Lipki Wielkie

Lipki Wielkie
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Lipki Wielkie
Basisdaten
Staat: Polen Polen

Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Gorzowski
Gmina: Santok
Geographische Lage: 52° 43′ N, 15° 31′ O
Einwohner: 1142 (2021)

Lipki Wielkie (deutsch Lipke) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Lebus. Es ist Teil der Landgemeinde Santok (Zantoch) im Kreis Gorzów. Im Jahr 2021 hatte das Dorf 1142 Einwohner.[1]

Geographie

Lipki Wielke liegt in der historischen brandenburgischen Landschaft Neumark, zwischen dem Netzebruch und dem Notecka-Wald (Puszcza Notecka) an der linken Seite der Noteć (Netze).

Kommunikationen

Das Dorf liegt an der Woiwodschaftsstraße 158, 25 Kilometer östlich von Gorzów Wielkopolski und 25 km südwestlich von Drezdenko. Der Gemeindehauptort Santok ist 12 km entfernt. Im Wald südöstlich von Lipki Wielkie befindet sich ein kleiner Flugplatz.

Geschichte

Dorfgeschichte

Frühgeschichte und Gründung

Der sumpfige Netzebruch gehörte seit dem Mittelalter zur Herrschaft von Zantoch. Das Gebiet kam wahrscheinlich 1492 an die Familie von Rülicke. Lipke wird erstmals zu Weihnachten 1580 erwähnt, als die Gebrüder Wolf und Christoph von Rülicke auf Gralow (Gralewo) „armen Leutten auf der Lybky“ zu bauen erlaubten. Lybky ist ein aus dem Slawischen übernommener Flurname mit der Bedeutung Lindenhügel oder die kleinen Linden.[2]

Bis 1700

Im 1601 ließ sich Christoph von Rülickes Sohn Dietrich in Lipke nieder und begann, ein Schloss zu errichten. Der Dreißigjährige Krieg führte zum Niedergang der Familie Rülicke.[2]

Lipke im 18. Jahrhundert

Ab der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war das Dorf im Besitz der Familie von Brandt, darunter Christian von Brandt[3] und Christoph Ernst von Brandt[4]. Der Netzebruch bevölkerte sich allmählich und neue Siedlungen (Bernhardinenhof, Christiansaue, Lipkesbruch, Annenaue, Lousisenaue, Esperance, Antoinettenlust und Albrechtsthal) wurden oft nach Mitgliedern der Familie von Brandt benannt. Zu den nördlich gelegenen Siedlungen wurden zwei erhöhte Zufahrtsstraßen, der große und der kleine Damm, angelegt. Die nach dem Siebenjährigen Krieg durchgeführten Meliorationen brachten eher Verbesserungen auf der rechten Netzeseite. Neben dem an der Landstraße angelegten Straßendorf Alt-Lipke mit dem Gut wurde um 1787 die Ortschaft Neu-Lipke angelegt, die später alle Straßen und Gassen zwischen der Chaussee und Albrechtstal (heute etwa am östlichen Ende der Koscielna-Straße gelegen) umfasste. Lipke blieb bis Anfang des 19. Jahrhunderts im Besitz der Familie von Brandt.[2]

Lipke im 19. Jahrhundert

1806 und 1828 hieß der Besitzer von Zinnow. 1837 ging das Dorf in den Besitz der bürgerlichen Familie Lehmann aus dem Landkreis Lebus über, deren Vertreter zu dieser Zeit Johann Gottlieb Lehmann (1781–1853) war, Jurist, Politiker und Bürgermeister von Frankfurt (Oder). Auf ihn folgte Ludwig Lehmann. Im Jahr 1879 gehörte der 1360,42 ha große Besitz dem Baron von Schlotheim.[5]

Im 19. Jahrhundert erhielt Lipke das Marktrecht. Die Einwohnerzahl wuchs und Gewerbetreibende wurden ansässig.[2]

1900 bis 1945

Von 1902 bis 1945 war das Anwesen im Besitz der Familie Lent.[2] 1914 umfasste das Rittergut „Alt-Lipke“ mit Pollychener Holländer 897 ha Land, davon 254 ha Acker und Gärten. Besitzer war der Baurat Alfred Lent in Berlin[6][7] und 1929 Hans Wolfgang Lent.[5][8]

Nach dem Friedensvertrag von Versailles war die polnische Grenze 20 km entfernt. In den Jahren 1935–36 wurde die Eisenbahnstrecke Altbeelitz (Stare Bielice) – Driesen (Drezdenko) – Schwerin an der Warthe (Skwierzyna) eröffnet, mit Station in Lipke.

Bei der Verwaltungsreform von 1928 wurden am 1. Januar 1929 Alt-Lipke, Gut Lipke, Neu-Lipke, Albrechtstal und Bernhardinenhof zur Gemeinde Lipke fusioniert.

Bis 1945 zählte Lipke zum Landkreis Landsberg/Warthe. Am 29. Januar 1945 rückte die Rote Armee im Dorf ein. Ab 1. Juli 1945 wurde die deutsche Bevölkerung vertrieben, die letzten im März 1946. Das Gebiet wurde unter polnische Verwaltung gestellt und Flüchtlinge aus den ehemals Polen zugehörigen Gebieten östlich der Curzon-Linie wurden angesiedelt.[2]

Nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gutshauptgebäude verwüstet und geplündert, erst in der Mitte der 1950er Jahre wurde es für die Bedürfnisse des staatlichen Kinderferienheims Julian Tuwim umgenutzt und in den Jahren 1961–63 zu einer staatlichen Sonderschule und einem Bildungszentrum umgebaut. Der Umbau in den frühen 1960er Jahren veränderte das Aussehen des Schlosses erheblich: Zwei Treppentürme wurden abgerissen und die Steinbalustrade der Terrasse auf der Orangerie entfernt. Um 2010 wurde die Infrastruktur der Sonderschule mit Aula, Übungsräumen und Freiluftbühne ausgeweitet, als Teil eines deutsch-polnischen Projekts.[9] Die Sonderschule mit Bildungszentrum besteht noch (2022), ausgeweitet mit einer Kochausbildung.[10]

1988 wurde die Eisenbahnstrecke geschlossen.

Geschichte der Kirche

Eine evangelische Kirchgemeinde bestand schon 1647. Eine Kirche in Lipke wird 1692 urkundlich erwähnt. Ursprünglich war die Kirche in Lipke eine Filiale der Gemeinde in Guscht (Goszczanów). Patronatsherren waren die gutsbesitzenden Familien von Rühlicke, von Brand und Lehmann. Ab 1861 unterstanden der Kirchgemeinde Lipke auch die Kirchen in Lipkeschbruch (Lipki Male) und Pollychener Holländer (Nowe Polichno). Die jetzige Pfarrkirche entstand für die evangelische Kirchgemeinde 1911 und wurde nach dem 2. Weltkrieg katholisch geweiht. Die Pfarrei trägt 2026 den Namen Narodzenia Najświętszej Maryi Panny (Geburt der Heiligen Jungfrau Maria).[11][12]

Wappen

Das Wappen von Lipke, bekannt spätestens seit 1896, zeigt „Im Grün drei goldene Weizenhalme“.[13]

Commons: Lipki Wielkie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Polen in Zahlen (polnisch).
  2. a b c d e f Richard Poepke: Chronik von Lipke/Neumark bis an die Netze. 2002.
  3. Nachrichten vom Johanniterorden, insbesondere von dessen Herrenmeisterthum in der Mark, Sachsen, Pommern und Wendland, wie auch … Johann Gottfried Dienemann, … Berlin, … 1767. S. 267.
  4. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. … 1905. S. 152.
  5. a b Jerzy Dubiel: Burgen, Schlösser, Herrenhäuser – LIPKI WIELKIE. Polnisch.
  6. Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. Leipzig 2014, ISBN 978-3-88372-072-2.
  7. Volkmar Lent: Meine Verwandten – Beiträge der Familie Lent zur Kulturgeschichte in Europa. 2021, S. 52 f.
  8. Volkmar Lent: Meine Verwandten – Beiträge der Familie Lent zur Kulturgeschichte in Europa. 2021, S. 57.
  9. Jahresbericht 2014 CCI 2007CB163PO011. Projekte im Zusammenhang mit der grenzübergreifenden Zusammenarbeit Lubuskie–Brandenburg 2007–2013.
  10. @1@2Vorlage:Toter Link/soswlw.plGeschichte des Schlosses und des Sonderschulheimes (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2025. Suche in Webarchiven) (polnisch).
  11. Kirchgemeinde Lipki Wielkie. (Polnisch).
  12. @1@2Vorlage:Toter Link/www.lubtur.plLubtur.pl. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2025. Suche in Webarchiven).
  13. Ralf Hartemink: Lipki Wielkie. In: heraldry-wiki.com. Abgerufen am 26. Dezember 2025.