Lucien Israël

Lucien Israël (* 14. Juni 1925 in Boulay-Moselle; † 18. Januar 1996 in Straßburg) war ein französischer Psychiater und Psychoanalytiker.[1]

Leben und Werk

Er wurde in der zweisprachigen Grenzregion Mosel in einer traditionalistisch-jüdischen Familie geboren. Er absolvierte ein Studium in Medizin und Psychiatrie und wurde anschließend Professor für Psychiatrie an der Universität Straßburg und Abteilungsleiter am Straßburger Krankenhaus. Seine Lehranalyse legte er bei Didier Anzieu und François Perrier ab, seine Kontrollanalyse bei Jacques Lacan. Ab 1954 praktizierte er als Psychoanalytiker und als Gerichtsgutachter, er wandte die Psychoanalyse auch in der medizinischen Psychologie an. Inspiriert von Lacans Werk hielt er in Straßburg ein Psychoanalyse-Seminar ab, von dem mehrere Mitschriften veröffentlicht wurden. Er war bis zu deren Auflösung im Jahr 1980 Mitglied der Freudschen Schule von Paris.

Er war für die starke Etablierung der Psychoanalyse in Straßburg und Ostfrankreich verantwortlich und er bildete zahlreiche Psychiater und Psychoanalytiker aus. Er entwickelte eine Theorie, die die Frage des unbewussten Begehrens analysiert, sowie Vorschläge für eine Ethik, die sich gegen jeden Besessenheitskult und alle Formen des Totalitarismus ausspricht. Er verleugnete nie seine Verbindung zu den Lehren des Talmud und seinen Interpretationen aus der Bibel und der Kabbala. Zu seinen Ideen zu Hysterie, Liebe und Ethik widmete ihm das Europäische Institut Emmanuel Levinas eine Kongressveranstaltung.[2]

Ehrungen/Positionen

  • Mitglied der Ecole Freudienne de Paris

Publikationen (Auswahl)

Monografien
  • La parole et l'aliénation: Deux séminaires : 1988–1989 et 1990, révision impertinente de quelques concepts psychanalytiques et L'aliénation(dt. Sprache und Entfremdung: Zwei Seminare: 1988–1989 und 1990, eine unverschämte Revision einiger psychoanalytischer Konzepte und Entfremdung). érès 2015, ISBN 978-2-7492-4639-0.
  • Marguerite D. au risque de la psychanalyse (dt. Marguerite D. auf dem Risiko einer Psychoanalyse). Érès 2012, ISBN 978-2-7492-2153-3.
  • Boiter n'est pas pécher: Essais d'écoute analytique (dt. Hinken ist keine Sünde: Essays zum analytischen Zuhören). Érès 2010, ISBN 978-2-7492-1296-8.
  • Le médecin face au désir: Le parcours freudien de Lucien Israël. ERES 2006, ISBN 978-2-7492-0529-8.
  • Le désir à l'oeil (dt. Lust im Auge). érès 2003, ISBN 978-2-7492-0191-7.
  • Initiation à la psychiatrie. Masson, Paris 2003.
  • Pulsions de mort (dt. Todestriebe). Érès 1999, ISBN 978-2-910729-22-6.
  • La Vie Jusqu'Au Bout. Euthanasie Et Autres Derives (dt. Leben bis zum Ende: Euthanasie und andere Missbräuche). Plon, Paris 1993, ISBN 978-2-259-02645-1.
  • La jouissance de l'hystérique (dt. Die Freude an der Hysterie). Érès 1996, ISBN 978-2-910729-12-7.
    • Span. Ausgabe: El goce de la Histèrica. Editorial Argonauta, Barcelona 1900, ISBN 978-950-9282-88-9.
    • Ital. Ausgabe: Il godimento dell'isterica. Seminario 1974 (Libertà di psicanalisi). Edizioni ETS, Pisa 2022, ISBN 978-88-467-6147-7.
    • Deutsche Ausgabe: Die unerhörte Botschaft der Hysterie. Ernst Reinhardt Verlag, München 2020, ISBN 978-3-497-02961-7.

Einzelnachweise

  1. Elisabeth Roudinesco; Michel Plon: Lucien Israël (1925-1996). In: Wörterbuch der Psychoanalyse. Namen, Länder, Werke, Begriffe. Springer, Wien 2004, ISBN 3-211-83748-5.
  2. Lucien Israël: l’hystérie, l’amour, l’éthique auf CulturePsyP7, abgerufen am 4. Oktober 2025.