Louis de Montmollin

Louis de Montmollin (* 17. November 1893 in Savagnier; † 6. September 1974 in Neuenburg) war ein Schweizer Offizier und Generalstabschef der Schweizer Armee von 1945 bis 1957.[1]

Leben

Montmollin entstammt einer alten Neuenburger Familie.[2] Er studierte einige Semester Theologie und Geisteswissenschaften an der Universität Neuenburg. 1916 bis 1920 arbeitete er als Sekretär für die Festungswerke Saint-Maurice.

1920 trat er als Oberleutnant in den Instruktionsdienst der Artillerie ein, 1927 wurde Montmollin Generalstabsoffizier. Ab 1936 nach anderer Quelle 1938[2] war er Stabschef der 2. Division, von 1940 bis 1942 Kommandant der Leichten Brigade 1. 1943 erfolgte die Beförderung zum Oberstdivisionär und Waffenchef der Artillerie. Ihm wurde klare Anweisungs- und Umsetzungsstärke sowie «zurückhaltende Herzlichkeit im persönlichen Umgang» bescheinigt.[2]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und des damit verbundenen Aktivdienstes übernahm Louis de Montmollin als Oberstkorpskommandant die Position des Generalstabschefs der Schweizer Armee, die er bis 1957 innehatte. Er löste damit Jakob Huber ab.[2]

Neutralitätspolitik im Kalten Krieg

Im Mai 1950, während des Koreakriegs und angesichts der Schwierigkeiten der Schweiz, Panzer von westlichen Ländern zu beschaffen, wandte sich Divisionär Pierre de Muralt brieflich an Generalstabschef de Montmollin mit dem Vorschlag, bei der Sowjetunion anzufragen, ob diese bereit wäre, der Schweiz Panzer zu liefern. De Muralt argumentierte, man könne damit die politische Unabhängigkeit der Schweiz gegenüber den beiden Blöcken unter Beweis stellen. De Montmollin lehnte den Vorschlag in einem ausführlichen Schreiben an Bundesrat Karl Kobelt entschieden ab. Er argumentierte, die UdSSR betrachte die Schweiz „als eines der übelsten kapitalistischen Länder“ und stelle „als einzige Macht eine Gefahr für uns dar“. In einem allgemeinen Krieg müsse sich die Schweiz möglicherweise gegen die Sowjetunion schlagen, zudem würde Moskau die Lieferung von Ersatzteilen stoppen. De Montmollin warnte vor den Reaktionen der Westmächte und vor negativen psychologischen Auswirkungen auf die Schweizer Bevölkerung. Er bat ausdrücklich, die Angelegenheit Aussenminister Max Petitpierre zu unterbreiten und ordnete an, nichts dürfe nach aussen dringen.[3]

Sowohl Kobelt als auch Petitpierre folgten de Montmollins Einschätzung und lehnten den Vorschlag ab. Die Episode zeigt de Montmollins klare antikommunistische Haltung und seine Rolle bei der Wahrung der schweizerischen Neutralitätspolitik im beginnenden Kalten Krieg, während die Schweiz sich 1951 mit dem Hotz-Linder-Agreement faktisch den westlichen Handelsbeschränkungen gegenüber dem Ostblock anschloss.[4]

Einzelnachweise

  1. Hervé de Weck: Louis de Montmollin. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  2. a b c d Rivista militare Ticinese, Lugano September/Oktober 1945, S. 73.
  3. Jürg Schoch: In Moskau Panzer und Kampfjets kaufen? Neue Zürcher Zeitung, 16. Januar 2023, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  4. Eric Flury-Dasen: Hotz-Linder-Agreement. In: Historisches Lexikon der Schweiz.