firma la „muerte cruzada“ en Ecuador en medio de su juicio político. CNN, 17. Mai 2023, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 7. Juni 2023; abgerufen am 19. Mai 2023 (spanisch).
  14. Asambleístas arrastran glosas, multas y órdenes de reintegro. www.expreso.ec, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 12. Juni 2023; abgerufen am 12. Juni 2023.
  15. a b Revolución Ciudadana define a Luisa González y Andrés Arauz como su binomio tras la declinación de Jorge Glas. El Universo, 10. Juni 2023, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 10. Juni 2023; abgerufen am 11. Juni 2023.
  16. Luisa González, rumbo a ser la primera presidenta de Ecuador. La Vision, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 21. Juni 2023; abgerufen am 21. Juni 2023 (spanisch).
  17. Denuncian ataque un con gas lacrimógeno a una precandidata a la Presidencia en Ecuador. Qué Pasa, 13. Juni 2023, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 13. Juni 2023; abgerufen am 13. Juni 2023 (spanisch).
  18. Luisa González recibe gas pimienta en inscripción en el CNE. Ecuavisa, 13. Juni 2023, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 21. Juni 2023; abgerufen am 13. Juni 2023 (spanisch).
  19. Luisa González y Andrés Arauz inscribieron su candidatura en el CNE. El Comercio, 13. Juni 2023, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. Juni 2023; abgerufen am 13. Juni 2023 (es-EC).
  20. a b c Luisa González Would Be A Disaster for U.S.-Ecuador Relations. National Interest, 11. Juli 2023, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 19. Juli 2023; abgerufen am 17. Juli 2023.
  21. Encuestas. (PDF) ASCOA, abgerufen am 16. August 2023 (spanisch).
  22. Süddeutsche Zeitung: Staatskrise in Ecuador: Neuwahlen im August angesetzt. 24. Mai 2023, abgerufen am 3. August 2023.
  23. Ecuador: Termin für vorgezogene Präsidentschafts- und Parlamentswahlen festgelegt. In: latinapress Nachrichten. 24. Mai 2023, abgerufen am 3. November 2025 (deutsch).
  24. Noboa wird jüngster Präsident. In: tagesschau.de. 16. Oktober 2023, abgerufen am 16. Oktober 2023.
  25. Paúl Bedón: Stichwahl in Ecuador. In: Lateinamerika Nachrichten, Jg. 52 (2025), Nummer 610, S. 32–33.