Lionel Pracht
Walter Carl Urban Lionel Pracht (* 29. Mai 1875 in Uelzen; † 2. März 1945 in Bad Pyrmont) war ein deutscher Verwaltungsbeamter und Politiker (DDP). Er war von 1918 bis 1924 Bürgermeister von Bad Pyrmont und von 1919 bis 1922 Mitglied der Verfassungsgebenden Waldeck-Pyrmonter Landesvertretung.
Leben
Lionel Pracht war der Sohn des Pastors Karl Friedrich Gustav Pracht und dessen Ehefrau Helene Marie Albertine, geborene Schaumann. Er heiratete am 11. August 1903 in Göttingen Johanne Dorothea Gertrude Spreine.
Pracht legte 1894 am Gymnasium in Göttingen das Abitur ab. Anschließend war er aktiver Offizier im Badischen Artillerie-Regiment 14, das im elsässischen Straßburg stationiert war. Als Leutnant schied er 1901 aufgrund einer Manöververletzung aus dem Militärdienst aus. Nach der Vorbereitung auf den zivilen Kommunaldienst (wozu zwei Studiensemester der Rechtswissenschaften an der Universität Berlin gehörten) war Pracht von 1903 bis 1906 Gemeindevorsteher von Vienenburg im Harz (heute ein Ortsteil von Goslar). In den Jahren 1906 bis 1914 war er Bürgermeister der Kreisstadt Schivelbein in Prommern. Im Ersten Weltkrieg leistete er von 1914 bis 1918 Kriegsdienst. Im von Deutschland besetzten Litauen (Teil des Besatzungsgebiets Ober Ost) war er 1916–17 als Bürgermeister von Šiauliai (Schaulen) eingesetzt, wo er zugleich die Befugnisse eines Kreishauptmanns hatte.
Gegen Ende des Krieges wurde Pracht im Oktober 1918 Bürgermeister der Stadt Bad Pyrmont (im damaligen Fürstentum Waldeck-Pyrmont, nach der Novemberrevolution 1918 Freistaat) und blieb dies bis 1924. Ende 1918 war er Mitgründer und anschließend Vorstandsmitglied der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) in Bad Pyrmont, als deren Spitzenkandidat er 1919 in die Verfassungsgebende Waldeck-Pyrmonter Landsvertretung gewählt wurde. Dort gehörte Pracht zu den Befürwortern eines Anschlusses des Landesteils Pyrmont an Preußen, der 1921 erfolgte. Er war 1921 Bevollmächtigter der Stadt Pyrmont in der Bad Pyrmont-AG und blieb auch nach dem Ende seiner Amtszeit als Bürgermeister Aufsichtsratsmitglied.
Von 1930 bis 1933 war er Bürgervorsteher der Stadt Bad Pyrmont, die DDP benannte sich in dieser Zeit in Deutsche Staatspartei (DStP) um. Am 14. Juni 1937 beantragte Pracht die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.237.827).[1]
Literatur
- Reinhard König: Die Abgeordneten des Waldeckischen Landtags von 1848 bis 1929 (= Schriften des Hessischen Staatsarchivs Marburg. Bd. 3 = Vorgeschichte und Geschichte des Parlamentarismus in Hessen. Bd. 3). Hessisches Staatsarchiv, Marburg 1985, ISBN 3-88964-122-9, S. 67–68.
- Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Bd. 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Bd. 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 296.
- Jochen Lengemann: MdL Waldeck und Pyrmont 1814–1929. Biographisches Handbuch für die Mitglieder der Waldeckischen und Pyrmonter Landstände und Landtage (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Bd. 24 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Bd. 48, 16). Historische Kommission für Hessen, Marburg/Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-923150-76-2, S. 351–352, Nr. WA 215.
Weblinks
- Pracht, Walter Carl Urban Lionel. Hessische Biografie. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Walter Carl Urban Lionel Pracht. Abgeordnete. In: Hessische Parlamentarismusgeschichte Online. HLGL & Uni Marburg, abgerufen am 15. Juni 2024 (Stand 28. November 2023).
Einzelnachweise
- ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/33050441