Luigi Miraglia (Philologe)

Luigi Miraglia (lateinisch: Aloisius Miraglia; * 28. Oktober 1965 in Neapel) ist ein italienischer Latinist und Klassischer Philologe. Er ist ein Verfechter der Naturmethode im Sprachenlernen und der Gründer der privaten Accademia Vivarium Novum.

Leben

Luigi Miraglia ist ein Nachfahre des gleichnamigen Luigi Miraglia, eines Rechtsphilosophen und Bürgermeisters von Neapel von 1901 bis 1903.[1]

Nach dem klassischen Abitur am Liceo Umberto I in Neapel studierte er Klassische Philologie an der Universität Neapel Federico II, wo er mit einer in lateinischer Sprache verfassten Abschlussarbeit graduierte. Anschließend promovierte er in Klassischer Philologie an der Universität Salerno.[2] Im Jahr 1986 wurde er Direktor der Zeitschrift Il trifoglio und 1989 didaktischer Berater für das European Language Institute in Recanati.[2]

Seit 1996 ist er Direktor der Accademia Vivarium Novum, zunächst mit Sitz in Montella (Avellino), ab 2009 in Rom und derzeit in Frascati (Villa Falconieri). In Montella war er außerdem als Italienisch- und Lateinlehrer am naturwissenschaftlichen Gymnasium "Rinaldo d’Aquino" tätig. Zuvor hatte er Italienisch und Latein am naturwissenschaftlichen Gymnasium "Piero Calamandrei" in San Giovanni a Teduccio, Neapel, unterrichtet. Er hat mehrmals internationale Konferenzen zur Didaktik der klassischen Sprachen, zum Humanismus und dessen Bedeutung im aktuellen kulturellen Kontext organisiert und geleitet.[2]

Abdem akademischen Jahr 2009/2010 war er Gastdozent für Elemente der lateinischen Konversation und Komposition und Latinitas viva am Pontificium institutum altioris Latinitatis, der Fakultät für christliche und klassische Literatur der Päpstlichen Universität der Salesianer in Rom.[3][4] Später wurden ihm an derselben Universität die Kurse Mittelalterliche lateinische Literatur und Praktikum zur Didaktik der klassischen Sprachen übertragen. Die Lehraufträge an dieser Universität wurden nach dem akademischen Jahr 2018/2019 nicht mehr verlängert.

Seit 2011 ist er Mitglied der Academia Latinitati Fovendae[5] und seit 2012 Akademiker der Pontificia academia latinitatis.[6]

Ihm ist es zu verdanken, dass die Naturmethode von Hans Ørberg zur Lehre von Griechisch und Latein in Italien angepasst und verbreitet wurde, nachdem diese in den 1960er Jahren von Giacomo Devoto und Scevola Mariotti zwar erstmals, jedoch erfolglos, in Betracht gezogen wurde.[7][8][9][10] In den Lehrplänen der italienischen Gymnasien (Anhang des Dekrets Min. 211/2010) wird die Naturmethode als „eine interessante Alternative zum traditionellen Studium der normativen Grammatik“ vorgeschlagen, da sie „eine synthetische Spracherfassung ermöglicht, die direkt von den Texten ausgeht.“

Zusammen mit Hans Henning Ørberg und Tommaso Francesco Bórri veröffentlichte er Latine disco, aus der Reihe Lingua Latina per se illustrata. Mit demselben Bórri adaptierte er den von der University of Oxford erstellten Text für das Griechischlernen nach der Naturmethode (Maurice Balme und Gilbert Lawall, Athènaze: An Introduction to Ancient Greek). Die italienische Ausgabe, mit dem Titel Athènaze, ist das Werk des Verlags der von ihm geleiteten Institution, der Accademia Vivarium Novum.

Er gab zusammen mit Manlio Sodi und Roberto Spataro Veterum Sapientia. Storia – cultura – attualità (2013) heraus, veröffentlicht vom Verlag der Päpstlichen Universität der Salesianer.

Seit September 2016 betreut er die wöchentliche Kolumne Mercurius (in lateinischer Sprache) der Tageszeitung Avvenire.[11]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Latine disco, Vivarium, 1999.
  • Athènaze, Vivarium, 1999 ISBN 978-88-95611-07-5.
  • Metodo natura e storia culturale, in A ciascuno il suo latino, La didattica delle lingue classiche dalla scuola di base all'università. Atti del Convegno di studi a cura di G. Milanese, Galatina, Congedo Editore, 2004. ISBN 978-88-8086-510-0
  • mit Christopher G. Brown, Lingua Latina per se illustrata: Latine Doceo: A Companion for Instructors, Hackett Publishing Company, 2004. ISBN 978-1-58510-093-4
  • Fabulae Syrae, Vivarium, 2008, neu aufgelegt mit dem Titel Lingua latina. Fabulae Syrae bei Hackett Publishing Company 2011. ISBN 978-1-58510-428-4
  • Vita moresque, Vivarium, 2009. ISBN 978-88-95611-45-7

Literatur

  • Olivier Rimbault, L’avenir des langues anciennes: Repenser les humanités classiques, Presses Universitaire de Perpignan, 2012.
  • Juliane Schmid, Lingua Latina per se illustrata? Ørbergs Latein-Lehrbuch in der Schule, Bachelor + Master Publishing, Hamburg 2011, ISBN 978-3-95549-289-2 (Bachelorarbeit TU Dresden).

Einzelnachweise

  1. Stella Cervasio: Luigi Miraglia, napoletano, docente al liceo di Montella celebrato dal 'New Yorker' con dieci pagine. In: La Repubblica. 12. Oktober 2001, abgerufen am 8. November 2009 (italienisch).
  2. a b c Luigi Miraglia - Biografia. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. November 2009; abgerufen am 8. November 2009 (italienisch).
  3. Anagrafica docenti - Miraglia Luigi. Abgerufen am 8. November 2009 (italienisch).
  4. Corpus docentium - Facoltà di lettere cristiane e classiche - UPS Roma. Abgerufen am 8. November 2009 (italienisch).
  5. Sodales ALF. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 11. September 2016; abgerufen am 1. September 2016 (italienisch).
  6. XVII seduta pubblica delle pontificie accademie. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 21. September 2016; abgerufen am 1. September 2016 (italienisch).
  7. Gala L. de Lerma, Alba Ambròs. Universitat de Barcelona. Enseñanza de la lengua latina: resultados preliminares sobre las ventajas e inconvenientes en el empleo de diferentes metodologías: ...Este método (Ørberg Anm.), muy extendido en Italia, de la mano de Luigi Miraglia y su Academia de Vivarium Novum... (PDF) Abgerufen am 1. September 2016 (spanisch).
  8. Riccardo Palmisciano (Orientale di Napoli) - Per una riformulazione del curriculum di letteratura greca e latina nel Ginnasio e nei Licei. (PDF) Abgerufen am 1. September 2016 (italienisch, Die erste Ausgabe dieses innovativen Kurses... wurde auch in Italien positiv aufgenommen... In jüngeren Jahren wurden in Italien dank der verdienstvollen Arbeit von Luigi Miraglia und der Accademia Vivarium Novum in Montella (AV) auch mehrere „Ørberg“-Kurse sowohl für Griechisch als auch für Latein veröffentlicht.).
  9. Olivier Rimbault (Université Perpignan), L’avenir des langues anciennes: Repenser les humanités classiques. Abgerufen am 1. September 2016 (französisch, „...in Italien durch Luigi Miraglia, ansonsten ein großer Verteidiger eines Unterrichts der klassischen Geisteswissenschaften in Latein.“).
  10. Juliane Schmid, Lingua Latina per se illustrata? Ørbergs Latein-Lehrbuch in der Schule. Abgerufen am 2. September 2016.
  11. Mercurius. Abgerufen am 20. März 2017 (italienisch).
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