Lucía Victoria Bacardí Cape

Lucia „Mimin“ Victoria Grau y Triana, geb. Bacardí Cape (* 1893 in Santiago de Cuba; † 1988 in Miami, USA) war eine kubanische Bildhauerin.[1][2]

Leben

Lucía Victoria Bacardí Cape entstammte einer wirtschaftlich und kulturell einflussreichen Familie. Ihre Mutter, Elvira Cape Lombard, war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine prominente Persönlichkeit des kulturellen Lebens in Santiago de Cuba. Ihr Vater, Emilio Bacardí, war Bürgermeister der Stadt sowie Historiker, Romanautor, Dramatiker und Kulturförderer. Die Familie gehörte zu den Eigentümern der Rumfirma Bacardí. In diesem intellektuellen und materiell privilegierten Umfeld erhielt Lucía Victoria Bacardí Cape früh Zugang zu umfassender Bildung.[1]

Im Zusammenhang mit dem kubanischen Unabhängigkeitskampf gegen die spanische Kolonialherrschaft wurde ihr Vater im Jahr 1896 auf die Islas Chafarinas deportiert. Ihre Mutter ging mit den Kindern ins Exil nach Jamaika, wo sie die Ausbildung ihrer Töchter fortsetzte und zugleich die kubanische Unabhängigkeitsbewegung unterstützte. In dieser Zeit erlernte Lucía Victoria Bacardí sowohl Spanisch als auch Englisch. Nach der Rückkehr der Familie nach Santiago de Cuba erhielt sie eine für Mädchen ihrer sozialen Schicht übliche Ausbildung, die unter anderem Sprachunterricht und weltanschauliche Inhalte umfasste.[1]

Entgegen den für Frauen zu dieser Zeit üblichen Erwartungen entschied sie sich für eine künstlerische Laufbahn und strebte den Beruf der Bildhauerin an. Im Alter von 17 Jahren ging sie nach Paris, um an der Académie Julian zu studieren. Dieser Aufenthalt prägte ihre handwerkliche und künstlerische Ausbildung nachhaltig. Im Oktober 1917 setzte sie ihre Studien in den Vereinigten Staaten fort und vertiefte dort ihre Kenntnisse in der Bildhauerei.[1]

Lucía Victoria Bacardí gilt als eine der ersten kubanischen Bildhauerinnen, die sich in einem von Männern dominierten Berufsfeld etablieren konnte. Sie stellte gemeinsam mit männlichen Kollegen aus und erhielt öffentliche sowie private Aufträge. Ihr Werk umfasst Porträts historischer Persönlichkeiten, Angehöriger und Kulturschaffender sowie religiöse und mythologische Themen und Aktdarstellungen. Zu ihren bekanntesten Arbeiten zählen Busto de José Martí (1915) und El tigre (1930), die sich heute unter anderem in der Sammlung des Museo Emilio Bacardí in Santiago de Cuba befinden.[1]

Lucía Victoria Bacardí arbeitete mit verschiedenen Materialien wie Gips, Terrakotta, Marmor und Bronze. Ihre Werke zeichnen sich durch eine solide handwerkliche Ausführung und eine klare formale Gestaltung aus. In ihrem Stil lassen sich Einflüsse ihrer akademischen Ausbildung in Frankreich und den USA sowie Anklänge an die moderne Bildhauerei des frühen 20. Jahrhunderts erkennen.

In den 1940er Jahren zog sich Bacardí Cape aus dem öffentlichen Kunstleben zurück. Sie lebte zunächst in Havanna und zog in den 1960er Jahren nach Miami, wo sie 1988 im Alter von 95 Jahren starb. Ihr künstlerischer Nachlass ist ein bedeutender Beitrag zur Geschichte der kubanischen Bildhauerei des 20. Jahrhunderts.[1]

Werk

Lucía Victoria Bacardís Œuvre umfasst Porträts sowie Werke mit religiöser und allegorischer Thematik. In ihren Skulpturen verband sie eine akademische Ausbildung mit expressiven formalen Elementen. Zu ihren bekanntesten Arbeiten zählen Paolo e Francesca, Cabeza de Martí, Cristo y los dos ladrones, El espíritu de la fuente, Indiferencia, Hatuey und La faunesa. Ihre Werke nehmen innerhalb der kubanischen Bildhauerei dieser Zeit eine eigenständige Position ein.[1]

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Lucía Victoria Bacardí – Las Mujeres en el arte. Abgerufen am 30. Dezember 2025 (spanisch).
  2. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 1: A – Bedeschini. Paris 2006.