Luisa (Film)
| Film | |
| Titel | Luisa |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
| Länge | 94 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Produktionsunternehmen | werkgruppe2 filmproduktion, Hanfgarn & Ufer |
| Stab | |
| Regie | Julia Roesler |
| Drehbuch | Silke Merzhäuser, Julia Roesler |
| Produktion | Andrea Ufer, Silke Merzhäuser, Gunter Hanfgarn, Julia Roesler, Insa Rudolph |
| Musik | Insa Rudolph |
| Kamera | Frank Amann |
| Schnitt | Anne Jünemann |
| Besetzung | |
und
| |
Luisa ist ein deutsches Filmdrama von Julia Roesler, Insa Rudolph und Silke Merzhäuser (die unter dem Namen werkgruppe2[2] auch dokumentarische Theaterprojekte realisieren) aus dem Jahr 2025. Der Film stellt die 22-jährige Luisa in den Mittelpunkt, die in einer Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderung lebt und überraschend schwanger ist. Sexueller Missbrauch liegt nahe, das Betreuungssystem von Pflegekräften, Eltern und schließlich auch Polizei gerät unter Druck, den Fall aufzuklären.
Die Uraufführung des Films fand am 15. Juni 2025 im Wettbewerb des Shanghai International Film Festivals statt[3]. Die Deutsche Premiere folgte am 23. Oktober 2025 bei den Internationalen Hofer Filmtagen[4], wo der Film mit dem Förderpreis Neues Deutsches Kino ausgezeichnet wurde[5]. In der Begründung der Förderpreis-Jury heißt es: "Die inszenatorische Leistung, diese große dramaturgische Fallhöhe in Bilder zu fassen, ohne eine einfache Antwort mitzuliefern und ohne die Protagonistin als Opfer darzustellen ist die herausragende Leistung von Julia Roesler und dem Ensemble".[6] Der offizielle Kinostart in Deutschland soll am 23. April 2026 erfolgen. Der Film ist als ZDF – Das kleine Fernsehspiel entstanden.
Der Titel des Films rekurriert auf die Kampagne "Ist Luisa hier?", die ein Hilfsangebot gegen Sexuelle Belästigung darstellt.
Handlung
Luisa ist vor kurzem von zu Hause ausgezogen und neugierig, was das Leben für sie bereithält. Sie liebt Partys, ist für jeden Spaß zu haben, lässt sich auf Flirts und kleine Abenteuer ein. Sie lebt in der Wohngruppe einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung am Rande einer deutschen Kleinstadt. Dort erhält sie Unterstützung in ihrem oft turbulenten Alltag. Unbemerkt wird Luisa zunehmend stiller, in der Wohngruppe geht das alltägliche Leben weiter, bis unerwartet festgestellt wird, dass Luisa schwanger ist. Luisa selbst sagt nicht, wie das passiert ist, sie schweigt. Jede und jeder weiß, dass ihr Freund Anton nicht zeugungsfähig ist. Der Verdacht auf sexuellen Missbrauch liegt nahe. Luisa entschließt sich, die Schwangerschaft abbrechen zu lassen. Die Polizei wird eingeschaltet und versucht herauszufinden, ob eine Straftat vorliegt. Die Ermittlungen werden zur Belastungsprobe für Luisa, ihre Beziehung zu Anton und für das gesamte Personal der Wohneinrichtung.
Die Erzählung kreist um Luisa und ihre Auseinandersetzung mit den Grenzverletzungen, die ihr zustoßen. Parallel wird die häufig verborgene Lebenswelt von Menschen mit Behinderung in jener Institution gezeigt, die sie beschützen soll, aber zugleich bedrohlich für ihre körperliche Integrität und selbstbestimmtes Leben ist. Getragen von einem inklusiven Ensemble ist Celina Scharff als Luisa in ihrer ersten großen Rolle das Kraftzentrum des Films.
Produktion
Für den Spielfilm haben die Autorinnen vorab eine Interview-Recherche durchgeführt und bei zahlreichen Hospitationen in Wohneinrichtungen Alltagseindrücke dokumentiert, um einen Blick auf Menschen mit Behinderung jenseits von Klischees und Verniedlichungen zu ermöglichen. Sexueller Missbrauch von Menschen mit Behinderung kommt häufiger vor als man denkt: Von sexueller Gewalt im Erwachsenenleben waren in Deutschland Frauen 2–3 Mal häufiger betroffen als der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt laut der Studie "Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland" der Universität Bielefeld. Sie wurde im Auftrag des Bundesfrauenministeriums durchgeführt.[7]
Die paritätische Besetzung eines deutschen Kinospielfilms, mit zehn Schauspielern mit (darunter die Protagonistin Celina Scharff) und zehn Schauspielern ohne Behinderung ist ein Novum. In einer mehrmonatigen Vorbereitung mit dem gesamten Cast wurden die Figuren weiterentwickelt und vorhandene Barrieren so berücksichtigt, dass die Schauspieler in ihrem Arbeitsprozess wenig behindert wurden. Ein Großteil des Cast stammt aus dem inklusiven Performancekollektiv Meine Damen und Herren[8] aus Hamburg, die Teil der Barner 16 von Alsterarbeit sind.
Begleitet wurde das Ensemble auch von erfahrenen Mitarbeitern aus ihrem eigentlichen Arbeitsumfeld in einem künstlerischen Werkstattbetrieb, die mit eigener Projektleitung für diese Filmproduktion Standards für inklusives Arbeiten geschaffen haben, z. B. durch Access Rider.
Die Dreharbeiten fanden in Koproduktion mit dem Kleinen Fernsehspiel vom ZDF im südlichen Niedersachsen in einer leerstehenden Wohneinheit einer tatsächlichen Einrichtung statt. Die Produktion von werkgruppe2 filmproduktion und Hanfgarn & Ufer (Gunter Hanfgarn und Andrea Ufer) wurde in 34 Drehtagen vom 10. Oktober 2023 bis 24. November 2023 abgedreht.
Parallel zur Drehvorbereitung und dem Dreh ist ein Making-of entstanden, dass das ZDF mit Hanfgarn & Ufer produziert hat und das von 17motion, dem Videobereich von barner16 umgesetzt wurde.
Festivaleinladungen
- Shanghai International Film Festival 2025, Wettbewerb, Weltpremiere
- Mumba International Film Festival 2025, Pune, Wettbewerb
- Chicago International Film Festival 2025, Reihe: Snapshots
- Internationale Hofer Filmtage 2025, Wettbewerb, deutsche Premiere
- Biberacher Filmfestspiele 2025, Wettbewerb
- Nordische Filmtage Lübeck 2025, Filmforum
- Ahrenshooper Filmnächte 2025, Wettbewerb
- Braunschweig International Film Festival 2025, Wettbewerb
Auszeichnungen
- HEIMSPIEL-Preis 2025 beim Braunschweig International Film Festival[9] an Regisseurin Julia Roesler
- TILDA – Bester Film einer Regisseurin beim Braunschweig International Film Festival[10]
- Publikumspreis der Ahrenshooper Filmnächte[11]
- Förderpreis NEUES DEUTSCHES KINO – 51. Hofer Filmtage[12] an Regisseurin Julia Roesler
- Bestes Szenenbild – Bild-Kunst Förderpreis für Thomas Rump, 51. Hofer Filmtage[13] 2025
- Best Feature Film – Mumba International Film Festival, Pune[14] 2025
- Bremer Dokumentarfilm Recherchepreis[15] 2020
Weblinks
- Offizielle Website
- Luisa bei crew united
- Luisa bei Filmportal.de
- Luisa bei imdb
Einzelnachweise
- ↑ Freigabebescheinigung für Luisa. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüfnummer: 267441/K).
- ↑ werkgruppe2 – Werkgruppe2 ist eine freie Künstlerinnenkompagnie. Abgerufen am 20. November 2025 (deutsch).
- ↑ Deutscher Film 'Luisa' feiert Weltpremiere in Shanghai - Filmteam im Interview. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Luisa | Internationale Hofer Filmtage. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Michael Müller Blickpunkt:Film: Julia Roesler gewinnt Förderpreis Neues Deutsches Kino für „Luisa“. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Bavaria Film stiftet erneut Förderpreis in Hof: "Luisa" gewinnt | Bavaria Film GmbH. 23. Oktober 2025, abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen. 29. November 2021, abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ MEINE DAMEN UND HERREN. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Braunschweig International Film Festival: Heimspiel Preis (Bester Film mit regionalem Bezug). Abgerufen am 20. November 2025 (deutsch).
- ↑ Gewinner:innen des 39. Braunschweig International Film Festivals. 16. November 2025, abgerufen am 20. November 2025 (deutsch).
- ↑ tagesschau.de: Filmnächte Ahrenshoop: Drei Filme ausgezeichnet. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Bayerischer Rundfunk: 59. Internationale Hofer Filmtage 2025: Kino, Begegnung, Begeisterung – die Hofer Filmtage feiern einen starken Abschluss. 7. November 2025 (br.de [abgerufen am 20. November 2025]).
- ↑ Barbara Schuster: Feierliche Preisverleihung in Hof. In: SPOT media & film. 25. Oktober 2025, abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Instagram. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ 20. Bremer Dokumentarfilm Förderpreis. Abgerufen am 20. November 2025.