Ludwig Gengnagel
Ludwig Gengnagel (* 8. Juli 1881 in Basrur, Mysore, heute Bundesstaat Karnataka, Indien; † 23. November 1964 in Ludwigsburg) war ein deutscher Religionspädagoge.
Leben
Gengnagel wurde als Sohn eines Missionarsehepaars geboren. Sein jüngerer Bruder war der Kirchenmusiker Paul Gengnagel. Mit sechs Jahren besuchte Ludwig Gengnagel eine Heimschule der Basler Mission. Später wurde er Lehrer und unterrichtete im hessischen Niederramstadt, Crailsheim und im württembergische Lehrerinnenseminar Markgröningen. 1914 heiratete er Hanna Wünsch. Mit ihr hatte er sechs Kinder. 1917 wurde er eingezogen und war Soldat bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Nach Kriegsende wurde er wieder Lehrer und 1925 Rektor einer Volksschule für Knaben im württembergischen Ludwigsburg.[1] Zeitgleich trat er dem pietistischen Bund Evangelische Lehrergemeinschaft bei und publizierte dort in der Reihe Der Lehrerbote pädagogische Beiträge. Im Christlich-Sozialen Volksdienstes engagierte sich Gengnagel politisch und war deren Kandidat im Ludwigsburger Stadtrat.
Konflikt mit den Nationalsozialisten
1936 wurde ihm der Vorsitz des Ludwigsburger Ortsschulrates wegen seiner früheren Mitgliedschaft in der Evangelischen Lehrergemeinschaft (1929 bis 1933) entzogen. 1937 kam es zu einem Konflikt zwischen Gengnagel und dem damaligen NS-Kultminister in Württemberg, Christian Mergenthaler. In der Folge wurde Gengnagel vom Amt des Rektors und Schulleiters enthoben und zum Hauptschullehrer degradiert. Gleichzeitig verlor er sein Amt als erster Schulleiter der Ludwigsburger Schulen und wurde schließlich 1939 zwangspensioniert.[2]
Mergenthaler hatte in einem Erlass angeordnet, alttestamentliche Stoffe aus dem Unterricht zu entfernen. Das Alte Testament sei artfremd und wurde in der nationalsozialistischen Rassenideologie als Zeugnis jüdischer Lohnmoral verurteilt. Gengnagel hatte die Umsetzung dieses Erlasses verweigert und am 14. Juli 1937 geschrieben, er sähe keine Veranlassung, alttestamentliche Stoffe aus dem Unterricht zu streichen. Noch im selben Jahr erschienen im Calwer Verlag Unterrichtshilfen für den Religionsunterricht zum Alten Testament. Ab 1940 leitete Gengnagel in Ludwigsburg im Auftrag der Landeskirche katechetische Kurse, in denen sich Freiwillige für die Erteilung eines kirchlichen Religionsunterrichts außerhalb staatlicher Schulen qualifizieren konnten. Bis September 1944 führte Gengnagel 28 Kurse durch.[3]
Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte sich Gengnagel an der Neuordnung des Religionsunterrichts in Württemberg, sprach sich für die Gemeinschaftsschule aus, gestaltete Lehrpläne mit, bildete
Religionslehrer aus und veröffentlichte Unterrichtshilfen. Auf diese Weise beeinflusste Gengnagel das Geschehen im Religionsunterricht bis in die 1970er Jahre hinein.
Weblinks
- Biografie. Abgerufen am 29. Dezember 2014.
- Gengnagel, Ludwig. Hessische Biografie. (Stand: 15. April 2021). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
Einzelnachweise
- ↑ Ludwig Gengnagel. In: Online-Ausstellung: Widerstand!? Evangelische Christinnen und Christen im Nationalsozialismus. Abgerufen am 17. Dezember 2025.
- ↑ Arbeitskreis Kirchliche Zeitgeschichte: Ludwig Gengnagel: ein evangelischer Pädagoge im 20. Jahrhundert. Abgerufen am 17. Dezember 2025.
- ↑ Arbeitskreis Kirchliche Zeitgeschichte: Evangelische Christinnen und Christen im Nationalsozialismus: Ludwig Gengnagel. Abgerufen am 17. Dezember 2025.