London, Chatham and Dover Railway

London, Chatham and Dover Railway

Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1859
Auflösung 1923
Auflösungsgrund Eingliederung in die
Southern Railway
Sitz London
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
Branche Eisenbahnverkehr

Die London, Chatham and Dover Railway, abgekürzt LCDR oder LC&DR, war eine Eisenbahngesellschaft im Südosten Englands. Sie entstand am 1. August 1859, als die East Kent Railway (EKR) ihren Namen änderte, und bestand bis zum 31. Dezember 1922, bevor sie im Zuge des Railways Act 1921 in die Southern Railway (SR) eingegliedert wurde.[1]

Die LCDR betrieb ein Netz, das von London über den Norden und Osten von Kent bis nach Dover reichte und einen bedeutenden Teil des heutigen Londoner Pendlerverkehrs vorwegnahm.[1] Trotz chronischer finanzieller Schwierigkeiten war die Gesellschaft in sicherheitstechnischer Hinsicht fortschrittlich und setzte früh die Westinghouse‑Druckluftbremse sowie das Streckenblock-System von William Sykes ein.

Geschichte

Die LCDR ging aus der 1853 gegründeten East Kent Railway (EKR) hervor.[1] Die EKR wurde ins Leben gerufen, um Städte in Nord- und Ostkent, die keinen Anschluss an die South Eastern Railway (SER) hatten, anzubinden. 1858 nahm die EKR ihre erste Strecke von Strood über Chatham nach Faversham.

Am 1. August 1859 erhielt die EKR die parlamentarische Genehmigung, sich in London, Chatham and Dover Railway umzubenennen. In den folgenden Jahren baute die Gesellschaft ihr Streckennetz rasch aus. Bereits 1860 entstand eine Verbindung nach London über die Penge Junction und Battersea. Zwei Jahre später folgte die Eröffnung des eigenen Teils im Bahnhof London Victoria, und 1864 errichtete die Gesellschaft ihren ersten eigenen Bahnhof in London an der Blackfriars Bridge. Die aggressive Expansion führte jedoch zu einer schweren finanziellen Krise, die 1867 in einer Insolvenz endete. Der Betrieb wurde dennoch fortgeführt.

Die LCDR stand in intensiver Konkurrenz zur SER, was zu kostspieligen Parallelstrecken und ineffizientem Betrieb führte. 1898 einigten sich beide Unternehmen auf eine gemeinsame Betriebsführung unter dem Namen South Eastern and Chatham Railway (SE&CR), ohne jedoch formal zu fusionieren. Mit dem Inkrafttreten des Railways Act 1921 wurden die LCDR und die SER zum 1. Januar 1923 Teil der neu gegründeten Southern Railway (SR).

Betrieb und Technik

Die Hauptwerkstätte der LCDR befanden sich in Longhedge bei der Clapham Junction im Südwesten Londons.

Lokomotiven und Werkstätten

Die Hauptwerkstatt befand sich in Longhedge bei Clapham Junction, der Lokomotivbau wurden von den Locomotive Superintendents ‚Oberingenieure‘ William Martley und Matthew Kirtley geprägt. Die wichtigsten Lokomotivklassen der LCDR waren

  • LCDR-Klasse Tiger, 2’B / 1’B – wichtigste frühe Personenzuglokomotive (1861–62)
  • LCDR-Klasse Echo, 1’B – frühe Schnellzuglokomotive (1861)
  • LCDR-Klasse Acis, C – frühe Güterzuglokomotive (1861)
  • LCDR-Klasse Europa, C – bedeutende Güterzuglok der 1870er
  • LCDR-Klasse A, 1’B2’ – erste erfolgreiche Kirtley-Tenderlok für den Vorortverkehr (ab 1875)
  • LCDR-Klasse R, 1’B2’ – wichtigste spätere LCDR-Tenderlok, sehr langlebig (1891)
  • LCDR-Klasse R1, 1’B2’ – Weiterentwicklung der R Class (1900)
  • LCDR-Klasse D, 2’B – wichtigste LCDR-Schnellzuglok der 1880er

Literatur

  • Bradley, D. L.: The Locomotives of the London, Chatham and Dover Railway. RCTS, London.
  • Gray, Adrian: The London, Chatham & Dover Railway. Oakwood Press.
Commons: London, Chatham and Dover Railway – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • London, Chatham and Dover Railway. In: Graces Guide. Archiviert vom Original am 14. Januar 2025; abgerufen am 27. Dezember 2025 (englisch).

Einzelnachweise

  1. a b c London, Chatham and Dover Railway. In: Graces Guide. Archiviert vom Original am 14. Januar 2025; abgerufen am 27. Dezember 2025 (englisch).