Lothar Schmechtig

Lothar Schmechtig (* 16. Juli 1922 in Breslau; † 12. Februar 1992) war ein deutscher Wirtschaftsmanager, Fußball-Funktionär und Konsul. Er leitete die von ihm aufgebauten und zum Großversandhaus Quelle gehörenden Unternehmen Foto Quelle und Apollo Optik. Von Oktober 1977 bis Dezember 1978 war er Präsident des 1. FC Nürnberg.

Leben

Vorkriegszeit

Lothar Schmechtig wollte nach dem Besuch eines Gymnasium Berufsoffizier werden, war aber nach Kriegsdienst und Gefangenschaft bis zu seinem Ruhestand als Kaufmann tätig.[1]

Als Kaufmann

Schmechtig begann als Handelsvertreter für Kosmetik und wurde dann Einkäufer bei Kaufhausketten, zunächst Kaufhof, dann Hertie und schließlich Merkur, die ihren Hauptsitz in Nürnberg hatte. Dort wechselte er nach Vermittlung durch einen Bekannten zu Quelle. Dessen Gründer Gustav Schickedanz ließ ihn zunächst neue Geschäftsbereiche aufbauen: Bestecke, Uhren und Schmuck sowie Radio und Fernsehen. Dann folgten Foto- und Filmkameras, wobei Schmechtig mit asiatischen Herstellern verhandeln musste, da die einheimischen nicht über den Versandhandel verkaufen wollten. Es begann 1961 mit Yashica-Schmalfilmkameras, deren Einkaufspreis 40 % unter dem deutschen Standard lag. 1961 gründete Schickedanz auf den Vorschlag von Schmechtig die in Nürnberg ansässige Foto- und Filmdienst GmbH, später in Foto Quelle umbenannt. Es handelte sich um eine 100-%-Tochter von Quelle. Dabei übernahm Lothar Schmechtig die Geschäftsführung und schuf die Handelsmarke Revue. 1969 stieg er in das Geschäft mit Brillen ein, woraus 1972 die von ihm ebenfalls geleitete Apollo Optik GmbH resultierte. Dabei führte er modische Brillen ohne Aufpreis – also von der Krankenkasse bezahlt – ein. was unter den Lieferanten auf ebenso viel Widerstand stieß, wie im Falle der Kameras.[1]

Schmechtig erzielte enorme Umsatzzuwächse, während die Fotobranche allgemein stagnierte. Beispielsweise betrug 1970 der Umsatz von Foto Quelle 120,4 Mio. DM und 1972 bereits 240,1 Mio. DM. 1973 warb man erstmals mit dem Slogan „Der Welt größtes Fotohaus“. Der Anteil am deutschen Fotomarkt wurde mit 20 % bis 25 % geschätzt.[1]

Präsident des 1. FC Nürnberg

Mit Schmechtig wählten die Mitglieder des 1. FC Nürnberg zum ersten Mal jemanden zu ihren Präsidenten, der nicht im Verein groß geworden war. Er wollte den Verein für Leibesübungen bewahren, aber wie ein Wirtschaftsunternehmen führen und dabei zurück in die 1. Fußball-Bundesliga führen. Der Aufstieg gelang ihm mit einem neuen Trainer, dann bekam er den Verein aber nicht aus der Abstiegszone heraus. Sein Plan, keine teuren Fußballspieler einzukaufen konnte er daraufhin nicht konsequent verfolgen. So fiel der Einkauf von Uli Hoeneß in seine Amtszeit.[2] Sportlich erwies sich der Transfer als Misserfolg, dafür erregte er mit Abstand das meiste Aufsehen in der gesamten Amtszeit.[3] Bereits im Dezember 1978 gab Schmechtig auf. Interimspräsident wurde daraufhin Waldemar Zeitelhack und gewählter Präsident ab Februar 1979 Michael A. Roth.

„Foto-Quelle-Mord“

1981 starb Lothar Schmechtigs Frau bei der als „Foto-Quelle-Mord“ bekanntgewordenen Vorfall: Ingeborg Schmechtig war als Ehepartnerin insbesondere während der Präsidentschaft ihres Mannes häufiger auf Fotos in Illustrierten zu sehen und so in der Öffentlichkeit bekannt geworden. So empfing sie am 14. August in der Privatvilla in Schwabach zwei angebliche Reporter, ein Mann und eine Frau, die sie entführen wollten. Sie konnte im Haus noch Alarm auslösen, woraufhin die Polizei schnell herbeigeeilt kam, hatte aber nach mehreren Schüssen aus nächster Nähe keine Überlebenschance mehr. Der männliche Entführer starb bei der Tat, seine Freundin wurde zu einer elfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.[3]

Lothar Schmechtig wurde von seinen Freunden nach dem Mord als „Schatten seiner selbst“ beschrieben, schied zum Jahresende 1983 aus dem Unternehmen aus und zog sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück.[3] Die Geschäftsführung von Foto Quelle übernahmen die bisherigen Stellvertreter Hans-Joachim Bels und Benno Janßen. Der Umsatz war unter Schmechtigs Leitung bis zuletzt gestiegen, auf 617,4 Mio. DM für das Geschäftsjahr 1982/83. Dies galt auch für Apollo Optik mit 97,6 Mio. DM.[1] Allerdings verursachte er zuletzt 10 Mio. DM Schulden, was der Familie Schickedanz missfiel.[4]

Honorarkonsul

Auf Vermittlung von Franz Josef Strauß ist Lothar Schmechtig im März 1983 zum Honorarkonsul der Republik Zaire mit Dienstsitz in München ernannt worden. Der Konsularbezirk entsprach dem Freistaat Bayern.[5]

Mitgliedschaften

Ehrungen

  • 1982 Ernennung zum dritten Ehrenpräsidenten des FC Nürnberg
  • 1982 Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland

Einzelnachweise

  1. a b c d Munzinger-Archiv
  2. Die Präsidenten des 1. FC Nürnberg. Abgerufen am 28. September 2025.
  3. a b c "Foto-Quelle"-Mord. Abgerufen am 28. September 2025.
  4. Grete Schickedanz. Abgerufen am 9. Oktober 2025.
  5. Gemeinsames Ministerialblatt. Abgerufen am 11. Oktober 2025.