Lucio Mosé Benaglia
Lucio Mosè Benaglia (* 1960 in Bergamo) ist ein italienischer Komponist, Organist und Kulturmanager, der in München lebt und wirkt. Er schuf kirchenmusikalische Werke, die oft aktuelle gesellschaftliche Themen aufgreifen, und widmet sich der editorischen Pflege des Werkes von Gaetano Donizetti und Johann Simon Mayr.
Werdegang
Benaglia wurde in Bergamo geboren. Seine musikalische Ausbildung begann er mit Klavierstudien, die er unter anderem am Conservatorio Giuseppe Verdi in Mailand und am Istituto Musicale Gaetano Donizetti in Bergamo absolvierte.[1]
Nach seinem Umzug nach München war er zunächst im Finanzsektor tätig, wo er unter anderem als Kulturmanager für die Banca Popolare di Bergamo Konzertprojekte organisierte. Später fokussierte er sich vollständig auf die Kirchenmusik und absolvierte die C-Ausbildung der Erzdiözese München und Freising. Zu seinen Lehrern zählten Wolfgang Kiechle (Chorleitung) und Stephan Zippe (Gregorianik). Kompositionsstudien nahm er ab 2016 privat bei dem amerikanischen Komponisten Laurence Traiger (1956–2024).
Benaglia ist Organist der Italienischen Katholischen Gemeinde in München, die ihre Gottesdienste primär in der Bürgersaalkirche feiert.[2] Eine enge künstlerische Zusammenarbeit verbindet ihn zudem mit dem MaxChor der Pfarrei St. Maximilian im Glockenbachviertel.[3]
Werk
Benaglias kompositorisches Schaffen umfasst über 40 Opuszahlen (Stand 2025), darunter geistliche Vokalwerke, Instrumentalmusik und Transkriptionen. Stilistisch bewegt er sich in einer neotonalen Sprache, die Elemente der italienischen Belcanto-Tradition mit deutscher Kirchenmusik verbindet. Er veröffentlicht seine Werke in der eigenen Benaglia Edition.
Geistliche Vokalwerke
Besondere Aufmerksamkeit erlangten in den 2020er Jahren Werke mit politischem oder humanitärem Bezug:
- Stabat Mater für Mariupol (Op. 34): Das 2022 komponierte Werk für Soli, Chor und Streichorchester widmete Benaglia der ukrainischen Stadt Mariupol sowie den Opfern des dortigen Krieges. Die Uraufführung fand am 1. und 2. April 2023 in München statt.[4]
- The Song of Simeon (Op. 41): Eine symphonische Kantate über das Nunc dimittis, uraufgeführt im November 2025 im Herkulessaal der Münchner Residenz. Das Werk ist dem Andenken seines Lehrers Laurence Traiger gewidmet.[5]
- In dulci jubilo (Op. 29): Eine Weihnachtskantate im Barockstil, die unter anderem im Januar 2025 in der Thomaskirche in Leipzig aufgeführt wurde.
Forschung und Editionen
Benaglia widmet sich der Wiederentdeckung und Bearbeitung von Werken aus seiner Heimatregion Bergamo. Dazu gehört die Revision und Ergänzung der Kantate La fuga di Tisbe von Donizetti sowie Transkriptionen von Werken Mayrs.
Werkverzeichnis (Auswahl)
- The Song of Simeon (Nunc dimittis), Op. 41 (2025) – Symphonische Kantate
- Schtschedryk Ouverture, Op. 39 (2024) – für Orchester
- Stabat Mater für Mariupol, Op. 34 (2023) – für Soli, Chor und Streicher
- Eterno Resegù, Op. 33 (2022) – Chorwerk in bergamaskischem Dialekt
- In dulci jubilo, Op. 29 (2021) – Weihnachtskantate
- Symphonic Postcards – The Four Seasons, Op. 23 (2019) – Programmmusik
- Toccata marina, Op. 17 (2013) – für Orgel
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ About me. In: luciomosebenaglia.com. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
- ↑ Lucio Benaglia. In: Organi & Organisti. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
- ↑ Süddeutsche Zeitung: Wie ein sanfter Hagel von innen. In: Süddeutsche Zeitung. 24. Dezember 2005, abgerufen am 31. Dezember 2025.
- ↑ Süddeutsche Zeitung: Stabat mater für Mariupol. In: Süddeutsche Zeitung. 25. März 2023, abgerufen am 31. Dezember 2025.
- ↑ Kraftvolle Stimmen für eine verletzliche Welt. In: München Online. Abgerufen am 31. Dezember 2025.