Ludwig E. Feinendegen
Ludwig Emil Feinendegen (* 1. Januar 1927 in Garzweiler; † 17. August 2024 in Lindau[1]) war ein deutscher Strahlenmediziner und ordentlicher Professor für Nuklearmedizin.
Leben
Ludwig E. Feinendegen wurde als Sohn von Rosa Feinendegen, geborener Klauth, und des Oberkreisdirektors Ludwig Feinendegen im rheinländischen Garzweiler geboren. Nach dem Arbeits- und Wehrdienst 1944–1945 legte er 1946 das humanistische Abitur in Mönchengladbach ab, studierte 1947–1952 Medizin an der Universität Köln, absolvierte das Medizinische Staatsexamen, wurde in Köln bis 1953 Assistent an der Medizinischen Universitätsklinik und 1952 zum Dr. med. promoviert. Von 1953 bis 1957 setzte er seine Weiterbildung in Radiologie und Innerer Medizin fort als Assistenzarzt am St.-Cornelius-Hospital Dülken, von 1957 bis 1968 in den Vereinigten Staaten von Amerika am Saint Vinzent’s Hospital in New York City. Von dort begann er 1958 als Arzt und Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Brookhaven National Laboratory, Medical Department, Upton (NY), mit zellbiologisch-radiobiologischer Grundlagenforschung im Verbund klinischer Arbeit. Von 1962 bis 1967 war er Wissenschaftlicher Referent bei EURATOM in Brookhaven (1962), Brüssel (1963) und Paris (ab 1964, am Curie Institute du Radium). Von Paris wurde er 1967 als Ordinarius für Nuklearmedizin an die Universität Düsseldorf berufen und zugleich Leiter des Instituts für Medizin der Kernforschungsanlage Jülich, heute Forschungszentrum Jülich. Er wohnte seitdem in Jülich-Stetternich. Im Jahr 1976 wurde er Direktor der Nuklearmedizinischen Klinik der Universität Düsseldorf. 1993 wurde er emeritiert. Danach blieb er wissenschaftlich tätig an der Universität Düsseldorf, in Jülich und in den USA (Brookhaven, NY, im US Dpt. of Energy und als Fogarty Scholar und Gast im NIH in Washington DC bzw. Bethesda, MD). Er war Mitglied in verschiedenen nationalen und internationalen Kommissionen.
Seine Aufgabengebiete waren klinische und experimentelle Nuklearmedizin, Zellbiologie und Radiobiologie. Nachhaltige Entdeckungen und Entwicklungen schließen ein:
- Erste Beschreibung der RNA-Synthese im Chromatin-Bereich des Zellkerns mit anschließender Passage der RNA in den Nucleolus des Zellkerns und in das Zytoplasma während des Zellzyklus; keine RNA-Synthese während der Zellteilung.
- Entwicklung von Multi-Parameter-Techniken zur Beobachtung und Quantifizierung definierter biochemischer Reaktionen im Körper mithilfe nuklearmedizinischer Messmethoden.
- Erste Beschreibung und Analyse potentieller Risiken und Nutzen des Auger-Effektes (atomarer Hochenergie-Brennpunkt) in zellbiologischen Systemen.
- Erste Beschreibung temporärer Veränderung von intrazellulären Signalen durch kleine Dosen von locker ionisierenden Strahlen mit dem Hinweis potentieller Induktion von zellulären Reparatur- und Schutzmechanismen.
- Entwicklung und Einführung des Zell-Dosis-Konzeptes für die Analyse von Risiken und biologischen Reaktionen nach Bestrahlung mit kleinen Dosen.
Ehrungen wurden ihm zuteil, so unter anderem 1991 der Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen und die Röntgen-Plakette, 1994 das Große Bundesverdienstkreuz der BRD, 1995 die Hanns-Langendorff-Medaille[2] und 2010 die Ehrenmitgliedschaft der Schutzkommission.
Umstritten war das Eintreten von Feinendegen für die von der Internationalen Strahlenschutzkommission nicht akzeptierte Hypothese der Strahlenhormesis, nach der ionisierende Strahlung in niedriger Dosis nicht nur nicht schädlich, sondern sogar nützlich sein soll.[3]
Ludwig E. Feinendegen war katholisch, seit 1947 Mitglied der katholischen Studentenverbindung KDStV Rheinland Köln, heiratete 1960 die aus Basel stammende Jeaninne Gemuseus und hatte zwei Kinder (Dominik und Christoph). Sein Bruder ist der Rechtsanwalt, Politiker und ehemalige Bundestagsabgeordnete Wolfgang Feinendegen.
Mitgliedschaften
- ab 1961: Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften
- 1969 bis 1979: NCRP Com. 24 (Vereinigte Staaten)
- ab 1970: Vorstand des Instituts für biomedizinische Technik (Helmholtz-Institut)
- ab 1971: Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste
- 1971 bis 1979: Institut für Systemanalyse an der Universität Aachen
- ab 1972: Bundesgesundheitsrat
- 1973 bis 1985: International Commission on Radiological Protection (IRCP) in England
- International Commission on Radiation Units and Measurements (ICRU) in Washington (Vereinigte Staaten)
- ab 1974: Schutzkommission beim Bundesminister des Innern (Fachausschuss für Strahlenschutz und -krankheiten)
- ab 1978: Mitglied des Beirats für Wissenschaft und Literatur des Goethe-Instituts München
- 1979 bis 2005: Kuratorium für die Tagungen der Nobelpreisträger in Lindau (zeitweise auch Vizepräsident[4] des Kuratoriums)
- ab 1981: Beirat der Abteilung Strahlenhygiene des Bundesgesundheitsamts in Berlin
Publikationen (Auswahl)
- Tritiumlabeled molecules in biology and medicine. Academic Press, New York / London 1967.
Literatur
- Michael Feld: Ludwig E. Feinendegen. „Excellence for Power“. Lennart Bernadotte Stiftung, Insel Mainau 2005, ISBN 3-00-016543-6.
- Feinendegen, Ludwig E. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 296.
Weblinks
- Nachruf auf Prof. Dr. med. Ludwig Emil Feinendegen. In: Jahrbuch 2023/2024. Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste, S. 172.
- Literatur von und über Ludwig E. Feinendegen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
- ↑ Traueranzeige Ludwig Feinendegen. In: Schwäbische Trauer. 31. August 2024, abgerufen am 31. Dezember 2025.
- ↑ Hanns-Langendorff-Medaille für das Lebenswerk. In: langendorff-stiftung.de. Abgerufen am 16. Februar 2019.
- ↑ Ludwig E. Feinendegen (undatiert, nach Emeritierung): Hormesis - Wie wirkt Niedrigstrahlung? ( vom 6. Juli 2014 im Internet Archive)
- ↑ Michael Feld: 60 Jahre Lindauer Nobelpreisträgertagung: Was die Welt zusammenhält. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 7. März 2019]).