Ludwig-Erhard-Gipfel
Der Ludwig-Erhard-Gipfel ist ein nach dem ehemaligen Wirtschaftsminister und Bundeskanzler Ludwig Erhard benanntes Networking- und Diskussionsforum, welches seit 2014 jährlich von der Weimer Media Group in Gmund am Tegernsee veranstaltet wird.[1] Es treffen sich in diesem Rahmen Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien. Der Gipfel versteht sich als Plattform für den Austausch zwischen Entscheidungsträgern. Diskutiert werden gesellschaftliche, ökonomische und geopolitische Fragen.[2]
Teilnehmer
Die Teilnahme am Gipfel ist kostenpflichtig. Eine Gebühr für die Teilnahme von etwaigen Partnerunternehmen an Gesprächsrunden wird laut Zeit individuell mit den Veranstaltern ausgehandelt: „Branchenüblich sind (…) Preise zwischen 20.000 und 100.000 Euro – gerne auch mehr, je prominenter die Gesprächsrunden im großen Saal von Politikern besetzt sind.“[3]
Eine Liste der Teilnehmer des Gipfels von 2025 findet sich auf der Website des Forums.[4] Teilnehmende Politiker waren u. a. Friedrich Merz, Markus Söder, Christian Lindner, Hubert Aiwanger, Ricarda Lang, Philipp Amthor, Thorsten Frei und Joachim Gauck.
Die Veranstalter sehen den Gipfel als Treffen der politischen Mitte und schließen die Teilnahme von Vertretern der Parteien AfD, BSW und Die Linke aus.[5][6]
Sponsoren
Im Jahr 2025 zählten unter anderem die Unternehmen Audi, AVIA, British American Tobacco, die Krypto-App Bitpanda, EY, Roland Berger, Morgan Stanley, J.P. Morgan, die Warburg Bank, Alix Partners sowie Google und McDonald’s zu den Sponsoren der Veranstaltung.[7][8]
Unterstützung durch staatliche Mittel
Laut Süddeutscher Zeitung flossen zwischen 2022 und 2025 aus verschiedenen Etats in Bayern rund 700.000 Euro öffentlicher Mittel zur Unterstützung des Gipfels. Laut Auskunft des bayerischen Wirtschaftsministeriums subventionierte die vom Ministerium institutionell geförderte Agentur „Bayern Innovativ“ den Ludwig-Erhard-Gipfel des Jahres 2025 „im Rahmen des satzungsgemäßen Zwecks der Gesellschaft im Umfang von 165.000 Euro“. Im Jahr 2024 waren es demnach 140.000 Euro, 2023 und 2022 jeweils 75.000 Euro. Vor 2022 habe es demnach offenbar keine solche Förderung für den Gipfel gegeben. Aufgrund der Kritik an der staatlichen Unterstützung hat die bayerische Staatsregierung 2025 eine interne Compliance-Prüfung eingeleitet, ob die Förderung weiterhin möglich ist.[9][10][11] Im Januar 2026 setzte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder seine Schirmherrschaft für 2026 aus und verzichtete auf eine Teilnahme am Gipfel. Auch einen Staatsempfang soll es zunächst nicht geben.[12]
Einschätzungen zum Einfluss
In der Selbstbeschreibung der Weimer Media Group heißt es: „Es ist das Treffen der Meinungsführer Deutschlands, die zu brennenden Themen unserer Zeit interessante Denkansätze und neue Lösungswege finden wollen. Vorstandsvorsitzende großer Konzerne tauschen sich mit Ministern ebenso aus wie die führenden Medienköpfe der Republik mit Wirtschaftsforschern.“[13] Medien bezeichneten das Treffen unter anderem als „deutsches Davos.“[14][15][16] Nachdem der Veranstalter Wolfram Weimer im Mai 2025 von Friedrich Merz zum Kulturstaatsminister berufen wurde, erschienen mehrere Berichte über die Bedeutung des Gipfels für die Bundesregierung Merz.[17][18] Christiane Goetz-Weimer nahm dem Münchner Merkur gegenüber in Anspruch: „Wir verstehen uns als Gipfel der bürgerlichen Mitte. Der Ludwig-Erhard-Gipfel ist quasi die Keimzelle der neuen Bundesregierung. Hier, abseits des kalten politischen Berlins, sind sich Lars Klingbeil und Friedrich Merz auf andere Weise begegnet. Es geht bei unserem Gipfel darum, Brücken zu bauen.“[19]
Kritik
Medial wurden mögliche Interessenskonflikte thematisiert. So wurde etwa darauf hingewiesen, dass Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche seit Jahren zu den häufigsten Gästen der Veranstaltung zählen.[20] Die Zeit warf dem Ehepaar Weimer vor, den Gipfel zu einem „einträglichen Geschäftsmodell“[21] gemacht zu haben. Die Süddeutsche Zeitung sprach von einer „Tegernsee-Connection“ und verwies auf die persönlich engen Beziehungen zwischen dem Bundeskanzler und dem Verleger, die beide Immobilien in der Region besitzen.[22]
Im November 2025 wurde bekannt, dass die Weimer Media Group beim Ludwig-Erhard-Gipfel Unternehmen gegen Bezahlung von bis zu 80.000 Euro den Kontakt zu Ministern anbietet.[23] Weimer wies die Vorwürfe zurück und teilte mit, dass er mit seinem Amtsantritt sein Geschäftsführermandat niedergelegt und keine Funktion mehr habe. Die Stimmrechte würden vertraglich von der Mitgesellschafterin (Weimers Frau Christiane Goetz-Weimer)[24] ausgeübt. Die Weimer Media Group teilte mit, dass man sich beim „Ludwig-Erhard-Gipfel“ keinen Zugang zu Regierungsmitgliedern kaufen könne.[25] Nach Vorwürfen von Interessenkonflikten gegen Weimer kündigte dieser an, seine Anteile von 50 Prozent an der Weimer Media Group bis Ende 2025 für die Dauer seiner Amtszeit bei der Bundesregierung an einen Treuhänder zu übergeben.[26]
Freiheitspreis der Medien
Seit 2017 wird dabei der Freiheitspreis der Medien an Personen vergeben, die sich nach Ansicht der Veranstalter „in besonderer Weise für freie Meinungsäußerung, politischen Dialog und Demokratie einsetzen.“[27] Zu den Preisträgern zählen u. a. Reinhard Kardinal Marx, Christian Lindner, Jens Weidmann, Jean-Claude-Juncker, Fürst Albert II. von Monaco, Wolodymyr Selenskyj, das Ehepaar Nawalny und Joachim Gauck. Als Begründung für die Preisverleihung an den damaligen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz im Jahre 2021[28] hieß es beispielsweise, Kurz habe sich als europäischer Brückenbauer hervorgetan und es innenpolitisch verstanden, „lange verfeindete politische Lager in unterschiedlichen Regierungskoalitionen demokratisch konstruktiv einzubinden.“[29]
Einzelnachweise
- ↑ "Ludwig-Erhard-Gipfel": Spitzentreffen am Tegernsee. 17. April 2024, abgerufen am 16. Mai 2025.
- ↑ Zacharias Zacharakis: Ludwig-Erhard-Gipfel: Man kennt sich, man hilft sich. In: Die Zeit. 9. Mai 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 16. Mai 2025]).
- ↑ Zacharias Zacharakis: Ludwig-Erhard-Gipfel: Man kennt sich, man hilft sich. In: Die Zeit. 9. Mai 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 16. Mai 2025]).
- ↑ Ludwig-Erhard-Gipfel | Tegernsee Summit. Abgerufen am 16. Mai 2025.
- ↑ „Ludwig-Erhard-Gipfel“: Spitzentreffen am Tegernsee. 17. April 2024, abgerufen am 16. Mai 2025.
- ↑ Focus online: „Wir bieten Extremisten, Feinden der Demokratie und Gegnern der EU keine Bühne“. In: Focus online. 23. März 2024 (focus.de [abgerufen am 16. Mai 2025]).
- ↑ Zacharias Zacharakis: Ludwig-Erhard-Gipfel: Man kennt sich, man hilft sich. In: Die Zeit. 9. Mai 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 16. Mai 2025]).
- ↑ Unsere Partner
- ↑ Bayern zahlte 700 000 Euro für Weimer-Gipfel am Tegernsee
- ↑ Wirbel um Tegernsee-Gipfel: Nur noch Staatsminister – Weimer legt Firmenanteile auf Eis
- ↑ Bayern überprüft Unterstützung von Ludwig-Erhard-Gipfel
- ↑ Ludwig-Erhard-Gipfel: Nach Vorwürfen gegen Weimer - Söder setzt Schirmherrschaft bei Wirtschaftsgipfel aus, in: Die Welt vom 12. Januar 2026.
- ↑ Ludwig-Erhard-Gipfel. In: WEIMER MEDIA GROUP. Abgerufen am 16. Mai 2025.
- ↑ Wirtschaftsgipfel am Tegernsee: Hoffnung auf Wachstum. 8. Mai 2025, abgerufen am 16. Mai 2025.
- ↑ Merz, Weimer & Co.: Top-Entscheider am Tegernsee. 11. Mai 2025, abgerufen am 16. Mai 2025.
- ↑ "Ludwig-Erhard-Gipfel": Spitzentreffen am Tegernsee. 17. April 2024, abgerufen am 16. Mai 2025.
- ↑ Merz, Weimer & Co.: Top-Entscheider am Tegernsee. 11. Mai 2025, abgerufen am 16. Mai 2025.
- ↑ Julius Seibt: Wolfram Weimers Tegernsee: Was ist da für eine konservative Keimzelle entstanden. In: Der Freitag. 14. Mai 2025, ISSN 0945-2095 (freitag.de [abgerufen am 16. Mai 2025]).
- ↑ Gipfeltreffen am Tegernsee: „Sind quasi die Keimzelle der neuen Bundesregierung“. 24. April 2025, abgerufen am 16. Mai 2025.
- ↑ Julius Seibt: Wolfram Weimers Tegernsee: Was ist da für eine konservative Keimzelle entstanden. In: Der Freitag. 14. Mai 2025, ISSN 0945-2095 (freitag.de [abgerufen am 16. Mai 2025]).
- ↑ Zacharias Zacharakis: Ludwig-Erhard-Gipfel: Man kennt sich, man hilft sich. In: Die Zeit. 9. Mai 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 16. Mai 2025]).
- ↑ Hans-Jürgen Jakobs: Designierter Kulturstaatsminister Weimer und Merz – die Tegernsee-Connection. 28. April 2025, abgerufen am 16. Mai 2025.
- ↑ Sophie-Marie Schulz: Wolfram Weimers Medienunternehmen verkauft Abendessen mit Ministern für 80.000 Euro. In: berliner-zeitung.de. 17. November 2025, abgerufen am 17. November 2025.
- ↑ Opposition fordert von Weimer Aufklärung zu Beteiligung an Unternehmen. In: zeit.de. 18. November 2025, abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ Michael Hanfeld: „Das ist schlicht eine Lüge“. In: faz.net. 18. November 2025, abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ tagesschau.de: Kulturstaatsminister Weimer trennt sich von Firmenanteilen. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Ludwig-Erhard-Gipfel. In: WEIMER MEDIA GROUP. Abgerufen am 16. Mai 2025.
- ↑ Bundeskanzler Kurz mit "Freiheitspreis der Medien" ausgezeichnet – Kanzler spricht von Österreich als "Brücke zu Osteuropa" und fordert Kraftanstrengung für wirtschaftlichen Wiederaufbau nach der Pandemie - Bundeskanzleramt Österreich. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 20. März 2025; abgerufen am 16. Mai 2025 (deutsch).
- ↑ Freiheitspreis. In: Ludwig-Erhard-Gipfel | Tegernsee Summit. Abgerufen am 16. Mai 2025.