Louis François Joseph Alhoy

Louis François Joseph Alhoy (* 7. November 1756 in Aire-sur-la-Lys; † 3. Juni 1826 in Paris)[1] war ein französischer Pädagoge, Administrator und Dichter des 19. Jahrhunderts. Nach seiner Ausbildung ging er in die Hauptstadt und tat sich durch verschiedene Aktionen zugunsten der Ausbildung im Institut National de Jeunes Sourds de Paris, das er 3 Jahre lang von 1797 bis 1799 leitete. Louis Alhoy verfasste auch einige Schriften, darunter zwei poetische Werke.

Biographie

Louis François Joseph Alhoy war der Sohn von Laurent Louis Alhoy, einem Apotheker, und Marie Madeleine Ledez.[2] Seine Ausbildung absolvierte er in der Kongregation vom Oratorium des heiligen Philipp Neri, trat jedoch nicht in den Orden ein.[3]

Als Schatzmeister des Gehörloseninstituts von Paris musste er sich 1792 vor dem Wohlfahrtsausschuss des Departments rechtfertigen: Er wurde beschuldigt, Wein und Wertgegenstände an den Erzbischof von Paris weitergegeben und als Vermittler für ihn gedient zu haben. Er rechtfertigte sich recht problemlos gegen diese Verdächtigungen.[3]

Im Jahr 1800 war Louis Alhoy bei der Gründung eines der fünf Mitglieder der Verwaltungskommission der Pariser Hospize[4] und blieb dies bis 1815. In dieser Funktion beaufsichtigte er mehrere Einrichtungen, sowohl Krankenhäuser als auch Hospize für Bedürftige.[5] Diese Funktion inspirierte ihn zu einem Gedicht mit dem Titel Les Hospices de Paris, das aus 4 Liedern bestehen sollte, von denen jedoch nur eines im Jahr 1804 veröffentlicht wurde.[6] Im Jahr 1826 schuf er ein Werk, dass das Thema aufgriff und überarbeitete.[3]

Im Jahr 1801 war er Auditor von Jean-Baptiste de Lamarck am Nationalmuseum für Naturgeschichte.[7]

Wahrscheinlich durch den Beruf seines Vaters inspiriert, war er einer der Befürworter von Impfungen und versuchte ein für die damalige Zeit gewagtes Experiment: Er legte geimpfte Kinder in die Betten infizierter Kinder und zog ihnen dieselbe Kleidung an, um die Wirksamkeit der Praxis zu beweisen und die Ergebnisse zu überwachen. Der Versuch endete glücklich, sowohl für ihn als auch für die betroffenen Kinder.[3] Aufgrund dieser Erfahrung als Verwalter berichtete er in seinem Werk von 1826 auch über den Versuch eines Arztes, einen an Tollwut erkrankten Patienten zu behandeln, indem er ihn dreimal in die Seine tauchte.[8]

1824 kehrte er, nachdem er seine letzte Lehrtätigkeit aufgegeben hatte, nach Paris zurück, wo er mit seiner ältesten Tochter Rosa Henriette Alhoy, auch der Tochter seiner Frau Marie Metoyen (Tochter von Jean-Baptiste Metoyen, einem Musiker der chapelle royale), lebte.[3]

Louis François Joseph Alhoy starb 1826 im Alter von 70 Jahren an Herzproblemen in Paris.[3]

Pädagogik

Louis Alhoy arbeitete als Professor und lehrte Geisteswissenschaften[6] an verschiedenen Hochschulen.

Am 28. April 1792 wurde er zum Assistenzprofessor bzw. -lehrer[4] und Schatzmeister am Institut für Gehörlose in Paris ernannt, dass auch blinde Kinder aufnahm.[9] Im Jahr 1794 ernannte der Ausschuss für öffentliche Bildung des Nationalkonvent Louis Alhoy zu einem von acht Angestellten des «Bibliographiebüros».[4]

Im Jahr 1797 folgte er Abbé Sicard, der zum 18. Fructidor-Jahr V (4. September 1797) geächtet wurde.[6][10] Er übte die Funktion e Jahre lang aus.[3] Abbé Sicard erlangte seine Position nach dem 18. Brumaire (9. November 1799) wieder.

Als Direktor führte er ein Projekt von Sicard aus: Jungen und Mädchen in getrennten Gebäuden unterzubringen.[11] In dieser Position richtete er auch eine Petition an den Rat der Fünfhundert, „mit der Absicht, ein einfaches und leichtes Mittel zu finden, um die Existenz dieser Schule zu sichern und andere zu erhalten und zu gründen“.[4] Er befürwortete die Finanzierung dieser Einrichtungen durch einen bescheidenen Betrag, der von den beiden Zeugen zu entrichten wäre, die gesetzlich bei jeder Geburt zur Feststellung des Personenstands vorgeschrieben sind. Der Abgeordnete Ménard-Lagroye verfasste im Auftrag der mit der Prüfung der Petition beauftragten Sonderkommission (Ménard-Lagroye, Pierre-Claude Daunou, Jacques Antoine Creuzé-Latouche) einen Bericht. Der Bericht befürwortete den Vorschlag von Louis Alhoy und unterbreitete einen entsprechenden Resolutionsentwurf. Dieser wurde dem Rat in der Sitzung vom 13. Vendémiaire-Jahr VIII (5. Oktober 1799) vorgelegt.[9] Einen Monat später wurde der Rat nach dem Staatsstreich des 18. Brumaire VIII durch Napoleon Bonaparte aufgelöst und die Petition blieb unbeantwortet.

Louis Alhoy hatte den Auftrag, um 1810–1812 ein College zu eröffnen. Die Gemeinde Saint-Germain-en-Laye unterstützte ihn finanziell, der Präfekt von Seine-et-Oise gab seine Zustimmung und ein kaiserlicher Erlass vom 17. September 1812 formalisierte eine Stiftung, deren Organisation vom Grand-Maître de l'Université de France bestimmt wurde. Louis Alhoy arbeitete dort als Direktor des städtischen Colleges von Saint-Germain-en Laye.[3][4] Ohne wirklich überzeugende Ergebnisse musste er nach 2 Jahren aufgeben und das College wurde 1814 bei der ersten Restauration abgeschafft.[4]

Da er dann arbeitslos war, wandte er sich an die Direktoren des von den Oratorianern geleiteten Colleges in Vendôme, um sich dort eingliedern zu lassen. Dort unterrichtete er bis 1824 Belletristik,[6] musste aber schließlich kündigen, weil er sich weigerte, die religiösen Übungen durchzuführen, denen man ihnen unterziehen wollte.[3][12]

Werke

  • Pétition adressée au Conseil des Cinq-Cents visant à assurer l'existence de l'école des sourds-muets et à en créer d'autres[3], veröffentlicht im Jahr 1800[4]
  • De l'éducation des sourds-muets de naissance, considérée dans ses rapports avec l'idéologie et la grammaire, brochure issue du discours prononcé à la rentrée de l'Institut des sourds-muets le 15 brumaire an VIII (6. November 1799), publiziert im Jahre 1800[6]
  • Les Hospices, poème, Paris, 1804, analysé dans Le Moniteur du 22 fructidor an XII (9. September 1804)[6] (Text und Autor werden in einer Geschichte französischer Poesie erwähnt)[13]
  • Promenades poétiques dans les hospices et hôpitaux de Paris, Paris, 1826. (Buch ist online verfügbar)[14]

Literatur

  • M. Prevost, « Alhoy (Louis François Joseph) », dans Dictionnaire de biographie française, Tome 1, Paris, 1932, Letouzey et Ané.
  • Louis Gabriel Michaud, « Alhoy (Louis) », dans Biographie universelle ancienne et moderne, Tome 1, Paris, 1843, p. 466, online.
  • « Alhoy, Louis François Joseph (1760–1826), administrateur et poète des hôpitaux », sur le site Textes rares, online.
  • Clavareau, Mémoire sur les hôpitaux civils de Paris, Paris, An XIII - 1805, online.

Einzelnachweise

  1. Paris, État civil reconstitué, vue 27/51.
  2. Etat civil d'Aire-sur-la-Lys - Paroisse Notre Dame. S. 436; (französisch).
  3. a b c d e f g h i j M. Prevost, cité dans la bibliographie
  4. a b c d e f g Textes rares, cité dans la bibliographie
  5. Clavereau, cité dans la bibliographie, p. 31 à 33
  6. a b c d e f Louis Gabriel Michaud, cité dans la bibliographie
  7. Pietro Corsi, Raphaël Bange: Auditeurs de Jean-Baptiste Lamarck. 4. April 2019; (französisch).
  8. Michel Caire, Soigner les fous: Histoire des traitements médicaux en psychiatrie, Collection Histoire des sciences, Paris, 2019, Nouveau monde éditions, lire en ligne
  9. a b François Ménard de La Groye, Valentin Haüy, Louis-François-Joseph Alhoy: Rapport fait par Ménard-Lagroye, sur une pétition du citoyen Alhoy, premier instituteur et chef de l'ecole nationale des sourds-muets de Paris, tendante à faire adopter un moyen simple et facile pour assurer l'existence de cette école, et pour en conserver et créer d'autres également précieuses à l'humanité : séance du 13 vendémiaire an 8. 1799 (französisch, archive.org).
  10. Galerie historique des contemporains ou nouvelle Biographie. Wahlen, 1817 (google.fr [abgerufen am 8. Oktober 2025]).
  11. Théophile Denis, Notice sur l'Institution nationale des sourds-muets de Paris depuis son origine jusqu'à nos jours (1760-1896), Paris, 1896, P.20, lire en ligne
  12. Bulletin de la Société archéologique, scientifique et littéraire du Vendômois, 1909, p. 327, lire en ligne
  13. Robert Sabatier, Histoire de la poésie française - Poésie du XIXe siècle, Volume 1, Paris, 1977, Albin Michel, p. 364, lire en ligne
  14. Louis-François-Joseph Alhoy: Promenades poétiques dans les hospices et hopitaux de Paris ... Hrsg.: chez C. J. Trouvé. 4. April 2019 (französisch, google.fr).