Lizzie Holmes

Lizzie Holmes (* 21. Dezember 1850 in Iowa als Elizabeth May Hunt, später Swank, nach zweiter Heirat Holmes; Pseudonym: May Huntley; † 8. August 1926 in Santa Fe, New Mexico) war eine US-amerikanische Anarchistin, Schriftstellerin und Organisatorin von Frauenstreiks. Sie war eine Schlüsselfigur in Chicagos Arbeiterbewegung, insbesondere in den Jahren vor dem Haymarket Riot, und spielte eine führende Rolle in verschiedenen Gewerkschaften wie den Knights of Labor und der International Working People's Association. Vor ihrer Arbeit als Gewerkschaftsorganisatorin war sie Lehrerin und Musikpädagogin in Ohio.

Neben ihrer Organisatorinnenarbeit war Holmes als Schriftstellerin und Redakteurin in verschiedenen radikalen und anarchistischen Zeitungen tätig. Sie war stellvertretende Herausgeberin der Zeitung The Alarm und veröffentlichte Artikel in Lucifer, the Light-Bearer, Freedom und Free Society. Im Unterschied zu einigen ihrer anarchistischen Zeitgenossinnen veröffentlichte sie auch in konservativeren Blättern wie der Zeitschrift American Federationist der American Federation of Labor. Ihre Artikel behandelten Themen wie freie Liebe, Ehe, Geschlechterungleichheit und wirtschaftliche Ungerechtigkeit. Sie veröffentlichte auch Werke der Belletristik, darunter den Roman Hagar Lyndon; or, A Woman's Rebellion.

Mit ihrer engen Freundin und Mitarbeiterin Lucy Parsons setzte sich Holmes für Geschlechtergleichheit innerhalb der anarchistischen und breiteren Arbeiterbewegung ein. Sie gilt als eine frühe Pionierin des anarchistischen Feminismus und beeinflusste prominente Denkerinnen wie Emma Goldman.[1][2]

Leben

Frühes Leben

Elizabeth May Hunt wurde am 21. Dezember 1850 in Iowa geboren. Ihre Mutter war die radikale Feministin Hannah Jackson Hunt. Mit vier Jahren zog die Familie in eine Kommune für freie Liebe nach Berlin Heights, Ohio, wo Holmes ihre Jugend verbrachte. Sie erhielt eine frühe Ausbildung und begann mit 15 als Lehrerin in Ohio zu arbeiten.

Im Alter von 17 Jahren heiratete sie ihren ersten Ehemann, Hiram J. Swank. Sie bekam zwei Kinder und zog 1879 nach Chicago.[3]

Organisation in Chicago

In Chicago begann Holmes als Näherin in einer Fabrik zu arbeiten, gründete mit anderen die Working Women's Union und kämpfte für den Acht-Stunden-Tag. Sie wurde Sekretärin der Gewerkschaft, organisierte Arbeiterinnen und war aktiv bei den Knights of Labor. Dort lernte sie Lucy Parsons kennen, die sie prägte und ihr den Anarchismus näherbrachte.

Neben der Organisierung schrieb sie auch zahlreiche Artikel über die harten Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie. Später wurde sie stellvertretende Herausgeberin von The Alarm, der Zeitung der International Working People's Association.

1885 heiratete sie den britischen Anarchisten William Holmes. Beide blieben aktiv in der Organisierung und kehrten oft nach Chicago zurück, auch in den Tagen vor dem Haymarket Riot.[4]

Haymarket Riot

Holmes führte am 3. Mai 1886 einen Frauenmarsch für den Acht-Stunden-Tag an. Am Tag des Haymarket-Aufstands nahm sie an einer anarchistischen Versammlung teil, die von der Polizei aufgelöst wurde, bevor eine Bombe in die Menge geworfen wurde. Sie wurde wegen Anstiftung verhaftet, aber mangels Beweisen wieder freigelassen.

Während des Prozesses gegen die Haymarket-Anarchisten sagte Holmes zugunsten von Albert Parsons aus, der dennoch zum Tode verurteilt wurde. Die Zeitungen, die sie mit herausgab, gerieten unter Druck, und sie war häufig Ziel polizeilicher Ermittlungen. 1889 zogen Holmes und ihr Ehemann nach Colorado und später nach New Mexico.[5]

Späte Jahre und Tod

Sie schrieb weiterhin für radikale und Arbeiterblätter bis 1908, zog sich dann aus der Öffentlichkeit zurück und lebte in Albuquerque und Santa Fe. Dort starb sie am 8. August 1926 im Alter von 75 Jahren.[5]

Vermächtnis

Holmes war eine wichtige Figur der Arbeiterbewegung in Chicago und eine frühe Verfechterin des Acht-Stunden-Tages, der 1938 in den USA Gesetz wurde. Innerhalb der anarchistischen Bewegung wurde sie als Vorläuferin von Emma Goldman und anderen angesehen und als anarchistische Feministin gewürdigt. Ihre literarischen Werke werden heute von Historikern erneut als wichtige Quellen zur Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts betrachtet.[6]

Werke (Auswahl)

  • Woman's future position in the world, 1899
  • Ladies' Self-Improvement Club at Leighton, 1904
  • In the Land of the Free, 1904
  • Slumming – A Story, 1904
  • Our Tyrants, 1904
  • The True Incentive, 1904
  • A Choice of Despotisms, 1904
  • The Labor of the Children, 1904
  • Women Workers of Chicago, How the pioneer work was done by a band of self-sacrificing women who paved the way for the powerful unions of the present day, 1905

Einzelnachweise

  1. Michael J. Schaack, Anarchism Collection (Library of Congress) DLC [from old catalog], Paul Avrich Collection (Library of Congress) DLC [from old catalog]: Anarchy and anarchists. Chicago, F. J. Schulte & company; [etc., etc.], 1889 (archive.org [abgerufen am 21. September 2025]).
  2. Wendy Hayden: Evolutionary Rhetoric: Sex, Science, and Free Love in Nineteenth-Century Feminism. SIU Press, 2013, ISBN 978-0-8093-3102-4 (google.de [abgerufen am 21. September 2025]).
  3. Jacqueline Jones: Goddess of Anarchy: The Life and Times of Lucy Parsons, American Radical. Basic Books, 2017, ISBN 978-1-5416-9726-3 (google.de [abgerufen am 21. September 2025]).
  4. Ruth Percy: Death at the Machine: Critiques of Industrial Capitalism in the Fiction of Labor Activist Lizzie M. Holmes. In: Labor. Band 6, Nr. 3, 1. September 2009, ISSN 1547-6715, S. 65–88, doi:10.1215/15476715-2009-009 (dukeupress.edu [abgerufen am 21. September 2025]).
  5. a b Lucy parsons - american revolutionary | WorldCat.org. Abgerufen am 21. September 2025.
  6. Blaine McKinley: Free Love and Domesticity: Lizzie M. Holmes, Hagar Lyndon (1893), and the Anarchist-Feminist Imagination. In: Journal of American Culture. Band 13, Nr. 1, 1990, ISSN 1542-734X, S. 55–62, doi:10.1111/j.1542-734X.1990.1301_55.x (wiley.com [abgerufen am 21. September 2025]).