Loftesnes-Brücke

Loftesnes-Brücke
Offizieller Name Loftesnesbrua, Loftesnesbrui
Nutzung Riksvei 5
Querung von Loftesnessund
Ort Sogndal, Vestland, Norwegen
Unterhalten durch Statens vegvesen
Konstruktion Auslegerbrücke mit Netzwerkbogenbrücke
(als Einhängeträger)
Gesamtlänge 194 m
Längste Stützweite 85 m (Einhängeträger)
Pfeilerachsabstand 107 m
Lichte Höhe 9 m
Baukosten 414 Mio. NOK
Baubeginn Dezember 2015
Fertigstellung August 2018
Eröffnung 1. Dezember 2017
(Kraftverkehr)
24. August 2018
(Fußgänger, Radverkehr)
Planer Statens vegvesen
PNC Norge AS (PORR)
K.A. Aurstad AS
Lage
Koordinaten 61° 13′ 51″ N, 7° 7′ 14″ O

Die Loftesnes-Brücke (norwegisch Loftesnesbrua oder Loftesnesbrui) ist eine Straßenbrücke über den Loftesnessund, in der norwegischen Kommune Sogndal, Provinz Vestland. Der Sund verbindet den Sogndalsfjord mit dem Barsnesfjord, die zusammen einen nördlichen Seitenarm des Sognefjords bilden. Die Brücke führt zwei Fahrstreifen der Hauptverkehrsstraße Riksvei 5 sowie einen Rad- und Fußweg und verbindet die Ortschaft Sogndalsfjøra im Westen mit dem namensgebenden Gehöft Loftesnes im Osten. Die 2017 eröffnete Auslegerbrücke mit einer Netzwerkbogenbrücke als Einhängeträger ersetzte eine Fachwerkbrücke aus dem Jahre 1958 und gewann den Publikumspreis des European Steel Bridge Award im Jahr 2018.

Geschichte

Mit dem Bau einer ersten unbefestigten Straße für Fuhrwerke von Kaupanger nach Loftesnes entstand ab 1847 eine Fährverbindung über den Loftesnessund.[1] Fast ein Jahrhundert wurden Personen und Nutztiere mit Ruderbooten übergesetzt. Erst mit dem Ausbau der Straße für Automobile installierte die norwegische Straßenbehörde ab 1938 eine Seilfähre, die auf einem 15 Meter langen Fährschiff bis zu vier Personenkraftwagen transportieren konnte und bis Ende der 1950er Jahre bestand. Erste Ideen für eine Brücke über den Sund gab es zwar schon 1877, aber erst mit der Verfügbarkeit von öffentlichen Geldern Ende der 1930er Jahre konnten erste Planungen dafür in Angriff genommen werden. Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam das Vorhaben bis 1954 zum Erliegen, wurde dann aber in nur vier Jahren umgesetzt und 1958 eine 211 Meter lange Stahl-Fachwerkbrücke für die damalige Riksvegrute 565 fertiggestellt. Es war die erste über Mauteinnahmen mitfinanzierte Brücke in der damaligen Provinz Hordaland. Die Maut diente zur Begleichung von Kreditzinsen und wurde für etwa sechs Jahre bis 1965 erhoben.[2]

Die Ortschaft Sogndalsfjøra am Westufer des Loftesnessunds entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zum regionalen Zentrum der Kommune Sogndal. Die Einwohnerzahl lag in den 1960er Jahren bei nur 1500 und wuchs bis 2024 auf knapp 4400 an. Zudem entstand in der Umgebung ein Campus für die Sogn videregående skole (Weiterführende Schule) und die Høgskulen i Sogn og Fjordane (seit 2017 Hochschule Westnorwegen), deren über 3000 Schüler und Studenten größtenteils hier wohnen. Da die Brücke beidseitig nur sehr schmale Fußwege von 75 cm Breite hatte und die Konstruktion mit ihrem starken Anstieg zur Mitte hin bei der Auffahrt den Gegenverkehr erst spät erkennen ließ sowie auf der Westseite in eine Kreuzung mit dem Fylkesveg 55 mündete, beschloss die norwegische Straßenverkehrsbehörde Statens vegvesen (Region Vest) die alte Brücke trotz ihres guten Zustandes zu ersetzen. Die Ausschreibung ging Ende 2015 an das Joint Venture aus PNC Norge (Tochtergesellschaft von PORR) und K.A. Aurstad und beinhaltete neben dem Brückenneubau, bei laufenden Betrieb der alten Brücke, auch die Umgestaltung der Kreuzung zu einem Kreisverkehr.[3][4]

Der Stahl-Überbau des Tragwerks wurde in drei Teilen in der polnischen Werft Montostal Szczecin in Stettin vorgefertigt und 765 Seemeilen zur Baustelle transportiert. Nach der Fertigstellung des Unterbaus wurden im Januar/Februar 2017 die bis zu 480 Tonnen schweren Stahlsegmente mit Norwegens größtem Schwimmkran HLV Uglen eingeschwommen.[5][6] Die Aufbringung des Fahrbahnbelages und die Arbeiten an den Zufahrten waren Ende November abgeschlossen und der Straßenverkehr konnte am 1. Dezember 2017 auf die neue Brücke verlagert werden. Der Abriss der alten Brücke und die Fertigstellung der Rad- und Fußwege dauerte bis zum Sommer des Folgejahres, die offizielle Eröffnung fand am 24. August 2018 satt. Die Baukosten beliefen sich auf 414 Millionen Norwegische Kronen.[7]

Zusammen mit der neuen Rethe-Klappbrücke in Hamburg gehörte die Brücke 2018 zu den vier Finalisten des European Steel Bridge Award, für den 35 Nominierungen eingereicht wurden. Die Jury kürte zwar die neue Eisenbahnbrücke in Břeclav auf der Strecke HohenauPřerov zum Sieger, die Loftesnes-Brücke erhielt aber den Publikumspreis.[8][9]

Beschreibung

Die 194 m lange Auslegerbrücke überspannt den südlichen Teil des Loftesnessunds, wo er in den Sogndalsfjord übergeht. Das Tragwerk ist als dreiteilige Gerberträgerbrücke ausgeführt. Die uferseitigen Segmente bilden Kragträger zu den jeweiligen Widerlagern am Ufer und zur mittleren Öffnung der Brücke, wo sie einen als Netzwerkbogenbrücke ausgeführten Einhängeträger von 85 m Spannweite aufnehmen. Die Last des Einhängeträgers wird durch die Eigengewichte der uferseitigen Kragträger kompensiert, so dass an den Widerlagern keine Zugkräfte auftreten. Die von dem norwegischen Bauingenieur Per Tveit Ende der 1950er Jahre entwickelte Netzwerkbogenbrücke ist als Langerscher Balken aufgebaut, wo der Untergurt den in Längsrichtung wirkenden Schub des Bogens aufnimmt und somit nicht auf die äußeren Segmente überträgt. Die 430 t schwere Stahlkonstruktion der Netzwerkbogenbrücke besteht aus Rohren für Bogen (Obergurt) und Untergurt, die durch 36 mehrmals überkreuzende Hänger pro Seite miteinander verbunden sind und das namensgebende Erscheinungsbild eines Seilnetzwerkes erzeugen; die vollverschlossenen Drahtseile der Hänger haben einen Durchmesser von 45 mm. Die Verbindung der beiden Untergurte wird in der Fahrbahnebene dann durch Querträger und die der Bögen durch einen Windverband hergestellt. Die Gesamtbreite der Brücke liegt bei etwa 17 m[5] und bietet Platz für ein 13,5 m breites Fahrbahndeck. Dieses gliedert sich in die 8,5 m breite Fahrbahn und den 3,0 m breiten Fuß- und Radweg sowie die Rand- und Trennstreifen.[4][10]

Die Loftesnes-Brücke vom Sogndalsfjord aus gesehen, Blick Richtung Nordost, 2025

Die uferseitigen Segmente sind aus je vier Stahl-Hohlkastenträgern aufgebaut, die über den Strompfeilern ein Dreieck bilden und von der Seite betrachtet optisch den Verlauf des Bogens im Mittelteil zu den Pfeilern hin fortführen. Hier sind sie ebenfalls mit Windverband und in der Fahrbahnebene durch Querträger miteinander verbunden. Die Gewichte der Stahlkonstruktion der uferseitigen Segmente erreichen bis zu 480 t,[10] das Gesamtgewicht des verbauten Stahls im Überbau beläuft sich auf über 1300 t. Für die Pfahlgründung der beiden Strompfeiler wurden jeweils 14 Stahlrohre von 1,2 m Durchmesser und bis zu 70 m Länge in den Grund des Sunds gerammt, mit Bewehrung versehen und mit Beton vergossen. Die jeweils vier Hohlkastenträger lagern auf Betonabschlussplatten, die nur wenige Meter aus dem Wasser herausragen. Der Pfeilerachsabstand beträgt 107 m und die lichte Höhe für den Schiffsverkehr 9 m unterhalb der Netzwerkbogenbrücke.[4][3]

Der Tidenhub am Brückenstandort beträgt etwa einen Meter, der mittlere Wasserstand liegt bei 1,1 m und der extreme Hochwasserwert HQ100 bei 2,6 m über Seekartennull.[11] Die Wassertiefe in der Schifffahrtsrinne variiert bezogen auf den mittleren Wasserstand zwischen 8 und 10 m.[12]

Commons: Loftesnesbrua – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ferje og bru over Loftesnessundet. Fylkesleksikon (NRK.no), 4. März 2003, abgerufen am 22. September 2025.
  2. Kristin Ese: Frå ferje til bru over Loftesnessundet. Kringom, 7. Juli 1999, abgerufen am 15. September 2025.
  3. a b Anders Haakonsen: Avløsning for Loftesnesbrui. Teknisk Ukeblad, 6. August 2015, abgerufen am 15. September 2025.
  4. a b c Mariusz Urbanski: Neues Wahrzeichen im Herzen der norwegischen Fjorde. PORR AG, abgerufen am 15. September 2025.
  5. a b Loftesnes Bridge Sogndal. TREND Projekt Sp. z o.o., 22. Januar 2017, abgerufen am 22. September 2025.
  6. Vellukka montering på rv.5 Loftesnesbrui. (Memento vom 15. Mai 2021 im Internet Archive) Statens vegvesen, 6. Februar 2017.
  7. Loftesnesbrui offisielt opna. (Memento vom 17. Mai 2021 im Internet Archive) Statens vegvesen, 25. August 2018.
  8. European Steel Bridge Awards 2018. European Convention for Constructional Steelwork, ECCS, abgerufen am 15. September 2025.
  9. Martin Gramnæs: Loftesnesbrui vant Folkets pris på European Steel Bridge Award. (Memento vom 30. Mai 2019 im Internet Archive) VEIER24.no, 12. September 2018.
  10. a b Knut A. Strøm: Elegante nye Loftesnesbrui. Teknisk Ukeblad, 6. Februar 2017, abgerufen am 16. September 2025.
  11. Sogndalsfjorden. Water level and tidal information, Kartverket, abgerufen am 28. September 2025.
  12. Lars G. Golmen: Forprosjekt ny Loftesnesbru, Sogndal. Norsk institutt for vannforskning, Oslo 2003, ISBN 82-577-4388-7, S. 11 f.