Livingstone (Sambia)
| Livingstone | ||
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| Koordinaten | 17° 51′ S, 25° 51′ O | |
| Symbole | ||
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| Basisdaten | ||
| Staat | Sambia | |
| Provinz | Südprovinz | |
| Höhe | 915 m | |
| Einwohner | 178.361 (2022[1]) | |
| Gründung | 1904 | |
| Telefonvorwahl | (0)213[2] | |
Main street in Livingstone
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Livingstone bzw. Maramba ist eine Stadt in der Südprovinz der Republik Sambia, am Sambesi acht Kilometer nördlich der Victoriafälle und rund 900 m über dem Meeresspiegel gelegen. Sie hat 178.361 Einwohner (2022) und grenzt an den 66 km² großen Mosi oa Tunya-Nationalpark.[1] Sie ist Sitz der Verwaltung des gleichnamigen Distrikts.
Geschichte
Das ab 1897[3] errichtete Livingstone war eine der ersten Siedlungen von Weißen in Sambia, das ab 1890 unter dem Namen Nordwestrhodesien von der British South Africa Company unter Cecil Rhodes kolonisiert wurde. Sie wurde nach dem Missionar und Afrikaforscher David Livingstone benannt. In der Nähe war die Victoria Falls Bridge fertiggestellt worden. Im Oktober 1907 verlegten die Briten ihre Administration von Kalomo hierher, wobei zunächst ein Hotel als Gouvernment House diente, bevor vor allem Holzhäuser entstanden. Am 17. November 1910 zeigte sich Louis Jalla, ein Missionar, mit den Neubauten zufrieden.[3]
Denn 1910 besuchte der Duke of Connaught den Ort, wofür repräsentativere Bauten errichtet worden waren. 1911 erfolgte eine Zusammenlegung der britischen Kolonialgebiete und 1924 wurde das britische Protektorat etabliert. 1912 meinte ein gewisser P. B. Boyd, „das Leben ist friedlich“. Die Briten ließen es sich gut gehen und genossen die Vorzüge eines 9-Loch-Golfplatzes, mehrerer Tennisplätze, Angelausflüge, Bootsregatten auf dem Sambesi ab 1910 und eines Theaters, während ab 1913 Bestimmungen über die Rassentrennung festgelegt wurden und es den marginalisiert lebenden Schwarzen verboten war, diese Orte zu besuchen.[3]
Wegen der Verlagerung der Rohstoffgewinnung erschien die Lage von Livingstone zunehmend ungünstig. Ab 1929 plante das Kolonialministerium in London die erneute Verlegung der Hauptstadt, diesmal nach Lusaka, wobei Chilanga, Chisamba, Kafue und Kabwe als weitere Hauptstadtkandidaten leer ausgingen. Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 mit sinkenden Kupferpreisen, der Tod von Gouverneur James Maxwell 1932 und der Widerwille der behaglich eingerichteten Kolonisten verlangsamten jedoch das Vorhaben, weshalb der Umzug erst 1935 vollzogen wurde.[3] Als Alternativname von Livingstone hat sich seither Maramba[3] etabliert. Livingstone war bis 2013 die Hauptstadt der Südprovinz, bis sie durch Choma abgelöst wurde.[4]
Einwohnerentwicklung
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand seit der Volkszählung 1990.
| Jahr | Einwohnerzahl |
|---|---|
| 1963 | 33.000[5] |
| 1969 | 45.200[5] |
| 1974 | 58.000[5] |
| 1990 (Zensus) | 76.875[1] |
| 2000 (Zensus) | 97.488[1] |
| 2010 (Zensus) | 134.349[1] |
| 2022 (Zensus) | 178.361[1] |
Verkehr
Livingstone hat eine gute Straßen- und Bahnanbindung nach Süden (Simbabwe), Westen (Trans Caprivi Highway) und Norden mit der Fernstraße T1 (Lusaka, Copperbelt), sowie der Zug nach Kitwe und ist auch über den internationalen Flughafen Livingstone erreichbar.
Tourismus
Livingstone lebt vor allem vom Tourismus, da sie Ausgangspunkt für Touren zu den Victoriafällen ist. Ursprünglich profitierte die Stadt von den Angeboten der vielen Veranstalter im simbabwischen Victoria Falls, wie Bungeespringen von der Eisenbahnbrücke und Wildwasserrafting. Nach der Verschlechterung der sozialen Bedingungen in Simbabwe gab es in Livingstone, zu Lasten von Victoria Falls, einen Aufschwung des Tourismus.
Historische Gebäude
Die historische Infrastruktur Livingstone wurde vor 1924 errichtet. Dazu gehören die St Andrews Church, die zum Gedenken an David Livingstone erbaut wurde, die Old European Library gegenüber der Boma Clinic, die jüdische Synagoge, das Livingstone Hotel, die Coillard Memorial Church und das Stansley House. Der Mukuni-Park ist eine historische Stätte, die 1905 als Erholungspark ausgewiesen wurde.
Das Livingstone Museum, das älteste und größte Museum in Sambia das 1930 gegründet wurde, beherbergt eine umfangreiche archäologische Sammlung. Zum Beispiel Funde aus Ingombe Ilede, die aus der Zeit des Munhumutapa-Reiches stammen.
Das Eisenbahnmuseum in der Stadt wurde mittlerweile zum Nationaldenkmal erklärt. Auf dem Gelände des Eisenbahnmuseums befindet sich das Gateway Jewish Museum, ein dauerhaftes Denkmal für die Rolle der Juden bei der Pionierarbeit in der Entwicklung Sambias.[6]
Religion
Livingstone ist Sitz des römisch-katholischen Bistums Livingstone, dessen Bischofskirche die Kathedrale St. Theresa ist. Das Christentum ist die Hauptreligion in Livingstone, die etwa 95 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Zwei Prozent der Stadtbewohner sind Muslime, weitere zwei Prozent praktizieren andere Religionen, während ein Prozent überhaupt keine Religion hat.[6]
In Livingstone geboren
- John Latham (1921–2006), rhodesisch-britischer Konzeptkünstler, Maler, Bildhauer und Performancekünstler
- Peter Dickinson (1927–2015), britischer Schriftsteller
- Duncan B. Mfune (1937–2025), neuapostolischer Geistlicher
- Aleke Banda (1939–2010), malawischer Politiker und Unternehmer
- Francis Wilson (1939–2022), südafrikanischer Wirtschaftswissenschaftler
- Peter J. Betts (1941–2019), britisch-schweizerischer Schriftsteller, Übersetzer und Journalist; geboren in Livingstone
- Guy Scott (* 1944), sambischer Politiker
- Richard Winterbottom (* 1944), kanadisch-britischer Ichthyologe, Evolutionsbiologe, Museumskurator und Hochschullehrer
- Stanley Kasongo Kakubo (* 1980), sambischer Politiker
Galerie
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David-Livingstone-Gedenkstein in Livingstone
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Das Livingstone-Museum
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Hauptstraße in Livingstone
Klimatabelle
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Livingstone
Quelle: wetterkontor.de
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Weblinks
- Zambia Tourism: Livingstone. Porträt auf www.zambiatourism.com (englisch)
- Livingstone bei Geonames
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Sambia: Provinzen, Städte & urbane Siedlungen - Einwohnerzahlen, Karten, Grafiken, Wetter und Web-Informationen. Abgerufen am 18. August 2022.
- ↑ Nationale und internationale Vorwahlen Sambias
- ↑ a b c d e Frank Tétart, Pierre-Alexandre Mounier, cartes de Gaëlle Sutton: Atlas historique des capitales déplacées : 70 capitales qui ont déménagé au fil des siècles. Éditions Autrement (Flammarion), Paris 2025, ISBN 978-2-08-047289-2, S. 86 ff.
- ↑ Choma finds land for provincial capital. In: Lusaka Times. 11. Februar 2012, abgerufen am 26. Oktober 2025.
- ↑ a b c Jürgen Schultz: Zambia. (= Wissenschaftliche Länderkunden; 23) Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983, S. 127.
- ↑ a b Livingstone: Capital city for 30 years, 2015. In: Zambia Daily Mail, abgerufen am 1. Oktober 2023.