Lola Debüser
Lola Debüser (geb. Beer; * 1934 in Moskau) ist eine deutsche Slawistin, Verlagslektorin und literarische Übersetzerin.
Leben und Werk
Der Vater Lola Debüsers, Mirko Beer, war ein jüdischer ungarisch-stämmiger Arzt, der der KPD angehörte. Er sprach perfekt Ungarisch, Serbisch, Russisch, Spanisch und Deutsch und praktizierte u. a. in Berlin. Ihre Mutter war eine in Hamburg geborene deutsche Schauspielerin. Beide flüchteten schon kurze Zeit nach der Machtergreifung aus Nazi-Deutschland in die Sowjetunion. Ihr Vater arbeitete in Moskau als Arzt und kämpfte von 1936 bis Mai 1939 im Spanischen Bürgerkrieg als leitender Militärarzt auf der Seite der Republikaner. Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion wurde er im Sommer 1941 vom NKWD unter dem Vorwurf der Spionage verhaftet und am 4. August 1942 erschossen. Ihre Mutter organisierte später als Kulturoffizierin der Roten Armee für deutsche Kriegsgefangene bei Stalingrad Theater- und Kulturarbeit. Lola lebte in dieser Zeit ein Jahr im Internationalen Kinderheim Interdom in Iwanowo, wo sie die städtische russische Schule besuchte und perfekt Russisch lernte, während wegen ihrer Abneigung ihre Deutschkenntnisse trotz individuellen Unterrichts schwach blieben.
Erst 1947 konnte Lola mit ihrer Mutter nach Deutschland in die Sowjetische Besatzungszone ziehen. Ihre Mutter kam in Weimar an das Deutsche Theaterinstitut. Da Lola nicht in die deutsche Schule gehen wollte, ging sie in Weimar in die russische Schule, eine Schule für Kinder von Offizieren der Roten Armee. Dort absolvierte sie die sechste und siebente Klasse. 1949 zog ihre Mutter mit ihr nach Berlin. Lola erwarb dort an der deutsch-russischen Schule, die ihre Mutter mit initiiert hatte, das deutsche und das russische Abitur. Sie studierte dann an der Universität Leningrad Slawistik. Dort war u. a. Fjodor Alexandrowitsch Abramow am Institut für sowjetische Literatur ihr Lehrer. Lola Debüser fand ihre geistige Heimat in der russischen Literatur.
Seit dem Studienabschluss arbeitete sie in Berlin als literarische Übersetzerin aus dem Russischen und ab 1963 als Lektorin beim Verlag Kultur und Fortschritt bzw. beim Verlag Volk und Welt. Sie war dort für die zeitgenössische sowjetische Literatur zuständig und edierte u. a. Werke von Fjodor Abramow, Walentin Grigorjewitsch Rasputin, Wassili Makarowitsch Schukschin und Sergey Zalygin (1913–2000). Lola Debüser ist eine der maßgeblichen Vermittlerinnen russischer Literatur in Deutschland. 1964/1965 las sie in einer kasachischen Zeitschrift erstmals einen Text von Andrej Platonow, den Roman «Джан» (Dshan). Seitdem ist sie der Faszination dieses Schriftstellers erlegen[1], und ihre bedeutendste Leistung ist die Erforschung, Herausgabe, Kommentierung und Übersetzung Platonows. Ihre Werkausgabe Platonows ist ein Meilenstein der Rezeption Platonows im deutschen Sprachraum.
Als Übersetzerin arbeitete Lola Debüser in der Zeit der DDR u. a. mit Renate Reschke (1941–2017) zusammen.
Jüngste Publikationen (unvollständig)
- „Von diesem Autor komme ich nicht mehr los“. Andrej Platonov, der Klassiker und die Edition in der DDR. In: Osteuropa 8–10/2016, S. 427–440 (mit Christina Links)
- Ein deutsch-russisches Leben. In: Ost-West-Express. Kultur und Übersetzung. Verlag Frank & Timme, Berlin, Band 53, 2025. ISBN 978-3-7329-1181-3 (mit Jekatherina Lebedewa)
Weblinks
- Ein deutsch-russisches Leben - Verlag "Frank & Timme"
- „Von diesem Autor komme ich nicht mehr los“ Andrej Platonov, der Klassiker und die Edition in der DDR on JSTOR
- Gespräch mit Lola Debüser und Jekatherina Lebedewa | SpringerLink
Einzelnachweise
- ↑ Simone Barck: Andrej Platonow – Lola Debüser entdeckt einen Weltautor. In: Simone Barck, Siegfried Lokatis (Hrsg.): Fenster zur Welt. Eine Geschichte des DDR-Verlages Volk und Welt. Ch. Links Verlag, Berlin, 2003, S. 327