Lisztstraße 28 (Weimar)

Die Lisztstraße 28 ist eine historistische Villa mit Nebengebäude in der Westvorstadt von Weimar.

Geschichte und Beschreibung

Die Villa im Stile der Neorenaissance wurde von dem Bauunternehmer Gustav Kinne 1898/99 errichtet. Die Pläne lieferte der Weimarer Architekt Wilhelm Müller. Der zweigeschossige, verputzte Backsteinbau hat ein gaubenbesetztes Mansarddach und ist um die Breite des von einem Metallgitterzauns begrenzten Vorgartens vom Straßenraum zurückgesetzt. An der Südseite befinden sich in beiden Geschossen Loggien. An der oberen sind an den Brüstungsfelder die Ornamentfelder in Scraffito-Technik dekoriert. Die Loggien haben zwei Säulen und drei Arkaden. Der nördliche Teil der straßenseitigen Fassade wird am Dach durch eine zweiachsige Gaube akzentuiert und nimmt die Diele des Treppenhauses auf und erschließt zugleich die repräsentativen Zimmer des Parterre. Bemerkenswert ist auch der überdachte Eingang mit einer Arkadentreppe, über dem sich ein Austritt befindet. Es wurde als Einfamilienhaus konzipiert. Zur Ausstattung der Bauzeit gehören u. a. die Innentüren, Parkettfußböden und Stuckdecken in den repräsentativen Räumen des Erd- und Obergeschosses. An der westlichen Grundstücksgrenze befindet sich eine Wagenremise mit Kutscherwohnung, die heute als Wohnhaus genutzt wird.[1] In der Villa war u. a. die Bildhauerin und Goldschmiedin Gertraud von Schnellenbühel ansässig, die hier ab 1915 im Obergeschoss ihre Werkstatt hatte.[2] Im Weimarer Adressbuch zumindest ab 1906 steht eine Majorswitwe Emmy von Schnellenbühel, geb. Markscheffel,[3] mit dieser Anschrift.[4] Diese ist hier auch als Hauseigentümerin eingetragen.[5] Da sie wohl schon 1899 das Haus bezog, ist anzunehmen, dass die Schnellenbühels Auftraggeber waren. 1900 stand im Weimarer Adressbuch noch ein „Major Schnell von Schnellenbühel z.D“ mit der Anschrift.[6]

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Einzelnachweise

  1. Rainer Müller: Kulturdenkmale in Thüringen: Stadt Weimar, Bd. 4.2.: Stadterweiterung und Ortsteile, E. Reinhold, Erfurt 2009, S. 780 f.
  2. Jörg Müller-Daehn, Falk Möller: Besteckentwürfe in Deutschland 1900 - 1945, S. 266.
  3. Seit 1874 war sie mit ihm verheiratet. Der Deutsche Herold, 1874, S. 90.
  4. Weimarer Adressbuch 1906, S. 160.
  5. Ebd. S. 183.
  6. Weimarer Adressbuch 1900, S. 85.

Koordinaten: 50° 58′ 26,7″ N, 11° 19′ 8″ O