Lucius Funisulanus Vettonianus
Lucius Funisulanus Vettonianus (vollständige Namensform Lucius Funisulanus Luci filius Aniensis Vettonianus) († ca. 98[1]) war ein römischer Politiker und Senator im 1. Jahrhundert n. Chr.
Funisulanus war vermutlich Italiker, wie sein Gentilname zeigt. Ob er in Forum Popili geboren wurde, ist unklar, obwohl seine Zugehörigkeit zur Tribus Aniensis dafür sprechen könnte. Seine Karriere ist durch zwei Inschriften dokumentiert: aus Andautonia (Pannonien)[2] und aus Forum Popili.[3] Beide lassen einzelne Ämter aus.
Er begann als Tresvir capitalis oder Triumvir monetalis auro argento aere flando feriundo (Triumvir für die Prägung von Gold-, Silber- und Bronzemünzen) und diente als Militärtribun der Legio VI Victrix in Spanien. Danach war er Quästor in der Provinz Sicilia. Nach Rom zurückgekehrt, erlangte er die Ämter des Volkstribun und des Prätors. Als Legat der Legio IIII Scythica nahm er im Jahr 62 am Armenienfeldzug unter Lucius Iunius Caesennius Paetus teil, der erfolglos verlief.[4] Trotz der Niederlage wurde Funisulanus nicht für den Misserfolg verantwortlich gemacht.[5] Nach dem Feldzug wurde die Legion nach Syrien verlegt, Funisulanus vermutlich nach Rom zurückgerufen.[6]
Unter Kaiser Vespasian war er Praefectus aerari Saturni und Curator der via Aemilia; zudem wird die Cura aquarum erwähnt, wahrscheinlich als Beisitzer. Als Suffektkonsul ca. 78 war Quintus Corellius Rufus sein Kollege. Danach wurde er in die Priesterschaft der Septemviri epulonum aufgenommen und verwaltete als legatus Augusti pro praetore nacheinander die Provinzen Dalmatia, ca. 80/83, Pannonia, etwa 84/85 und Moesia superior, ca. 85/86.
Im Dakischen Krieg (ca. 85–89) spielte Funisulanus als Legat von Moesia superior eine zentrale Rolle. Nach dem Einfall der Daker unter König Duras (später Decebalus) in Moesien im Winter 85/86, bei dem der Statthalter Gaius Oppius Sabinus getötet wurde[7], übernahm Funisulanus die Verteidigung der neu gegründeten Provinz Moesia superior. Unter Kaiser Domitians persönlicher Aufsicht, der nach Moesien eilte, gelang es ihm, die dakerischen Angriffe zurückzuschlagen, die römische Kontrolle wiederherzustellen und die Donaugrenze zu sichern. Seine Erfolge führten dazu, dass Decebalus Friedensverhandlungen anbot.[8] Diese Phase des Krieges (ca. 85–86), vor den Offensiven von Cornelius Fuscus (87) und Lucius Tettius Iulianus (88), umfasste wahrscheinlich Belagerungen feindlicher Stellungen, Feldschlachten und möglicherweise Flussoperationen an der Donau, da die Römer Flotten für Logistik und Truppenbewegungen nutzten.
Für seine Verdienste im Dakischen Krieg erhielt Funisulanus von Domitian außergewöhnliche militärische Auszeichnungen (dona militaria): Corona muralis, verliehen für die Erstürmung feindlicher Mauern. Corona vallaris, Auszeichnung für die Erstürmung eines feindlichen Lagers. Corona classica, Flottenkrone, die auf Beteiligung an Flussoperationen hinweist. Corona aurea, Goldkrone für außergewöhnlichen Mut oder herausragende militärische Erfolge, eine seltene und prestigeträchtige Ehre. Vier reine Speere (hastis puris IIII), Symbolische Speere ohne Spitze, die für herausragende Führung und Tapferkeit verliehen wurden. Vier Standarten (vexillis IIII), Militärische Banner, die für taktische Erfolge oder die erfolgreiche Leitung von Truppen verliehen wurden.
Nach dem moesischen Kommando wurde Funisulanus in die Sodales Augustales aufgenommen. Sein letztes Amt war der Prokonsulat der Provinz Africa, vermutlich gegen Ende von Domitians Herrschaft (ca. 90).
Vettonianus’ Grabmal lag an der via Latina.[9] Sein Sohn wird Titus Pomponius Mamilianus Rufus Antistianus Funisulanus Vettonianus, Konsul im Jahr 100, gewesen sein. Funisulana Vettulla, die Gattin des Gaius Tettius Africanus[10] (praefectus Aegypti im Jahr 82), war wohl seine Tochter.
Literatur
- Edmund Groag: Funisulanus 2. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VII,1, Stuttgart 1910, Sp. 301–305.
- Rudolf Hanslik: Funisolanus 1. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 2, Stuttgart 1967, Sp. 639.
- Bengt E. Thomasson: Fasti Africani. Senatorische und ritterliche Amtsträger in den römischen Provinzen Nordafrikas von Augustus bis Diokletian (= Skrifter utgivna av svenska institutet i Rom / Acta instituti romani regni sueciae. Band 4°,LIII). Paul Åström, Stockholm 1996, ISBN 91-7042-153-6, S. 47 f.
- Prosopographia Imperii Romani (PIR) ² F 0570.
Einzelnachweise
- ↑ AE 1936, 95.
- ↑ CIL 3, 4013.
- ↑ CIL 11, 571.
- ↑ Tacitus, Annalen 15,7–15.
- ↑ Tacitus, Annalen 15,10.
- ↑ Tacitus, Annalen 15,25.
- ↑ Sueton, Domitian 6; Cassius Dio, Römische Geschichte, 67,6,3.
- ↑ Cassius Dio, Römische Geschichte, 67,6,5.
- ↑ AE 1913, 224.
- ↑ CIL 3, 35.