Lothar Machtan

Lothar Machtan (* 4. Oktober 1949 in Gelsenkirchen) ist ein deutscher Historiker, Hochschullehrer und Autor. Er lehrte und forschte bis 2015 als Professor für Neuere Geschichte an der Universität Bremen.

Biografie

Machtan studierte Geschichts- und Politikwissenschaft an der Universität Heidelberg. Er promovierte 1978 an der Universität Bremen zum Dr. phil. und habilitierte zehn Jahre später in Bremen. Dort wurde er 1995 zum apl. Professor ernannt. Außer in Bremen forschte und lehrte er noch in Konstanz, Berlin, Kassel, Halle und am Claremont McKenna College in Kalifornien. Sein Forschungsschwerpunkt verlagerte sich von der Sozial- bzw. Sozialpolitikgeschichte auf die Kulturgeschichte der Politik.

Als Historiker beschäftigt sich Machtan hauptsächlich mit der deutschen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert, behandelt dabei vor allem kulturelle Aspekte der Politik. Er hat mehrere Sachbücher in Publikumsverlagen veröffentlicht. In einer breiten Öffentlichkeit wurden seine Thesen über eine Homosexualität Adolf Hitlers diskutiert. Sein 2001 veröffentlichtes Buch "Hitlers Geheimnis" wurde in elf Sprachen übersetzt und verfilmt. Es sorgt bis heute für Kontroversen.[1] Das biographische Werk von 2013 Prinz Max von Baden. Der letzte Kanzler des Kaisers fand viel Lob. In der Debatte um die Entschädigungsforderungen der Hohenzollern, die sich um die Frage drehte, ob der 1945 enteignete Chef des Hohenzollernhauses Wilhelm von Preußen dem NS-Regime erheblichen Vorschub geleistet habe, traf Machtan mit seiner Ansicht, dieser hätte gerne Hilfe geleistet, sei dazu jedoch gar nicht in der Lage gewesen, auf allgemeine Kritik.[2] Und zwar vor allem deshalb, weil sein Fokus auf die individuelle Bedeutungslosigkeit des Ex-Kronprinzen für die Hitlerbewegung das Paradigma von der Mitschuld der Hohenzollern an dem unheilvollen Verlauf der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert konterkariert. Außerhalb der Kampfzone medial aufgeladener Diskurspolitik ist Machtans Forschungsleistung zu diesem Thema inzwischen unbestritten.[3]

Machtan schreibt u. a. für den Spiegel, die Zeit und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Er ist zudem als Ausstellungsmacher (Bismarck-Museum Bad Kissingen) und als Film- und Drehbuchautor tätig.[4]

Werke

  • Streiks im frühen deutschen Kaiserreich. Campus, Frankfurt am Main / New York 1983.
  • Arbeiterfrage und Soziale Politik in der Reichsgründungszeit. Die öffentliche Erörterung von Sozialreformen im Vorfeld der Bismarck'schen Sozialgesetzgebung. (Habilitationsschrift), Bremen 1988.
  • Bismarcks Tod und Deutschlands Tränen. Reportage einer Tragödie. Goldmann, München 1998.
  • Bismarck. Deutsche Erinnerungsorte. Hrsg. von Etienne Francois und Hagen Schulze, Bd. II, München 2001, S. 86–104.
  • Hitlers Geheimnis. Das Doppelleben eines Diktators. Alexander Fest Verlag, Berlin 2001, ISBN 978-3-8286-0145-1 (erweiterte Taschenbuchausgabe bei S. Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 978-3-596-15927-7). Übersetzt in 11 Sprachen.
  • Was Hitlers Homosexualität bedeutet. Anmerkungen zu einer Tabugeschichte. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 51. Jg., 2003, S. 334–351.
  • Der Kaisersohn bei Hitler. Hoffmann und Campe, Hamburg 2006, ISBN 978-3-455-09484-8.
  • Die Abdankung. Wie Deutschlands gekrönte Häupter aus der Geschichte fielen. Propyläen, Berlin 2008, ISBN 978-3-549-07308-7.
  • Deutschlands gekrönter Herrscherstand am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Ein Inspektionsbericht zur Funktionstüchtigkeit des deutschen Monarchie-Modells. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 58. Jg., 2010, S. 222–241.
  • Prinz Max von Baden. Der letzte Kanzler des Kaisers. Suhrkamp, Berlin 2013, ISBN 978-3-518-42407-0.
  • Autobiografie als geschichtspolitische Waffe. Die Memoiren des letzten kaiserlichen Kanzlers Max von Baden. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Heft 4/2013, S. 481–512.
  • Die Abdankung. Wie Deutschlands gekrönte Häupter aus der Geschichte fielen. Neuausgabe dtv, München 2016, ISBN 978-3-423-28085-3.
  • Der Endzeitkanzler. Prinz Max von Baden und der Untergang des Kaiserreichs. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-8062-3660-6.
  • Kaisersturz. Vom Scheitern im Herzen der Macht. wbg Theiss, Darmstadt 2018, ISBN 978-3-8062-3760-3.
  • Zeitenwende ohne Beglaubigung. Oder: Die Scheidemann-Legende. In: Martin Sabrow (Hrsg.): Revolution! Verehrt – verhasst – vergessen. Göttingen 2019, S. 25–62.
  • Der Kronprinz und die Nazis. Hohenzollerns blinder Fleck. Duncker & Humblot, Berlin 2021, ISBN 978-3-428-18394-4
  • Die Hohenzollerndebatte als historische Forschungskontroverse, in: Journal der Juristischen Zeitgeschichte 17 (2023), S. 47–52.
  • Quellen zur politischen Biografie des letzten deutschen Kronprinzen unter besonderer Berücksichtigung der 1930er Jahre. Berlin 2023 (Abrufbar unter: https://www.preussen.de/forum-preussen/epaper-Machtan_Dossier_V3/index.html#0)

Filmografie (Auswahl)

Commons: Lothar Machtan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. TITEL. (Ein Indikator für den anhaltenden diskursiven Impact von Machtans Thesen ist, dass Google auch noch 25 Jahre nach der Erstveröffentlichung mehr als 20.000 Einträge dazu generiert. Speziell in Deutschland zieht der Autor damit bis heute viel persönlich abwertende Kritik auf sich. Vgl. etwa Paul Hosers Polemik in der Tageszeitung taz vom 14.08. 2021, Der Kronprinz und sein Biograf: Im Neuschwanstein der Hohenzollern ().).
  2. Siehe hierzu die Rezension Der royale Narr. von Joachim Käppner, Süddeutsche Zeitung vom 17. August 2021.
  3. Thomas Weber: 85Controversy in the time of COVID-19: the dispute over the Hohenzollern’s relationship to National Socialism. In: Germany’s History Wars. De Gruyter, 2025, ISBN 978-3-11-158739-4, S. 85–104, doi:10.1515/9783111588551-005.
  4. wbg - Wissen verbindet uns: Lothar Machtan ›Kaisersturz. Vom Scheitern im Herzen der Macht 1918‹. 9. Juli 2018, abgerufen am 1. August 2018.